Bilanz des Blitz-Marathons Polizei in NRW und Niedersachsen erwischt 26.000 Temposünder

Die Ankündigung der verschärften Tempokontrollen ließ viele Autofahrer kalt: Rund 26.000 Verkehrsteilnehmer wurden beim Blitz-Marathon in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erwischt. In Köln lieferten sich zwei 18-Jährige sogar ein Rennen.

Polizist stoppt einen Autofahrer: Raser-Quote von 2,7 und 3,7 Prozent
DPA

Polizist stoppt einen Autofahrer: Raser-Quote von 2,7 und 3,7 Prozent


Hamburg - Beim jüngsten Blitz-Marathon beläuft sich die Zahl der Unbelehrbaren auf 26.000. So viele Verkehrsteilnehmer waren am Dienstag und Mittwoch in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu schnell unterwegs - obwohl die großangelegte Tempokontrolle im Voraus angekündigt und die Standorte der Radarfallen bekannt waren.

Der Blitz-Marathon in Zahlen:

  • Laut NRW-Innenministerium waren landesweit 21.600 von rund 788.000 kontrollierten Autofahrern zu schnell. Das entspricht einer Quote von 2,7 Prozent - nach Angaben von Innenminister Ralf Jäger liegt die Quote bei unangekündigten Kontrollen bei acht Prozent.

  • 219 Rasern drohe wegen hohen Geschwindigkeitsverstößen ein Fahrverbot. Fünf Fahrern sei an Ort und Stelle der Führerschein entzogen worden. 22 Fahrzeugführer standen laut Polizei unter Drogen- oder Alkoholeinfluss.

  • In Niedersachsen waren laut Behördenangaben 4434 von insgesamt 120.185 kontrollierten Verkehrsteilnehmern zu schnell unterwegs. Die Quote liegt damit bei 3,7 Prozent. Bei unangekündigten Kontrollen liegt sie nach offiziellen Angaben bei elf Prozent.

  • 85 Autofahrer seien so schnell gewesen, dass ihnen ein Fahrverbot drohe.

Die Polizei meldete einige Exzesse:

  • In Köln lieferten sich zwei 18-Jährige laut Behördenangaben ein Rennen in der Innenstadt - sie rasten demnach zunächst in Gegenrichtung einer Messstelle vorbei, um kurze Zeit später mit 82 und 92 km/h bei erlaubten 50 km/h von ebenjener Radarfalle erwischt zu werden. Nun erhalten die beiden neben einem Bußgeld von 160 und 100 Euro drei Punkte in Flensburg, außerdem werde ihre Probezeit verlängert. Dem Schnelleren drohe ein einmonatiges Fahrverbot.

  • Ebenfalls in Köln blitzte die Polizei nach eigenen Angaben einen Autofahrer, der statt der erlaubten 70 km/h mehr als das Doppelte - 141 Sachen km/h - auf dem Tacho hatte. Laut den Beamten, die ihn gestoppt hatten, sagte er ihnen gegenüber: "Selbst wenn das Auto 500 fährt, ist das mein Problem, wie ich damit fahre." Jetzt werde er mit 680 Euro Bußgeld sowie einem Fahrverbot von drei Monaten bestraft. Zudem werde seine "charakterliche Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeuges" überprüft.

NRW-Innenminister Jäger kündigte an, dass im Herbst ein zweiter bundesweiter Blitz-marathon geplant sei. Bei der ersten Aktion im vergangenen Jahr waren drei Millionen Autofahrer in ganz Deutschland kontrolliert und 83.000 Tempoverstöße verzeichnet worden.

cst

insgesamt 126 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
the_eagle 09.04.2014
1. Der Staat braucht das Geld
Anders ist sowas nicht zu erklären. Wenn es um Sicherheitsaspekte ginge, dann müsste es doch bei 26.000 Verstößen auch zu Schäden gekommen sein. Oder was sagen die Statistiker?
zoon.politicon 09.04.2014
2. Autowerbung und Raserei
Zitat von sysopDPADie Ankündigung der verschärften Tempokontrollen ließ viele Autofahrer kalt: Rund 26.000 Verkehrsteilnehmer wurden beim Blitz-Marathon in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erwischt. In Köln lieferten sich zwei 18-Jährige sogar ein Rennen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/bilanz-des-blitz-marathons-in-nordrhein-westfalen-und-niedersachsen-a-963512.html
Bei Autotests im Fernsehen und auch SPON werden vorwiegend schnelle, teure Autos - besser Rennautos - vorgestellt, deren Vor- und Nachteile sowie Spitzentempo und Beschleunigung gegeneinander abgewogen: Im Grunde wird dadurch doch zum Schnellfahren bzw. Rasen verführt bzw. dafür geworben: es wird suggeriert, "Schnellfahren in ist". Da ist es wenig verwundelich, wenn auch bei angekündigten Kontrollen so viele Temposünder erwischt werden.
thkarlau 09.04.2014
3. Der vorletzte Absatz
zeigt deutlich, was in manchen Köpfen vorgeht. Es gibt tatsächlich Menschen, die ihre Raserei als ihren persönlichen Spaß ansehen, der keinen was angeht. Solchen uneinsichtigen und unbelehrbaren Subjekten gehört die Fahrerlaubnis auf Lebenszeit entzogen. Sie sind eine Gefahr für andere Menschen.
topas 09.04.2014
4.
Zitat von zoon.politiconBei Autotests im Fernsehen und auch SPON werden vorwiegend schnelle, teure Autos - besser Rennautos - vorgestellt, deren Vor- und Nachteile sowie Spitzentempo und Beschleunigung gegeneinander abgewogen: Im Grunde wird dadurch doch zum Schnellfahren bzw. Rasen verführt bzw. dafür geworben: es wird suggeriert, "Schnellfahren in ist". Da ist es wenig verwundelich, wenn auch bei angekündigten Kontrollen so viele Temposünder erwischt werden.
Jein ... Beschleunigung ist gut - so können beispielsweise bei kurzen Ampelphasen mehr Autos pro Runde über die Kreuzung. Man kann auf der Landstraße schnell überholen (und so möglichst wenig Zeit in der Gegenspur fährt). Auf der Autobahn kann man schneller überholen (da ist auch die Kenntnis über die Höchstgeschwindigkeit hilfreich - wenn das Auto nur 170 schafft muss ich nicht mit 160 ausscheren). Aber leider wird "zügiges Fahren" immer mit "Rasen" und "zu schnell fahren" gleichgesetzt. Dabei kann man auch zügig & im Rahmen der erlaubten und angemessenen Höchstgeschwindigkeiten fahren.
baghira1 09.04.2014
5. Viel zu günstig die Bußgelder
In Deutschland sind die Bußgelder und Strafen eher eine Einladung zur Geschwindigkeitsübertretung. Da von Abzocke zu reden, ist lächerlich. Die Strafen im Niedrigen Übertretungsbereich sind seit 40 nahezu gleichgeblieben. Nun zum "Marathon". Wie sähe es aus, wenn es keine Hinweise auf Standorte der Überwachungsanlagen in Radios, GPS, Internet gäbe? DIe Kaufhäuser, ÖPNV Unternehmen schreiben ja auch nicht, wann und wo sie die Kunden überwachen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.