Billigautos Konkurrenz für Tata

Autos zu Mopedpreisen - in Indien wird dies mit dem Tata Nano, der im September für umgerechnet 1700 Euro auf den Markt kommen soll, Realität. Weil das Geschäftsmodell - Billigautos für die Massenmobilität - so verlockend klingt, drängen weitere Konzerne in diese Liga.


3,10 Meter lang, vier Türen und eine Heckklappe sowie ein 624-Kubikzentimeter-Zweizylinder-Motor mit 33 PS über der Hinterachse - das ist der Tata Nano. Auf der Automesse in Delhi wurde das Auto vor wenigen Wochen enthüllt, im September soll es für 100.000 Rupien - das sind etwa 1700 Euro - in Indien auf den Markt kommen. In den dann noch verbleibenden Monaten des Jahres rechnet Konzernchef Ratan Tata mit einem Absatz von 200.000 Exemplaren. 2009 Jahr soll eine halbe Million Modelle verkauft werden.

Bei solchen Größenordnungen wird die Industrie hellhörig. Und natürlich hat in den vergangenen fünf Jahren nicht nur Tata an einem Billigauto getüftelt, auch andere Hersteller haben über ein Massenmobil für die so genannten Emerging Markets nachgedacht, also jene Zonen der Erde, in denen sich die Menschen bislang nur ein Fahrrad oder Moped leisten können, weil selbst die billigsten Autos noch viel zu teuer sind.

Der Renault-Nissan-Konzern beispielsweise führte vor knapp einem Jahr sein rumänisches Produkt Dacia Logan in Indien ein - zu einem Preis von umgerechnet 7000 Euro. Jetzt aber wollen die Franzosen nachlegen. Unlängst berichtete die Zeitung "Figaro", dass auch Renault über ein Fahrzeug im Preissegment von zirka 3000 Dollar nachdenke. Das wäre dann ein Auto, das in Konkurrenz zum Tata Nano treten könnte.

Wird Renault-Nissan Techniklieferant des Bajaj?

Derzeit spricht die Renault-Nissan-Allianz mit dem indischen Hersteller Bajaj über eine Kooperation. In Delhi zeigte das Unternehmen, das bislang vor allem Zwei- und Dreiräder fabriziert, das Minimobil Lite. Ebenfalls ein Fünftürer, ebenfalls mit Heckmotor wie der Tata Nano.

In etwa drei Jahren sei der Wagen serienreif, hieß es. Angestrebt werde dann ein Verkaufspreis von umgerechnet 2200 Euro. Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn hat bereits mehrfach erklärt, dass das Unternehmen in diesem Preissegment ein Angebot bereitstellen müsse. Ob diese Pläne sich mit dem indischen Partner Bajaj realisieren lassen, werden die nächsten Wochen zeigen, in denen über eine Kooperation oder zumindest eine Projektpartnerschaft verhandelt wird.

Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten fiel die Idee eines Billigautos für bislang noch nicht automobilisierte Märkte auf fruchtbaren Boden. Der Hersteller Praktiko zeigte unlängst das zweitürige Modell Tiger Kub, dessen Gestaltung mit dem sichtbaren Karosserierahmen an den Smart erinnert. Angetrieben von einem Zweizylinder-Motor mit einer Leistung von 28 PS soll der Wagen die Menschen in diversen Staaten Afrikas und auf dem indischen Subkontinent mobil machen.

Analysten halten die Billigautos für ein Wachstumgsgeschäft. Allerdings sind zahlreiche Experten, wie etwa Ian Fletcher von der Prognosefirma Global Insight der Ansicht, dass die extrem niedrigen Preise dieser Fahrzeuge wohl nicht lange auf einem so geringen Niveau gehalten werden. Schon ein leicht anziehender Stahlpreis könnte die Kalkulation der Billigautos durcheinander bringen und deutlich höhere Verkaufspreise bedeuten.

jüp



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