Mitfahrdienst BMW plant europäisches Uber

Der Autokonzern BMW sucht neue Geschäftsfelder. Mit DriveNow investieren die Bayern bereits ins Carsharing-Geschäft, jetzt wollen sie nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen auch einen Mitfahrdienst gründen.
Verwaltungsgebäude von BMW in München

Verwaltungsgebäude von BMW in München

Foto: Nicolas Armer/ picture alliance / dpa

BMW will in Europa einen Konkurrenten zum Fahrdienst Uber aufbauen. "Wir können uns vorstellen, unser Carsharing weiter auszubauen und in Richtung Ridesharing zu entwickeln", sagte BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer zu SPIEGEL ONLINE. Als Ridesharing wird die Mitnahme von Personen in einem privaten Pkw bezeichnet.

Ridesharing gehört zu einem der am schnellsten wachsenden Angebote im noch jungen Markt für geteilte Mobilität. In den USA dominiert Uber das Geschäft, während in China das lokale Unternehmen Didi Kuaidi die Marktführerschaft hat. In Europa scheiterte bisher ein Vorstoß von Uber an der Rechtsprechung in einigen Ländern. Frankreich oder Deutschland haben das mit 51 Milliarden Dollar bewertete Start-up aus dem Sillicon Valley verboten, weil der Dienst UberPop gegen das Personenbeförderungsgesetz verstößt. Geklagt hatte in Deutschland der Verbund Taxi.

Dass Uber in Europa bisher nicht Fuß fassen konnte, liege auch an der "Cowboy-Mentalität des Silicon Valley", sagte Schwarzenbauer, der im BMW-Vorstand unter anderem für Mini, Rolls-Royce, aber auch DriveNow und i Ventures zuständig ist, eine Venture Capital Gesellschaft, die in Dienstleistungen investiert. "Europa tickt kulturell anders." So hat sich Uber in den USA bei seiner Etablierung einfach über bestehende Gesetze hinweggesetzt, wuchs rasant und ist heute in Städten wie San Francisco nicht mehr wegzudenken. Die offizielle Erlaubnis für sein Mobilitätsgeschäft erhielt das Unternehmen, an dem der Suchmaschinenbetreiber Google beteiligt ist, erst nachträglich.

BMW könnte auf die DriveNow-Flotte zurückgreifen

In Europa kommt so ein Vorgehen schlecht an. Wenn BMW sein Ridesharing-Angebot erfolgreich platzieren will, könne dies nur im Konsens mit allen Beteiligten gehen, glaubt Schwarzenbauer. Die Erfahrungen aus dem Carsharing helfe dem Unternehmen dabei. In Deutschland betreibt BMW gemeinsam mit der Autovermietung Sixt DriveNow.

BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer

BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer

Foto: Mini

Wie ein mögliches Ridesharing-Konzept von BMW konkret aussehen könnte, sagte Schwarzenbauer nicht. Vorstellbar sei aber, dass der geplante Uber-Konkurrent auf die Flotte von DriveNow zurückgreift, das bereits in Deutschland, Dänemark, Großbritannien, Schweden und Österreich vertreten ist.

Studenten, die nach einem Job suchten, könnten sich einen DriveNow buchen und damit Ridesharing betreiben. Gerade Freitag- oder Samstagnacht, wenn bei Taxen in Deutschland Hochbetrieb herrscht, könnte dies für die Fahrer lukrativ sein. DriveNow-Fahrzeuge sind besonders häufig abends frei.

Uber will in Europa weiter angreifen

Für den BMW-Konzern, der mit Daimler bei alternativen Mobilitätskonzepten der Autobranche die Nase vorne hat, muss es vor allem darum gehen, möglichst schnell eine Spitzenposition in Europa einzunehmen. "Uber wird sicher noch einmal einen zweiten Anlauf in Europa unternehmen", sagte Schwarzenbauer. Gibt es aber erst einmal einen Platzhirschen, ließe sich dieser nur schwer wieder verdrängen.

Dass BMW für seine Ridesharing-Pläne nach einem Partner sucht, ist wahrscheinlich - allein um die Software für den Dienst zu entwickeln und aktuell zu halten. In Deutschland böten sich dafür verschiedene Partner an, beispielsweise das Hamburger Start-up WunderCar, das mit seinem Mitfahrdienst bereits in Städten wie Budapest, Prag, Warschau und Istanbul gestartet ist. Im vergangenen Jahr wurde über einen Einstieg von BMW bei WunderCar spekuliert, damals kam es nicht dazu. Dafür beteiligte sich Konstantin Sixt an dem Hamburger Unternehmen.

mhu