BMW Active-E-Concept Hightech zur Probe

Ist es Marktforschung, technisches Experimentieren oder Aktionismus? Im Monatsrhythmus werden derzeit neue Elektromobile angekündigt, nun ist BMW dran. Auf der Detroit Autoshow im Januar wird ein Konzeptfahrzeug stehen, das in einer Kleinserie gebaut werden soll.


Was der Mini kann, das kann der BMW 1er auch. Nach diesem Motto treiben die Münchner Autobauer jetzt den Aufbau einer elektrischen Versuchflotte voran. Mit den Erfahrungen von mehreren hundert Mini E rüstet BMW nun auch das Einstiegsmodell der Kernmarke, den 1er, mit Elektroantrieb aus. Den Einstand gibt das optisch nur im Detail modifizierte, dafür jedoch mit Platinen-Graffiti und blau leuchtenden Dekorelementen beklebte Coupé im Januar auf der Autoshow in Detroit.

Anders als andere Studien soll dieser Wagen kein Einzelstück bleiben. Man habe "mit der Entwicklung einer umfangreichen zweiten Erprobungsflotte von Elektrofahrzeugen auf Basis des BMW 1er Coupé begonnen", heißt es im Unternehmen. Wie schon beim Mini E sollen auch diese Autos von Privatkunden im Feldversuch gefahren werden, um den Ingenieuren bei der Entwicklung eines "elektrisch angetriebenen Serienfahrzeugs" zu helfen, das "die BMW Group unter einer Submarke in der ersten Hälfte des nächsten Jahrzehnts auf den Markt bringen wird". So nebulös können Ankündigungen sein.

Der speziell für den Einsatz im BMW 1er entwickelte Elektromotor kommt auf 170 PS und 250 Nm, mit denen das Coupé so flott unterwegs sein soll, wie es die Stammklientel der weiß-blauen Marke erwartet. Den Sprint bis Tempo 60 schafft der Wagen in 4,5 und den Spurt auf Tempo 100 in weniger als neun Sekunden, lautet die Ansage die Entwickler. Nur die Höchstgeschwindigkeit ist aus Rücksicht auf die Reichweite auf eher bescheidene 145 km/h limitiert.

Mit dem Auto-internen Tempolimit, einer Bremsenergie-Rückgewinnung (Rekuperation) und Kniffen wie der ferngesteuerten Vorklimatisierung während des Ladevorgangs hat BMW die theoretische Reichweite auf 240 Kilometer ausgedehnt. Das zumindest ergibt eine Simulation nach den Regeln der aktuellen US-Normen. Im Straßenverkehrsalltag, mit zugeschalteten Nebenverbrauchern wie Klimaanlage oder Scheibenheizung, rechnen die Entwickler mit etwa 160 Kilometern Reichweite.

Der Fortschritt zeigt sich in der Verkleinerung der Komponenten

Diese Werte liegen auf dem Niveau des Mini E; den Fortschritt erkennt man erst beim Blick auf den Platzbedarf der neuen Technik. Während im Mini das Gestühl in Fond der Batterie zum Opfer fiel, bleiben im 1er alle vier Sitze erhalten. Und der Kofferraum fasst immerhin 200 Liter. Über den anstelle des Differentials in der Hinterachse integrierten Elektromotor und die unter einer beleuchteten Plexiglasscheibe drapierte Leistungselektronik passt deshalb wahlweise das Wochenendgepäck oder zwei Golfbags. BMW möchte die Volumenangabe mit Hilfe von Schlägertaschen offenbar auch im Elektroautozeitalter fortführen.

Möglich wird die deutlich kompaktere Bauweise durch eine neue Generation von Lithium-Ionen-Akkus, die nun nicht mehr aus Laptops zusammengeklaubt, sondern explizit für den automobilen Einsatz entwickelt wurden. Sie stammen aus einem Joint-Venture von BMW und SB LiMotive, einer Firma, in der sich wiederum die Unternehmen Bosch und Samsung zusammengeschlossen haben. Die dort produzierten Akkus sind nicht nur besonders leistungsstark, sondern auch kompakt und modular einsetzbar. Anstelle eines zentralen Blocks, sind die mit einem Flüssigkühlsystem auf Betriebstemperatur gehaltenen Zellen überall im BMW 1er verteilt. Die meisten stecken im Mitteltunnel, andere unter der ehemaligen Motorhaube und dort, wo früher einmal der Tank war.

Der erste elektrisch angetriebene Geländewagen der Welt

BMW ist nicht der einzige Hersteller, der gerade ein neues Elektroauto vom Stapel lässt. Daimler etwa erklärte jüngst die Elektro-Testphase für beendet entließ das Modell Smart ED in den Serienstand; Renault und Nissan melden fast wöchentlich neue Projektpartner für den Einsatz ihrer Großserienstromer; und sogar Tuner steigern die Spannung. Porsche-Veredler Ruf zum Beispiel hat nach einem auf Elektrobetrieb umgebauten Sportwagen 911 nun auch den SUV Cayenne zum Stormster gemacht - zum angeblich ersten elektrisch angetriebenen Geländewagen der Welt.

Ein gemeinsam mit Siemens entwickelter, 367 PS starker Elektromotor wuchtet das 2,7 Tonnen schwere Gefährt in zehn Sekunden auf Tempo 100. Auf der Landstraße kann man damit ordentlich loslegen, doch auf der Autobahn geht dem Stormster schnell die Puste aus: Mit Rücksicht auf die Kapazität der Lithium-Ionen-Akkus wurde die Höchstgeschwindigkeit auf 150 km/h limitiert. So reicht der Strom wenigstens für 200 Kilometer. Obwohl ökologisch nicht sinnvoll, ist der saubere Cayenne übers Prototypenstadium längst hinaus. Beim Klimagipfel in Kopenhagen surren drei der Elektro-SUVs im Shuttle-Dienst.



insgesamt 8 Beiträge
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timbuktu 17.12.2009
1. Wieso 170 PS ?
Wieso benötigen wir ein Elektroauto mit 170 PS ? 90 würden doch auch reichen oder ? Wann verabschieden sich die Hersteller endlich von dem Wahn immer stärkere Autos bauen zu müssen. Jeder technische Fortschritt wird dadurch wieder zunichte gemacht. Aber chic ist er.
eotunun 17.12.2009
2. Das E-Auto ist sooo schwirerig!
Ja, das kann ja keiner bauen. Erst recht keine deutschen Premiumhersteller. Was ja ein schier unlösbares Problem darstellt ist die Frage wie man bei einem Elektrofahtzeug den Auspuffsound designen soll! Neulich habe ich auf einem Spaziergang darüber nachgedacht. Ich blieb vor dem Fenster eines Spielzeuggeschäftes stehen und sah die Fernlenkmodelle von Tamiya, Graupner und Robbe. Sagenhaft was für High Tech hierzulande als Spielzeug durchgeht. Das hat mich nachdenklich gemacht.. Wo soll denn auch der ganze Strom herkommen mit dem Die Autos versorgt werden können? Tief in Gedanken bin ich gegen eine Laterne nach der Anderen gelaufen. Au. Wie gut das da keine Parkuhren mehr stehen, die Dinger waren ja genau auf Höhe der Magengrube! Aua! Man stelle sich vor das stünden noch Stromzähler herum! Auer!! Nee, das geht alles nicht. Resigniert seufzend ging ich weiter. Ob das alles nicht viel einfacher ginge als die Nadelstreifen-Klamaukis das kund tun? Intelligente Lösungen vereinfachen Dinge ja. Ich wundere mich oft wie kompliziert "Einfach" hierzulande geht. Mal im Ernst: Dieses gezippel und gezappel um alles mit E-Autos kostet uns für die nächsten Jahrzehnte zahlose Jobs und endgültig einen heute schon zweifelhaften Anspruch bei der technischen Entwicklung noch relevant zu sein. Hört mit der Verbalmasturbation in den Werbeetagen auf und baut wieder zukunftsweisende Technik, dann werden die deutschen Karren auch wieder laufen, zum Donnerwetter noch eins!
theorie 17.12.2009
3. Ausgereift ist die Technik erst ...
... wenn BMW damit die WTCC gewinnt. Dann kann man auch als Endverbraucher sorglos zugreifen.
cha cha 17.12.2009
4. @ timbuktu
Zitat von timbuktuWieso benötigen wir ein Elektroauto mit 170 PS ? 90 würden doch auch reichen oder ? Wann verabschieden sich die Hersteller endlich von dem Wahn immer stärkere Autos bauen zu müssen. Jeder technische Fortschritt wird dadurch wieder zunichte gemacht. Aber chic ist er.
Zum Fahren schon, aber nicht, um beim Bremsen 170 PS Bremsleistung in die Batterien zurück zu speisen. Dazu braucht man einen 170 PS Stromgenerator, der dann, wenn man mal nicht bremst, zufälligerweise auch als Antriebsmotor dienen kann. Elektromotoren skalieren in Größe und Preis nicht annähernd stark mit der Leistung, wie das beim Benzinmotor der Fall ist. Es schadet also nicht, einen etwas größeren Motor einzubauen, um damit die Reichweite wegen der höheren Nutzung der Bremsenergie zu steigern.
Carguy 18.12.2009
5. Vernünftige Entwicklung
Für einen Wagen, der künftig wohl überwiegend im Stadt-Umland-Betrieb gefahren wird, wären "echte" 160 km Reichweite bei max. 140 km/h schon ein großer Fortschritt. Jedenfalls macht dieser BMW Stromer auf Basis des 1er deutlich mehr Sinn, als dieser "chinesische Tarnkappenbomber" (wegen der LED-Schlitzaugen) Audi Etron, der lt. Tester Karcher im Praxisbetrieb bei flotter Fahrweise nach weniger als 100 km Reichweite den Geist aufgibt. Dafür kann er 200 km schnell fahren, nur wer braucht so etwas bei einem Elektroauto im überwiegenden Stadtverkehr.
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