Biokraftstoff SunDiesel "90 Prozent weniger CO2-Emissionen"

Die Shell-Tochter Choren nimmt am Donnerstag die erste Raffinerie in Betrieb, die Holzabfälle in Sprit verwandelt. SPIEGEL ONLINE sprach mit Wolfgang Warnecke, dem Leiter der weltweiten Shell-Kraftstoffentwicklung, über die Chancen des neuen Diesel, Wasserstoffautos und Subventionen.


SPIEGEL ONLINE: Herr Warnecke, Sie sagen, aus Biomasse gewonnener Kraftstoff (BTL), wie ihn der Shell-Partner Choren in Freiberg herstellen wird, sei "der beste von allen Bio-Kraftstoffen ". Was zeichnet ihn aus?

Wolfgang Warnecke: "Bis zu 20 Prozent des deutschen Dieselbedarfes können über synthetischen Kraftsoff gedeckt werden"

Wolfgang Warnecke: "Bis zu 20 Prozent des deutschen Dieselbedarfes können über synthetischen Kraftsoff gedeckt werden"

Warnecke: Zu allererst ist BTL ist ein hochwertiger Kraftstoff, der extrem sauber verbrennt, absolut schwefelfrei ist und ohne Einschränkung in jedem Dieselmotor eingesetzt werden kann. Hinzu kommt: BTL hat im Vergleich zu herkömmlichem Diesel bis zu 90 Prozent weniger CO2-Emissionen.

SPIEGEL ONLINE: Weltweit explodieren die Lebensmittelpreise. Ist es überhaupt verantwortbar, Kraftstoffe vom Acker zu holen?

Warnecke: Biokraftstoffe der zweiten Generation wie BTL werden ja gerade nicht aus der Frucht von Pflanzen wie Mais oder Getreide gewonnen, sondern aus Pflanzenresten, Abfällen oder Holz. Das heißt, sie greifen nicht in die Nahrungskette ein.

SPIEGEL ONLINE: Es ist aber auch eine sehr aufwendige Technologie. Wie teuer wird BTL-Diesel?

Warnecke: Die Produktion in der vergleichsweise kleinen Raffinerie ist natürlich noch teuer. Je größer die Anlagen werden, desto günstiger kann produziert werden. Ziel muss sein, auf den Herstellungspreis von herkömmlichem Biodiesel zu kommen.

SPIEGEL ONLINE: Biodiesel wird inzwischen besteuert. Erwarten Sie, dass BTL zunächst stärker subventioniert werden wird als konventionelle Biokraftstoffe?

Warnecke: Wir rechnen damit, dass die Politik künftig Biokraftstoffe nur noch unterstützt, wenn sie zur Nachhaltigkeit beitragen und wirklich CO2 einsparen. Und hier ist BTL gegenüber Biokraftstoffen der ersten Generation eindeutig im Vorteil.

SPIEGEL ONLINE: Weltweit werden vier Milliarden Tonnen Rohöl im Jahr verbraucht. Hauptabnehmer ist der Verkehr. Wie viel werden Pflanzenkraftstoffe jemals ersetzen können?

Warnecke: Synthetischer Biokraftstoff hat die beste Flächeneffizienz von allen Biokraftstoffen und eine dreimal höhere energetische Nutzung als etwa Raps. Studien der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe gehen davon aus, dass in Deutschland bis zu 20 Prozent des deutschen Dieselbedarfes über synthetischen Dieselkraftstoff gedeckt werden können.

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht wird auch gar nicht mehr so viel Kraftstoff benötigt, wenn bald im großen Stil Elektroautos kommen.

Warnecke: Ein moderner Dieselmotor, gespeist mit BTL-Kraftstoff, bietet eine sehr gute Umweltbilanz zu vertretbaren Kosten. Davon sind alternative Antriebe, seien es Elektro- oder Brennstoffzellenautos, derzeit noch weit entfernt. Richtig ist jedoch, dass die Elektrifizierung des Autos in bestimmten Bereichen weiter zunehmen wird.

SPIEGEL ONLINE: Die Autoindustrie hat lange den Wasserstoff als Sprit der Zukunft gepredigt. Wie steht es um den?

Warnecke: Hier haben die Kollegen bei den Autoherstellern schon tolle Leistungen erbracht. Die Autos fahren gut. Es gilt aber noch, einige entscheidende Fragen zu klären. Etwa, wie wir gewährleisten können, dass der Wasserstoff aus regenerativen Quellen erzeugt wird und wie er sicher an die Tankstellen gebracht werden kann. Das wird noch einige Zeit dauern. Umso wichtiger ist es, dass wir uns schon heute um alternative Ergänzungen zu unserem Kraftstoffangebot bemühen. Hier kommt BTL eine entscheidende Rolle zu.

Das Interview führte Christian Wüst.


Lesen Sie hierzu auch die Geschichte "Bäume zu Autofutter" im aktuellen SPIEGEL auf Seite 144.



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