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04. Oktober 2019, 13:42 Uhr

Dieselskandal

BMW verweigert Abgasnachrüstung - Mercedes springt ein

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Das Kraftfahrt-Bundesamt hat ein Nachrüst-Set für BMW-Diesel genehmigt. Doch BMW weigert sich, die Systeme in seinen Werkstätten einzubauen. Jetzt hilft ausgerechnet Daimler den von Fahrverboten betroffenen BMW-Fahrern.

Für Dieselfahrer etwa in Stuttgart ist es bereits Realität: Sie dürfen mit ihren Autos bestimmte Hauptverkehrsrouten in die Stadt nicht mehr benutzen. Vom kommenden Jahr an gilt das auch für Besitzer von Autos der Schadstoffklasse Euro 5. Als Mittel, diese Verbote zu umgehen, gelten Nachrüst-Sets mit einem Abgassystem, das den Stickoxid-Ausstoß deutlich senkt. Nach Modellen von Volvo, VW und Daimler können jetzt auch BMW-Fahrer einen Fix für ihren Diesel einbauen.

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat erstmals die Genehmigung für ein Abgasreinigungssystem erteilt, das in BMW-Diesel nachträglich eingebaut werden kann. Das Nachrüst-Set wird von der Firma Dr. Pley aus Bamberg für die Modelle 5, 3, X1 und X3 angeboten und kostet 3100 Euro.

Mercedes-Werkstätten sind zu Einbau bereit

Doch BMW lehnt nicht nur ab, sich an den Kosten der Nachrüstung zu beteiligen, man werde den Einbau "auch auf Anfragen von Kunden in unseren eigenen Niederlassungen nicht übernehmen", teilte ein BMW-Sprecher mit. Außerdem habe man die Händler darauf hingewiesen, dass im Falle eines Einbaus weder Garantie noch Gewährleistung übernommen werde, so der Sprecher.

Der Bamberger Katalysator-Spezialist hat allerdings im Stuttgarter Raum drei Werkstätten des Konkurrenten Mercedes gewinnen können, die den Einbau übernehmen. Umgerüstete BMW-Fahrzeuge mit der Schadstoffklasse Euro 5 dürfen dann in die Diesel-Fahrverbotszonen etwa in Stuttgart oder Hamburg einfahren.

BMW verweigerte Nachrüstung von Beginn an

Auf einem Koalitionsgipfel Anfang vergangenen Jahres hatte die Große Koalition die Autohersteller aufgefordert, großzügige Umtauschprämien und Hardwarenachrüstungen für Dieselfahrer anzubieten. Dem kamen neben Volvo auch die deutschen Hersteller Volkswagen und Daimler nach. BMW bot hingegen nur eine pauschale Umtauschprämie für den Kauf eines Neuwagens an, verweigerte sich aber stets dem Einbau von Nachrüstsystemen. Die Münchner argumentierten dabei immer mit einem höheren Fahrzeuggewicht und einem dadurch erhöhten Spritverbrauch.

Bei dem Abgasreinigungssystem handelt es sich um einen Katalysator, in den eine Harnstofflösung (Handelsname AdBlue) eingespritzt wird. Die Fahrzeuge werden unter anderem mit einem Tank für diese Flüssigkeit ausgestattet. Nach Angaben des Herstellers dieses Systems steigt der Verbrauch der Fahrzeuge dadurch um 1,2 Prozent.

Anm. d. Red.: Ursprünglich hieß es im Text, BMW habe seinen Vertragshändlern untersagt, Nachrüstsysteme einzubauen. Das ist jedoch falsch, BMW übernimmt auch auf Anfrage von Kunden den Einbau eines solchen Systems nicht in den eigenen Niederlassungen und hat seine Händler darauf hingewiesen, dass man nach einem Einbau weder Garantie noch Gewährleistung übernehme. Dieser Fehler wurde korrigiert.

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