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18. April 2015, 11:00 Uhr

Erste Fahrt im neuen BMW 7er

Versucht's mal mit Gemütlichkeit

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Der neue 7er, das Flaggschiff von BMW, wird im Herbst Weltpremiere feiern. Bei einer Vorpremiere wollte der Hersteller nun zeigen, wie sportlich sich die Limousine bewegen lässt. Dabei liegen die Qualitäten des Autos ganz woanders.

Die Reifen quietschen, es riecht nach verbranntem Gummi und die noch stark getarnten Prototypen fliegen über die akribisch abgeriegelte Teststrecke. Ein halbes Jahr bevor der neue BMW 7er auf der IAA im September im Frankfurt Weltpremiere feiern wird, legen die Ingenieure letzte Hand an die luxuriöse Limousine - in Form brutaler Fahrmanöver. Das Flaggschiff im Tarnfrack wird rangenommen wie ein Sportwagen.

Das von BMW inszenierte Fracksausen hat vor allem einen Grund. Der neue Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich formuliert ihn so: "Auch in einer Luxuslimousine ist das dynamische Fahrerlebnis neben dem absoluten Fahrkomfort für uns von zentraler Bedeutung." Es ist das immer gleiche Mantra von der Freude am Fahren, dem kein BMW-Modell entkommt. Auch die sechste Generation des eigentlich gediegenen BMW 7ers soll das sportliche Image der bayerischen Marke unterfüttern.

Einfach stärkere Motoren einzubauen reicht dafür nicht mehr in einer Zeit, in der CO2-Werte ebenso relevant geworden sind wie die PS-Zahl. Der neue 7er hat also erst einmal abgespeckt. Je nach Variante um bis zu 200 Kilogramm. Bevor jetzt jemand jubelt: Durch Mehrausstattung wurde ein Teil des Leichtigkeitsgewinns leider wieder zunichte gemacht. Unterm Strich bleibt ein Gewichtsvorteil zum Vorgängermodell von etwa 130 Kilo. "Damit sind wir das leichteste Auto im Segment," prahlt Fröhlich mit Blick auf die Konkurrenzmodelle Mercedes S-Klasse und Audi A8.

Karboneinsatz in neuem Maßstab

Dafür hat BMW beim neuen Auto "zum ersten mal im industriellen Maßstab" auf eine Mischbauweise aus Stahl, Aluminium und Karbon gesetzt. Zahlreiche Längs- und Querbauteile der Grundkarosserie sind aus Karbon gefertigt, andere wurden mit Kohlefaserkomponenten verstärkt. Zudem konnten viele andere Blechbauteile dünner werden - und damit ebenfalls leichter.

Männer wie BMWs Mann für die Leichtigkeit, Florian Schek, können stundenlang referieren über "kernfreie Verstrebungen", also hohlen Karbonröhren in den Längsträgern. Über das Stahl-Karbon-Sandwich der B-Säule. Über das Karbonbauteil über dem Mitteltunnel. Doch über die Herstellung des Kohlefaserverbundstoffs und vor allem über die Verarbeitung verliert er kein Wort. "Das ist so geheim, dass selbst in der Entwicklung nur ein kleiner Kreis Zugang zu diesen Informationen hat."

Entscheidend ist die Elektronik

Vielleicht hat Schek recht und der Leichtbau ist tatsächlich eine Art Universalschlüssel zu Effizienz und Fahrfreude. Doch entschieden wird der Kampf um die Krone in der Oberklasse wohl nicht im fahrdynamischen Grenzbereich, sondern bei Infotainment- und Assistenzsystemen.

Entsprechend werden die BMW-Mitarbeiter, anders als in puncto Antriebe des neuen 7ers, sehr auskunftsfreudig, wenn es um das neue Bedienkonzept geht.

Im Zentrum steht ein komplett digitales Cockpit; die Klimasteuerung erfolgt über gleich drei kleine Touchscreens und der große, zentral angeordnete Navigationsbildschirm lässt sich jetzt per Fingerberührung und kleinen Bewegungen so steuern, wie man es von einem Tablet-Computer kennt. Ganz neu dazu kommt die Gestensteuerung, die mittels einer Kamera am Innenspiegel funktioniert und zum Beispiel zur Regelung der Musiklautstärke oder den Umgang mit Anrufen genutzt werden kann. Ein Fingerzeig auf das Display, schon hat man den Gesprächspartner in der Leitung. Und wenn man kurz von links nach rechts wischt, ist Schluss mit dem Geschwätz.

Auto, park' schonmal den Wagen

Auch die neuen Assistenzsysteme sind eher auf Entspannung als auf Enthusiasmus programmiert. Die Lenkung beispielsweise regelt jetzt bei Bedarf automatisch sanft nach, und zwar bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h; und der Tempomat lässt sich auf Knopfdruck ans jeweils aktuelle Tempolimit anpassen. Das ist sicher hilfreich auf langen Strecken, doch mit aktivem Fahrgenuss haben diese Extras nicht mehr viel zu tun.

Noch krasser fällt das auf bei einer Neuheit, die den Fahrer gänzlich überflüssig macht: Das Parken per Fernbedienung. Denn als erster BMW fährt der kommende 7er die letzten Meter autonom in eine Garage oder eine enge Parklücke. Und zwar nicht sportlich, sondern so langsam und kontrolliert, dass die Reifen noch nicht einmal knirschen.

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