Biosprit-Beimischung Autoindustrie kassiert umstrittene Schätzung

Der Verband der Automobilindustrie rückt von seiner Position zur Biosprit-Beimischung ab. Bisher hatten die Lobbyisten erklärt, nur ein Prozent der deutschen Autos vertrage den neuen E10-Kraftstoff nicht. Jetzt hat der VDA die von allen großen Autoclubs angezweifelte Schätzung kassiert.


Frankfurt am Main/Berlin - Im Rätselraten um die Biosprit-Verträglichkeit von Autos will die Pkw-Branche nochmals ihre Zahlen prüfen und bis Ende März Klarheit schaffen. Die Bundesregierung halte eine entsprechende Verordnung zum Einsatz des Öko-Benzins bis dahin zurück, teilten Umweltministerium sowie der Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) am Donnerstag mit.

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Damit reagieren Regierung und VDA auf den massiven öffentlichen Druck. Ab Januar 2009 sollen Benzin und Super zehn Prozent Bioethanol beigemischt werden - unklar ist allerdings, wie viele Autos das Öko-Benzin überhaupt vertragen. Inkompatible Pkw wären gezwungen, den deutlich teureren Kraftstoff Super plus zu tanken, der weiter ohne Beimischung verkauft wird. Nach Angaben des Autoclubs ADAC sind mehrere Millionen Autos betroffen.

Die Autobranche hatte hingegen erklärt, nur 375.000 Autos deutscher Hersteller - oder ein Prozent der Flotte - könne nicht mit dem neuen Kraftstoff betrieben werden. Dem VDA zufolge war diese Einschätzung das Ergebnis umfangreicher Gespräche mit den im Verband organisierten Herstellern. Etliche Unternehmen, darunter Daimler, Volkswagen und Audi, hatten in den vergangenen Tagen weitgehende E10-Freigaben für ihre Fahrzeugflotten erteilt.

Nun soll nochmals nachgerechnet werden. Mit Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) habe man vereinbart, "dass VDA und VDIK sowie deren Mitgliedsunternehmen bis Ende März 2008 die Pkw mit Ottomotor benennen, die nicht für E10 geeignet sind", teilte der VDA heute mit. Anscheinend war die vorherige "intensive Prüfung und Abstimmung", die der Verband und die Hersteller durchgeführt haben wollen, nicht ganz vollständig.

"Offensichtlich," sagte ADAC-Präsident Peter Meyer am Donnerstag, "möchte der VDA die Autofahrer an der Nase herumführen und auf Zeit spielen". Anders sei es nach Ansicht des Clubs nicht zu erklären, dass der VDA seine eigenen Zahlen anzweifle.



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