BMW 733i, Baujahr 1977 Zugang zur Chefetage

"Harry, hol' schon mal den Wagen" - mit diesem Satz begann für die meisten Deutschen vor mehr als 30 Jahren das Rendezvous mit der ersten Generation des BMW 7ers. Die als "Derrick"-Dienstwagen bekannte Luxuslimousine ebnete BMW den Weg ins automobile Oberhaus.

Historisch bewanderte Autofans könnten behaupten, die Marke BMW ist bereits seit 70 Jahren in der Oberklasse vertreten. Denn 1938 auf der Motorshow in London wurde der Prototyp des modernen Reisewagens BMW 335 enthüllt, und diese Fuhre war gedacht für die Welt der Reichen, Schönen und Wichtigen. Doch selbst durch "Barockengel" (BMW 502 von 1951) und "Große Baureihe" (BMW 2500 und 2800 von 1968) wurden die Autos mit dem weiß-blauen Logo vom Geldadel nie so richtig wahrgenommen. Am großen Mercedes führte früher einfach kein Weg vorbei.

Das änderte sich erst im Mai 1977, als BMW die "Große Baureihe" in den Ruhestand schickte und die erste Generation des 7ers präsentierte. Das neue Top-Modell aus München wollte nicht nur luxuriös und opulent sein wie die Konkurrenz aus Stuttgart, sondern darüber hinaus auch Innovation und Fahrspaß bieten - zwei Eigenschaften, die Mercedes damals nicht ganz so wichtig waren.

So, wie BMW heute den neuen 7er als Innovationsträger und technische Speerspitze des Unternehmens feiert, war auch schon der Urahn mit dem internen Code E23 gedacht als Ausweis bayerischen Erfindungsreichtums. Und so hatte das Auto damals den weltweit ersten elektronischen Tacho, eine drehzahlabhängige Servolenkung und diverse elektrische Helfer an Bord.

Wo Mercedes bei der S-Klasse noch auf üppigen Zierrat aus Chrom, barocke Formen und einen Kühlergrill vom Format eines Beistelltisches setzte, waren bei BMW damals gedeckte Töne und schlanke Formen angesagt: Glanz gab es nur dank einiger weniger Zierleisten, das Heck war leicht gerundet, die Motorhaube stark konturiert und der Kühlergrill so spitz, als solle er den Vordermann von der Straße schubsen. Dazu gab es Doppelscheinwerfer mit stechend scharfem Blick, den viele nicht mehr vergessen sollten.

Unterwegs im BMW 7er aus dem ersten Baujahr

Auch mit dem strammen Fahrwerk sowie dem zum Fahrer hin geneigten Cockpit machte BMW deutlich, dass der Chef im 7er am besten selber fährt - außer natürlich in der TV-Serie "Derrick", wo das Flaggschiff der Bayern publikumswirksam seinen Einstand gab. Im Fernsehkrimi fuhr nämlich nicht Kommissar Stefan Derrick (Horst Tappert) in der Nobellimousine durch die Villenviertel von Grünwald oder Bogenhausen, sondern sein Assistent. Die Aufforderung "Harry, hol' schon mal den Wagen" wurde bald zu einem geflügelten Wort.

Kurz bevor der neue BMW 7er zu den Händlern kommt, war SPIEGEL ONLINE noch einmal in einem Original der ersten Stunde unterwegs - einem 733i, Baujahr 1977. Dessen 3,2 Liter großer Sechszylinder mit Einspritzanlage leistet 197 PS und mit einem Preis von 38.600 Mark markierte er damals die Spitze der Modellfamilie. Die Fahrleistungen des 733i sind so respektabel, dass der Wagen auch heute noch gut im Verkehr mitschwimmt: Immerhin schaffte der damals schnellste 7er den Sprint auf Tempo 100 in neun Sekunden, und Schluss war erst bei 212 km/h.

Holzeinlagen mit Laubsäge-Charakter

Allerdings war der erste 7er mit 4,86 Metern Länge und 1,5 Tonnen Leergewicht gemessen am heutigen Modell vergleichsweise zierlich: Der aktuelle, intern F01 genannte Luxusliner ist rund 20 Zentimeter länger und zehn Zentner schwerer. Dennoch geht es im Debüt-7er kaum beengter zu. Im Gegenteil: Auf den Sesseln in blassgrünem Flockvelours sitzt man vorn wie hinten so bequem wie seinerzeit im Erster-Klasse-Abteil des Trans-Europa-Express. Allerdings ist aus heutiger Sicht das Ambiente arg spießig: Wo inzwischen gebürstetes Aluminium, feines Leder und schmuckes Wurzelholz-Imitat für Atmosphäre sorgen, gab es damals zweifarbigen Kunststoff, Holzeinlagen nach Art von Laubsägearbeiten und breite Cord-Bezüge.

Nur das Cockpit des 7ers war schon damals seiner Zeit voraus. Auf der Mittelkonsole gab es vier Schalter für die elektrischen Fensterheber. Die Steuerung der Lüftung war elegant in den Skalenring um die Uhr integriert. Und sogar so etwas wie einen Bordcomputer gab es schon. Als erstes Auto bot der große BMW eine sogenannte Check Control - ein Tastenfeld von der Größe eines Taschenrechners, auf dem man zum Beispiel die Füllstände von Motoröl und Waschwasser oder die Funktion des Bremslichts prüfen konnte.

Der BMW 7er war auf Anhieb ein Erfolg

Ob solche Spielereien dabei nützlich waren oder nicht: Der erste BMW 7er wurde auf Anhieb zum Erfolg. Bereits kurz nach dem Verkaufsstart im Frühsommer 1977 war die Nachfrage so groß, dass im BMW-Werk Dingolfing Sonderschichten eingelegt werden mussten. Allein im Jahr der Premiere wurden fast 20.000 Modelle verkauft, im ersten vollen Produktionsjahr waren es mehr als 35.000 Autos. Bis 1986 die zweite Generation an den Start ging, kam BMW auf ein Produktionsvolumen von 285.029 Exemplaren - mehr als je zuvor in dieser Klasse.

Weil sich der neue 7er von Modellgeneration zu Modellgeneration besser verkaufte, ist BMW drei Jahrzehnte und fünf 7er-Baureihen später längst im Oberhaus angekommen. Während Aufsteiger wie der Lexus LS oder der VW Phaeton noch immer um Anerkennung ringen, steht der neue 7er heute ganz selbstverständlich neben seinem ewigen Rivalen aus Stuttgart - und ist der S-Klasse in einigen Ländern in puncto Beliebtheit sogar voraus.

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