Biodiesel Umweltministerium und Industrie weisen TÜV-Bedenken zurück

Schadet er Motoren oder ist alles ganz harmlos? Das Umweltministerium und die Biokraftstoffindustrie wehren sich gegen TÜV-Bedenken gegen einen höheren Anteil von Biosprit im Diesel. Der Treibstoff, der 2009 auf den Markt kommen soll, sei unbedenklich.


Berlin - Erst scheiterte die höhere Biospritquote für Benzinmotoren, jetzt gibt es auch Streit um die für Anfang 2009 geplante höhere Beimischung von Biosprit beim Diesel: Der TÜV Süd hat auf mögliche Gefahren für Motoren hingewiesen und besonders vor Problemen bei älteren Fahrzeugen gewarnt - das Umweltministerium und Biokraftstoffhersteller weisen die Bedenken allerdings zurück.

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie sieht keine Gefahr. "Schwierigkeiten für Pkw-Motoren durch die höhere Beimischung von Biodiesel zu mineralischem Diesel von fünf auf sieben Prozent sind nicht zu erwarten", sagte Jürgen Fischer, der auch Mitglied im Kraftstoff-Normungsausschuss im Deutschen Institut für Normung (DIN) ist. Das zeigten die vierjährigen Erfahrungen mit dem Biodiesel-Anteil von fünf Prozent und die "erfolgreiche Einführung" der siebenprozentigen Beimischung in Frankreich. Die Schmierfähigkeit des Kraftstoffs werde sogar verbessert. Die neue Norm solle spätestens Mitte Mai vorliegen.

Auch das Umweltministerium verwies auf die Erfahrungen in Frankreich. Dort gebe es keine Probleme, sagte ein Sprecher. Der Vertreter des Ministeriums nahm zudem Stellung zu einem Bericht der "Bild am Sonntag", wonach ein DIN-Bericht vor dem neuen Kraftstoff gewarnt habe. Dieser Bericht einer Unterarbeitsgruppe sei vom DIN-Ausschuss verworfen worden. Zudem hätte sowohl der Verband der Deutschen Automobilhersteller (VDA) als auch der Verband der Autoimporteure keine Einwände gegen den Biodiesel.

Der ADAC hatte ebenfalls erklärt, er sehe keine Probleme, will aber bei Herstellern noch einmal nachfragen. Der Sprecher des Ministeriums betonte, der Sprit werde erst freigegeben, wenn der DIN-Ausschuss seine Beratungen abgeschlossen habe. Dies ist noch nicht der Fall.

Der Biodiesel B7 soll Anfang 2009 auf den Markt kommen. Er hat einen Anteil von bis zu sieben Prozent Biosprit statt wie bisher maximal fünf Prozent.

Umweltschützer kritisierten den Import von Agrarsprit wie Ethanol und Agrodiesel und forderten die Bundesregierung auf, ihn vorläufig zu stoppen. "Die politische Absicht, den Einsatz solcher Kraftstoffe auszudehnen, muss aufgegeben werden", forderte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger. Die weltweit dramatische Verknappung von Nahrungsmitteln wie Weizen, Mais und Reis mit der Folge rasant steigender Lebensmittelpreise und Hungerrevolten zwinge zum Handeln. Nur durch ein Moratorium bei den Agrosprit-Importen ließen sich die Lebensmittelpreise stabilisieren, sagte Weiger. "Der Anbau von Energiepflanzen hat nur dann eine Berechtigung, wenn wenn er nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht." Mobilität dürfe "nicht auf Kosten der Armen und der Umwelt gehen", sagte Weiger.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hatte Anfang April den Plan gestoppt, ab 2009 doppelt so viel Bioethanol ins Benzin mischen zu lassen wie bisher, nämlich zehn Prozent. Dies hätten etwa 3,5 Millionen Autos nicht vertragen. Deren Fahrer hätten auf das teure Super Plus umsteigen müssen. Die Bundesregierung musste in der Folge aber auch ihre Strategie zum weiteren Ausbau des Biosprit-Anteils kippen.

hen/dpa/AFP/Reuters



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