2er Active Tourer mit Frontantrieb Tabubruch bei BMW

Motor vorne, Antrieb hinten - das war die heilige Philosophie von BMW. Jetzt wird das Tabu gebrochen: Der Autokonzern stellt einen Kompaktvan mit Frontantrieb und Dreizylinder-Benziner vor.

BMW

Treue BMW-Fans müssen dieser Tage ganz stark sein. Jahrzehntelang baute das Unternehmen Autos, die sich durch ihre Sportlichkeit, ihr aggressives Design und ihre aufwendige Technik vom Durchschnitt abhoben; Hinterradantrieb war gesetzt, fette Motoren sowieso. Das gilt nun alles nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr in der bisherigen Kompromisslosigkeit.

Lässt sich das Elektroauto BMW i3 noch als "Zukunftsexperiment" abtun, geht es nun ans Eingemachte. Bei BMW klingt das so: "In der Premium-Kompaktklasse verbindet der neue BMW 2er Active Tourer Komfort und Raumfunktionalität mit den für BMW typischen Werten Dynamik, Stil und Eleganz." Einfach gesagt: Ab sofort baut auch BMW einen Kompaktvan - und zwar mit Frontantrieb!

Bislang waren Familienfahrzeuge mit geräumigem und variablem Innenraum für BMW kein Thema. Auch deshalb nicht, weil das eherne Fahrzeugkonzept der Münchner Autobauer - Motor vorn, Antrieb hinten - einem multifunktionalem Fond wegen des durchgehenden Getriebes und Gelenkwellentunnels im Wege steht. Und ein Auto mit Frontantrieb war bisher Blasphemie in einer Firma, die seit 1929 Pkw baut - und zwar ausschließlich mit "Standardantrieb", wie das Konzept mit den angetriebenen Hinterrädern bei BMW genannt wird, als ob nichts anderes denkbar war.

Wer interessiert sich schon für Front- oder Heckantrieb?

Dieses Tabu wird mit dem 2er Active Tourer gleich mitgebrochen, denn der erste Van der Marke ist zugleich auch das erste BMW-Modell mit Frontantrieb. Und, drittes gebrochenes Tabu: Es ist der erste BMW mit einem Dreizylindermotor, quer eingebaut, versteht sich. Für gusseiserne Anhänger der Marke bedeutet das neue Modell, das auf dem Autosalon in Genf in zwei Wochen Weltpremiere feiert, das Ende der BMW-Welt, wie man sie bisher kannte.

Für das Unternehmen hingegen ist es der Start in eine neue Ära. Denn durch die Umstellung auf Frontantrieb, die sich in Zukunft auf sämtliche Modelle der 1er- und 2er-Baureihe erstrecken wird, kommt BMW im Verbund mit den frontgetriebenen Mini-Modellen auf eine erkleckliche und damit höchst rentable Stückzahl von Fahrzeugen dieser Bauart. Zudem werden durch die kompaktere Frontantriebsbauart neue Karosserievarianten wie eben der Active Tourer genannte Van möglich, nach denen die Nachfrage weltweit wächst.

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Automobile Tabubrüche: Das darf doch nicht wahr sein

Und die vielbeschworene Fahrfreude? Die ewige Predigt von der nur durch Hinterradantrieb möglichen und für die Fahrdynamik so wichtigen Entkoppelung der Lenk- und Antriebskräfte? Interessiert offenbar nur noch als Marketing-Formel. BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess sagt: "Welche Achse bei ihrem Auto angetrieben wird und was für ein Motor unter der Haube steckt, das wollen doch viele Menschen heute gar nicht mehr wissen."

Der Tabubruch als Wachstumstreiber

Als Motorisierungen werden für den Kompaktvan zunächst ein Dreizylinder-Turbobenziner mit 136 PS, ein Vierzylinder-Diesel mit 150 PS und ein Vierzylinder-Benziner mit 231 PS zur Verfügung stehen. Ab Herbst wird es neben den frontgetriebenen Varianten auch solche mit Allradantrieb geben; und dazu die sogenannten M-Sportpakete, um das Familienauto mit sportlichem Schnickschnack vollends aus der Art schlagen zu lassen.

Ganz neu für einen BMW ist auch die Variabilität des Fonds, bedingt durch eine um 13 Zentimeter in Längsrichtung verschiebbare, zweiteilige Rücksitzbank mit dreigeteilter, ebenfalls variabel einstellbarer Lehne. Das Gepäckraumvolumen reicht von 468 bis 1510 Liter bei komplett flachgelegten Rücksitzlehnen. Und auf Wunsch gibt es nicht nur ein Panoramadach oder ein Head-up-Display, sondern auch eine automatisch öffnende Heckklappe, die per angedeutetem Fußtritt unter den Stoßfänger aktiviert wird.

Die exakten Preise für den 2er Active Tourer nennt BMW noch nicht. Es heißt, das Basismodell solle "unter 30.000 Euro" kosten. Das ist viel Geld, doch das Tabu, ein Billigauto zu bauen, wird BMW nicht auch noch brechen. Entscheidender als der Preis sind diesmal ohnehin ein paar grundsätzliche Fragen. Etwa: Wird dieses Auto noch als ein echter BMW wahrgenommen? Wird mit einem frontgetriebenen Kompaktvan das bislang penibel gepflegte Markenimage irreparabel beschädigt? Geht BMW in diesem Fall zu weit? Genaue Antworten wird man erst in ein paar Monaten kennen, doch immerhin ist BMW nicht allein, wenn es um Tabubrüche geht. (Hier unsere Aufstellung weiterer Tabubrüche von Autokonzernen).



insgesamt 311 Beiträge
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josefinebutzenmacher 14.02.2014
1. Sehr schön... sieht aus wie
... der Ford B-Max. Leider ohne dessen geniales Türen Konzept. Und wohl deutlich teurer.
truereader 14.02.2014
2. dann müssen
dann müssen jetzt alle BMW-Fans ganz tapfer sein. Drei Zylinder gibts ja auch schon im Mini. Während man bei anderen Hersteller das Downsizing bei den Zylindern immer belächelt hat, findet man es hier gut. Komische Welt. Und der Wagen wird nackt 29990 kosten, die lange Aufpreisliste wird es schnell ungemütlich machen.
gboos 14.02.2014
3. Furchtbar ....
... einfach nur furchtbar was BMW seit einiger Zeit veranstaltet. Der neue 2er Active Tourer sieht aus wie ein Koreaner. Das ist nicht mehr BMW. Mit dieser neuen Modellpolitik geht auch die Identifikation verloren. UND DANN NOCH FRONTANTRIEB !!!!???? Geht gar nicht. Ich glaube auch das BMW das von den Kunden zu spueren bekommt.
truereader 14.02.2014
4. und eng
und eng geht es hier auch vorne wieder zu. Dieser massige Mitteltunnel ist eine Zumutung. Die tiefsitzenden Tasten auch. Oha. Nein Danke.
wannewupp 14.02.2014
5. Konsequent
Der Wagen ist konsequent auf die ältere Zielgruppe zugeschnitten. Hier hat Mercedes ja durch die tiefere A-Klasse etwas Platz gemacht. Der aktuellen Rentnergeneration geht es überwiegend gut, so dass sich der Wagen sicherlich blendend verkaufen wird.
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