BMW M3 Challenge Vollgas für alle

Seit dem allgegenwärtigen Moorhuhn ist es um Werbespiele ruhiger geworden. Nun trommelt BMW mit einer kostenlosen Rennsimulation für seinen neuen Sportwagen M3. Die Fans sind begeistert, und die Umweltschützer auch: Die Raserei ist gänzlich CO2-frei.

Für viele ist der BMW M3 ein Autotraum, der nie in Erfüllung geht. Denn immerhin kostet das gerade neu aufgelegte, 420 PS starke V8-Coupé der Bayern knapp 70.000 Euro. Außerdem braucht man bei einem Normverbrauch von 12,4 Litern eine Tankkarte mit großem Kreditrahmen und eine gewisse Ignoranz gegenüber der Klimadiskussion.

Oder einen Computer mit Internetverbindung: Für alle M3-Fans, die etwas knapp bei Kasse sind oder noch gar nicht das Führerscheinalter erreicht haben, hat BMW zur Premiere des Wagens eine Rennsimulation ins Internet gestellt. Wer auf der Website www.m3-challenge.com  die knapp 350 MB herunterlädt, kann anschließend ohne Reue rasen und auf einem virtuellen Nürburgring auf Bestzeiten-Jagd gehen.

Hinter der Idee steht unter anderem Christian Cartsburg, der die M3-Kommunikation verantwortet und vor gut einem Jahr zum ersten Mal über einen Simulator nachdachte. "Mit einem Budget, das sonst auch ein gut gemachter Werbefilm verschlingen würde", wurde zunächst ein Original-M3 auf einer Hydraulik-Bühne montiert. Bei dem auf der Automesse IAA ausgestellten Simulator wird das Computerspiel auf die Frontscheibe projiziert, dazu gibt es Original-Motorensound.

Doch war das nur die eine Hälfte des Plans. "Wir wollten zur Markteinführung noch ein besonderes Highlight", sagt Cartsburg, der die vom Vollgas-Klassiker GT Legends abgeleitete Software deshalb zum Download bereitgestellt hat. In den ersten sieben Tagen wurde das Spiel rund 350.000-mal heruntergeladen und hat damit mehr Interessenten erreicht als viele andere Kampagnen. "Unseren ersten M3-Teaser vor der Premiere des Wagens haben in derselben Zeit nur etwa halb so viele gesehen", sagt der PR-Profi.

Rennsimulation mit Hilfe von Sponsoren

Weil die Budgets auch bei BMW nicht unbegrenzt sind, haben sich die Bayern für das Spiel Partner gesucht. In-Game-Advertising heißt dieses Konzept, sagt BMW-Experte Andreas Schwarzmeier und verweist auf den Formel-1-Sponsor Intel, die Ölfirma Castrol oder den TV-Sender Sport 1, die alle im Spiel auftauchen, ihren Beitrag für die Entwicklung zahlten und nun auch für die Rennsimulation werben dürfen. Dass sogar der Mercedes-Stern zu sehen ist, liegt allerdings nicht an einer neuen Nähe zu Stuttgart, sondern am Bemühen um Authentizität. Schließlich dreht der sich auch in der Realität über der Start-Ziel-Geraden.

Natürlich ist auch die beste Simulation nicht mit einer echten Testfahrt zu vergleichen. Doch das Spiel der Bayern macht auf jeden Fall Laune. Man kann bei dem M3 ohne Rücksicht auf Verluste das Gaspedal durchtreten, den V8 röhren lassen, 420 Pferde über den Grand-Prix-Kurs treiben und sich das Spektakel aus vier Kameraperspektiven anzeigen lassen. Per Netzwerk oder Internetverbindung können bis zu 16 Hobby-Schumis gegeneinander antreten. Und wem selbst das nicht genug Wettbewerb ist, der kann sich auf ein dreimonatiges Renn-Spektakel im Herbst freuen. "Dann werden rund 1000 Fahrer gegeneinander antreten", sagt Schwarzmeier.

Deals um Computerspiel-Auftritte

Derart aufwändige Rennsimulationen zum kostenlosen Download sind eine Seltenheit. Spiele in das Werbekonzept einzubinden, ist bei Autofirmen indes nichts Neues. "Die Hersteller der Spiele schmücken sich gerne mit den begehrtesten Autos, und die Fahrzeughersteller erreichen so ganz neue Zielgruppen", so Schwarzmeier. Dabei arbeiten Auto- und Spielehersteller eng zusammen. "Wir überlassen den Programmierern die Konstruktionsdaten der Autos und segnen dafür den Spielverlauf und die Darstellung ab." Auch wenn Schwarzmeier dazu keine genauen Angaben machen möchte, fließt dabei auch Geld. Denn während viele Autohersteller gerade bei weniger berühmten Spielen für solche Freigaben Lizenzgebühren kassieren, lassen sich umgekehrt auch Sony & Co. den Einsatz weniger attraktiver Modelle und Marken in ihren Games bezahlen.

Wie geschickt Unterhaltungs- und Fahrzeugindustrie die Spiele als Marketing-Instrument nutzen, zeigt nicht zuletzt ein Deal zwischen Nissan und Sony. Von dem Autohersteller erwarten die Fans die Neuauflage des Spitzensportwagens GT-R, der in Japan mindestens so populär ist wie hierzulande der Porsche 911. Und bei Sony steht die nächste Generation des Erfolgsspiels Gran Tourismo an. Schon bei der Vorabkommunikation arbeiten die Unternehmen eng zusammen: Als Sony das erste Spieledemo veröffentlichte, war auch ein Nissan GT-R im Rennen. Noch war der Tiefflieger wie im echten Leben mit Folien und Aufbauten getarnt. Doch pünktlich zum Premiere auf der Messe lässt er auch im Spiel die Hüllen fallen.