Mehr staatliche Unterstützung BMW will stärkere Förderung von E-Autos - CDU nicht

Geht es nach BMW, soll Deutschland Technologieführer bei Elektroautos werden - durch staatliche Hilfe. Damit dürfte der Hersteller bei der CDU jedoch auf Widerstand stoßen: Sie möchte andere Antriebe fördern.

Verschiffung von BMW-i3-Modellen in Bremerhaven
BMW

Verschiffung von BMW-i3-Modellen in Bremerhaven


Am 24. Juni werden die Chefs der deutschen Autokonzerne im Kanzleramt erwartet. Vor dem Gipfeltreffen über die Zukunft der deutschen Autoindustrie - oder, wie das Kanzleramt es nennt, der "Konzertierten Aktion Mobilität" - kursiert ein Forderungskatalog von BMW in den zuständigen Ministerien. Darin regt, wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, der bayerische Hersteller Maßnahmen an, die der E-Mobilität zum Durchbruch verhelfen sollen. "Deutschland hat die Chance, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen", heißt es in dem 16-seitigen Strategiepapier.

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Um Technologieführer in der Elektromobilität zu werden, sei eine "ganzheitliche Förderkulisse" nötig. Ein großes Hemmnis für den Einsatz von Elektroautos sind nach Ansicht von BMW die hohen Stromkosten. Das Unternehmen fordert, den Preis von Ladestrom durch steuerliche Erleichterungen zu senken. Jeder Halter eines E-Autos solle außerdem das Recht erhalten, Ladestecker in seiner Garage zu installieren, auch wenn diese gemeinschaftlich genutzt wird. Zudem schlägt BMW vor, einen Mindestanteil an elektrifizierten Stellplätzen in Parkhäusern vorzuschreiben. Der Preis fürs Parken ließe sich dann je nach Schadstoffausstoß variieren.

CDU will auch andere Antriebe fördern

Die CDU will sich dagegen nicht auf eine Förderung von Elektroautos festlegen. So heißt es in einem Mobilitätskonzept, das vom niedersächsischen Wirtschaftsminister Bernd Althusmann und Parteivize Thomas Strobl erarbeitet wurde, die Frage der optimalen Technologie sei "noch unbeantwortet". Hohe Anschaffungskosten und geringe Reichweiten hielten die Kunden demnach zurzeit noch vom Umstieg auf E-Autos ab. Das Papier soll am kommenden Montag im CDU-Präsidium beraten werden.

Auch sei die Energiebilanz der Batteriefahrzeuge noch nicht gut, sie müsse deshalb mit anderen Antriebsarten "ganzheitlich" verglichen werden. Die CDU-Politiker schlagen deshalb zwar maßvolle Subventionen für Elektroautokäufer und mehr Ladesäulen vor. Dringend einzubeziehen seien dabei aber zusätzlich "neben Bio-Kraftstoffen auch Wasserstoff sowie Autogas (LPG), Erdgas (CNG) und synthetische Kraftstoffe, die CO2-arm hergestellt werden und weitgehend partikel- und stickoxidfrei verbrennen".

Auch BMW ist nicht restlos von E-Autos überzeugt

Und auch BMW glaubt trotz des Forderungskatalogs offenbar nicht an eine rein batterieelektrische Zukunft: Vor allem auf langen Strecken könnten Fahrzeuge mit Brennstoffzelle sinnvoll sein. Allerdings sei dafür "ein deutlicher Ausbau einer länderübergreifenden Wasserstoff-Tankstelleninfrastruktur" nötig. Auch Benzin- und Dieselmotoren haben laut BMW noch eine Zukunft. Der Verbrennungsmotor werde "noch für viele Jahre eine tragende Rolle spielen", heißt es in dem Papier.

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ran/gt



insgesamt 58 Beiträge
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Seite 1
Leibdschor 14.06.2019
1. Planlos
Dieser Artikel zeigt die komplette Planlosigkeit von Politik und Industrie. Jahrelang wurden die alternativen Antriebe stiefmütterlich behandelt von beiden Seiten und nun fehlt ein Konzept. Das E-Auto alleine wird immer nur eine Zwischenlösung bleiben bei der jetzigen Batterietechnik. Das weiß auch BMW und will da natürlich Kosten sparen, braucht aber weiterhin das E-Auto fürs Image. Es sollte also eher Geld in die Forschung gehen, als das jeder Autobauer an irgendeinem Antriebssystem rumwerkelt. Da bin ich ausnahmsweise mal auf der Seite der CDU.
NewYork76 14.06.2019
2. Nicht so kompliziert...
Sollte eigentlich nicht so kompliziert sein. 1) Kurz- bis Mittelfristig: Ausbau der Infrastruktur fuer Ladestationen (subvention privater (Solar-) Ladestationen) 2) Mittel- bis Langfristig: Wechsel zu 100% erneuerbaren Energien (+ Entwicklung entsprechender Energiespeicher) 3) Kontinuierliche Optimierung von Elektro-Fahrzeugen und generelles Tempo-Limit von 135km/h Natuerlich kommen jetzt die "Experten", die das Alles fuer nicht umsetzbar halten. Aber das ist auch nicht verwunderlich wenn man weiss welche Lobby hinter diesen "Experten" steht und dass Politiker leider unfaehig sind langfristige Strategien zu entwickeln anstatt nur bis zur naechsten Wiederwahl zu denken. Keine Frage des Koennens, sondern des Wollens. Oder anders: Wollen haetten wir schon koennen, aber duerfen haben wir uns nicht getraut!
ddcoe 14.06.2019
3. Scheuer ahnunglos - was auch sonst
So dilletiert der Verkehrskasper wie immer Plan und ahnungsfrei vor sich hin. Kein Verkehrskonzept, keine Idee eine Belastung für unser Land. Bitte endlich Neuwahlen, damit das Elend vorbei ist.
aschu0959 14.06.2019
4. Ich
Zitat von LeibdschorDieser Artikel zeigt die komplette Planlosigkeit von Politik und Industrie. Jahrelang wurden die alternativen Antriebe stiefmütterlich behandelt von beiden Seiten und nun fehlt ein Konzept. Das E-Auto alleine wird immer nur eine Zwischenlösung bleiben bei der jetzigen Batterietechnik. Das weiß auch BMW und will da natürlich Kosten sparen, braucht aber weiterhin das E-Auto fürs Image. Es sollte also eher Geld in die Forschung gehen, als das jeder Autobauer an irgendeinem Antriebssystem rumwerkelt. Da bin ich ausnahmsweise mal auf der Seite der CDU.
Kann Ihnen nur beipflichten. Jahrelang hat sich die Industrie gegen jeglichen klaren Menschenverstand Investitionen in neue Antriebe verkniffen, um nur ja die Aktionäre zu pudern. Jetzt, nachdem der Betrug mit dem Diesel allzu deutlich offenliegt, schreit man nach Geld - um in die nächste Sackgasse (E-Antrieb) zu laufen; Den E Antrieb können andere schon länger und deutlich besser. Innovation, Visionen und Weitsicht sind scheinbar keine Managertugenden. Diese haben aber den Aufstieg der deutschen Automobilindustrie in die Weltspitze überhaupt erst ermöglicht. Mit Managern die nur veraltete Technik verwalten können, ist jeglicher Neuanfang unmöglich!
twike-fahrer 14.06.2019
5. Smartphone mit Verbrennungsmotor
Denjenigen, die immer noch glauben, dass batterie-elektrische Fahrzeuge nur eine Zwischenlösung sei, empfehle ich, das nächste Smartphone mit Verbrennerantrieb zu bestellen, damit man es nicht mehr so oft zwischenladen muss. Alternativ mit einer Brennstoffzelle oder gleich mit Atomreaktor. Batterie-elektrische Fahrzeuge werden bis auf Nischen wie zB Oldtimer den Markt schnell vollständig überrollen. Stinkende und lärmende Verbrenner werden schnell zu Ladenhütern.
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