Stationäre Radarfallen Deutsche Großstädte installieren mehr Blitzer

Deutsche Kommunen stellen im Kampf gegen Raser mehr und mehr Radarfallen auf. Damit erschließen sie auch eine lukrative Einnahmequelle. Eine Stadt verweigert sich dem Trend allerdings.

Stationäre Blitzer (Symbolbild)
DPA

Stationäre Blitzer (Symbolbild)


Deutschlands größte Städte bauen im Kampf gegen zu schnelles Fahren zunehmend feste Radarfallen auf. So nahmen allein Hamburg und Berlin in diesem Jahr 17 neue Blitzer in Betrieb, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergeben hat.

Der Trend setzt sich auch im nächsten Jahr fort, so will beispielsweise Dortmund im nächsten Jahr an 18 Stellen gleichzeitig blitzen können, statt wie bisher nur an elf. Weitere Großstädte folgen diesem Beispiel - mit einer prominenten Ausnahme. Hier die Übersicht:

In Hamburg wird mittlerweile an 40 Standorten dauerhaft geblitzt, sechs stationäre Geschwindigkeits- und Rotlichtüberwachungsanlagen wurden allein in diesem Jahr angeschafft. Das lohnt sich auch finanziell: Fast 18,9 Millionen Euro sind bis Ende November in die Kasse geflossen, das sind über drei Millionen Euro mehr als 2017 insgesamt. "Uns geht's nicht darum, die Leute abzukassieren", betont ein Sprecher der Innenbehörde. "Aber wer zu schnell fährt, gefährdet sich und die anderen."

In Stuttgart wird ebenfalls häufig geblitzt, über elf Millionen Euro hat die Stadt vergangenes Jahr nach eigenen Angaben eingenommen. 34 stationäre Blitzer und sechs Fahrzeuge sind im Einsatz. Und die zeigen anscheinend Wirkung, so fuhren an der Hohenheimer Straße nur noch gut vier Prozent der Autofahrer zu schnell. Zu Beginn der Messungen seien es noch mehr als sieben Prozent gewesen, sagte die Stadt.

Je bekannter die Radarfalle, desto stärker sinken die gefahrenen Geschwindigkeiten, erklärt ein Sprecher des Straßenverkehrsamt Frankfurt am Main. Stationäre Blitzer seien besonders effektiv. Sie haben der Stadt allein bis Ende Oktober vier Millionen Euro eingebracht. An manchen Stellen in der Stadt sei die Zahl der Geschwindigkeitsverstöße um 90 Prozent zurückgegangen.

Köln bemüht sich nach eigenen Angaben, auch die Standorte der mobilen Blitzer möglichst bekannt zu machen. "Überall dort, wo mobile Blitzer eingesetzt werden, sind diese deutlich sichtbar - allein durch diese Präsenz werden viele Autofahrer aufmerksam und fahren langsamer", sagt ein Stadtsprecher. Die Standorte der Blitzer werden jede Woche auf der Internetseite der Stadt veröffentlicht.

Köln gehört bereits heute zu den Städten mit den meisten Radarfallen und rüstet noch weiter auf. Bald betreibt die Stadt 39 stationäre Blitzer, sieben Radarwagen, zwei Blitztonnen und zehn semistationäre Anlagen - das sind Anhänger mit einer Radarfalle, die am Straßenrand abgestellt werden.

Auch in Berlin wird häufig geblitzt: In diesem Jahr hat die Stadt elf neue Blitzer installiert, die rund um die Uhr im Einsatz sind. Etwa 1,4 Millionen Euro hat sich der Stadtstaat das kosten lassen.

Dortmund verstärkt ebenfalls seine Radarkontrollen. Aktuell sind sechs stationäre Anlagen und fünf Messfahrzeuge im Einsatz, im nächsten Jahr kann an 18 Standorten gleichzeitig geblitzt werden.

Im Trend liegen auch semistationäre Anlagen wie die Anhänger mit Blitzer. Frankfurt am Main hat in diesem Jahr einen solchen Anhänger gekauft, Düsseldorf testet ihn gerade. "Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass solche Blitzer-Anhänger sich dazu eignen, die Lücke zwischen den sogenannten Starenkästen und den Überwachungen an wechselnden Orten zu schließen", sagt Volker Paulat vom Ordnungsamt Düsseldorf. Schon ohne den neuen Anhänger hat die Stadt vergangenes Jahr 7,4 Millionen Euro durchs Blitzen kassiert.

In München werden Autofahrer bisher zumindest von fest installierten Radarkontrollen weitgehend verschont. Einen einzigen stationären Blitzer hat die bayerische Landeshauptstadt, aktuell sind laut Stadt auch keine Anschaffungen geplant. Allerdings betreibt die Polizei nach Angaben eines Sprechers im Stadtgebiet acht stationäre Rotlichtblitzer, fünf stationäre Geschwindigkeitsblitzer sowie drei stationäre Anlagen, bei denen beides kombiniert wird.

Darüber hinaus sind mobile Blitzer im Einsatz. Vor allem die seien in München sehr erfolgreich, erklärte ein Sprecher. Durch Radarkontrollen hat die bayerische Landeshauptstadt bis September dieses Jahres knapp 1,5 Millionen Euro kassiert - denen jedoch Kosten von rund 1,2 Millionen Euro für Personal und Wartung gegenüberstanden.

Anm. d. Red.: Im ursprünglichen Text hieß es, in München gebe es nur einen stationären Blitzer. Diese Zahl bezog sich jedoch nur auf Geräte, die von der Stadt München aufgestellt wurden. Die Polizei betreibt im Stadtgebiet jedoch weitere stationäre Geräte. Wir haben den Fehler korrigiert.

Im Video: Die Blitzer-Jäger - Radarkontrollen auf dem Prüfstand

SPIEGEL TV

ene/dpa



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Seite 1
zauberer2112 17.12.2018
1. Aber nicht zum Abkassieren
Das machen die NUR wegen der Verkehrssicherheit, auch im beschaulichen Bottrop. Gefühlt ist jeder zweite dort Beschäftigte mit Blitzen, Knöllchen schreiben etc. und die Verwaltung beschäftigt. Aus dem Artikel geht ja wenigstens mal hervor, dass sie das zur Aufbesserung der Stadtkasse machen, ob das die Akzeptanz bei den Bürgern steigert (v.a. wenn man mit 33 in einer 30er-Zone geblitzt wird), wage ich zu bezweifeln.
mborevi 17.12.2018
2. Solange aber ...
... Blitzer stationär aufgestellt werden und das Verraten der Standorte im Radio etc. nicht bestraft wird, werden sie nutzlos sein und das Rasen und Töten geht weiter.
mrschabak 17.12.2018
3. München - Ein einziger stationärer Blitzer??
Sorry, lieber Autor, aber das ist dann wirklich mal ein reines Amtsmärchen. Allein auf dem Mittleren Ring gibt es mehr als 20 stationäre Blitzer, vor allem in den Tunnels. Bitte mal erst den Fakten heck...
vantast64 17.12.2018
4. Es ist nur zu gerecht,
die Autos zerstören mit ihren Nebenwirkungen die Urbanität der Städte: Lärm,Abgase,Gefährdungen der Fußgänger, Zerstörung des freiheitlichen Lebensgefühls, das Stadtluft frei macht, aber nun überall herumstehende Blechkisten. Mit dem Bezahlen von Steuern ist es längst nicht getan, selbst Häuser verlieren an Wert. Autofahren ist viel zu billig gemessen an der Menge an Zerstörungen! .
wombie 17.12.2018
5.
Leider werden im Artikel nur die Einnahmen erwähnt, die komplette Ausgabenseite inkl. Abschreibung, Messpersonal, Verwaltung usw. bleibt jedoch unberücksichtigt. Wer geblitzt wird, egal ob vor der Schule oder Ausfallstrasse, zeigt,dass er das Befolgen von Regeln für unwichtig erachtet und kann sich damit trösten, dass die Kommune seinen Beitrag für öffentliche Einrichtungen, wie z.B. Schwimmbäder, Bibliotheken, Schulen oder auch die Errichtung von geeigneten Rad- oder Fusswegen.
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