BMW HP2 Guerilla-Entwicklung

BMW-Motorräder trugen früher den Spottnamen "Gummikuh" und galten als eher zahme Interpretation des "Born to be wild"-Gedankens. Das hat sich längst gewandelt - und wird sich noch radikaler wandeln. Zum Beispiel mit der nagelneuen Sport-Enduro HP2.

Schon die Modellbezeichnung deutet an, dass sich die Münchner Zweiradbauer auf neues Terrain vorwagen. Die Buchstaben "HP" stehen für "High Performance", die Ziffer "2" ist ein Hinweis auf den Zweizylinder-Boxermotor. Der stammt, wie ein Großteil der übrigen technischen Komponenten des Motorrads, aus dem Modell R 1200 GS. Allerdings trägt das neue Bike kein Gramm Fett mit sich herum. Um eine echte Sportmaschine zu formen, drückten die Entwickler das Leergewicht auf 195 Kilogramm (Trockengewicht 175 Kilogramm).

Dabei verließen die BMW-Techniker die sonst im Unternehmen vorgeschriebenen Pfade. Ein "eingeschworenes Spezialistenteam, das sich auch privat dem Geländesport verschrieben hat", so formuliert der Pressetext, "hat dieses neue Modell bei BMW Motorrad außerhalb der üblichen Serienabläufe entwickelt". Heraus kam eine vergleichsweise leichte, starke, schlanke und robuste Enduro mit einem besonders tief liegenden Schwerpunkt. Zudem trumpft das Bike mit einer Weltneuheit auf: ein Luft-Feder-Dämpfer-System für das Hinterrad.

Damit von vornherein klar ist, dass die HP2 kein auf wild gemachtes Showmotorrad ist, sondern ein ernst zu nehmendes Wettbewerbsgerät, unterstützt BMW ein privates Rennteam, das bei verschiedenen Enduro-Serien mit der HP2 an den Start gehen wird. So bei der German-Cross-Country-Meisterschaft, bei der Baja 500 und Baja 1000 in Kalifornien sowie beim Erzbergrennen in Österreich.

Im Vergleich zum "Mutterschiff" GS 1200 R wurde bei der neuen HP2 die Motorleistung dezent angehoben. Der Boxermotor leistet nun, sofern er mit Superplus-Benzin gefüttert wird, eine Leistung von 105 PS (77 kW), das maximale Drehmoment beträgt 115 Newtonmeter und liegt bei 5500 Umdrehungen pro Minute an. Auf eine Ausgleichswelle wurde aus Gewichtsgründen verzichtet, das Sechsganggetriebe blieb unverändert, der Rahmen jedoch ist eine komplette Neukonstruktion mit Anleihen aus den BMW-Rennmotorrädern, die bis 2001 bei der Rallye Dakar zum Einsatz kamen.

Obwohl primär für den Einsatz im Gelände konzipiert, soll die HP2 auch auf der Straße eine gute Figur abgeben. Die Höchstgeschwindigkeit gibt BMW mit 200 km/h an, für den Standardspurt von 0 auf Tempo 100 benötigt die Maschine 3,2 Sekunden. Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch liegt bei etwa fünf Litern je 100 Kilometer. Ab Herbst, ein genaues Datum wird noch nicht bekannt gegeben, soll die HP2 bei den Händlern stehen. Auch der Preis ist noch nicht fix, aber immerhin nennen die Bayern schon einmal eine Größenordnung: Zirka 16.000 Euro soll die Enduro kosten. Viel Holz, aber dafür gibt es immerhin ein quasi handgeschnitztes Motorrad.