BMW Wasserstoff-Tournee Politik, bitte kommen

Das Thema Wasserstoff als Autokraftstoff ist bei BMW zur Chefsache geworden. In Brüssel, der zweiten Station der "Clean Energy World Tour" der Münchner, warb der Vorstandsvorsitzende Joachim Milberg für politische Unterstützung.


Joachim Milberg: "Wir benötigen politische Unterstützung"
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Joachim Milberg: "Wir benötigen politische Unterstützung"

Brüssel - Die Besetzung des Auditoriums war hochkarätig: Unter anderem lauschten Klaus Töpfer, Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) sowie Loyola de Palacio, Vize-Präsidentin der Europäischen Kommission und Kommissarin für Verkehr und Energie, den Ausführungen Milbergs. Der BMW-Chef forderte die Politiker höflich, aber sehr deutlich dazu auf, mehr Inititative zu zeigen. "Wenn es erklärtes Ziel der Politik ist, auf umweltfreundliche Mobilität zu setzen, dann benötigen wir auch politische Unterstützung bis dieser Kraftstoff auf dem Markt etabliert ist."

Milberg präsentierte in Brüssel ein Vier-Punkte-Programm, das von institutioneller Seite den Weg ins vielbeschworene Wasserstoff-Zeitalter ebnen soll. Vor allem seien "stabile und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen" nötig, forderte der BMW-Chef. Nur mit klaren politischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Vorgaben sowie international standardisierten Sicherheitsvorschriften und Zulassungsverfahren werde die Industrie die nötigen Investitionen tätigen können.

Natürlich geht es auch um Geld. Das erhoffen sich die Unternehmen vor allem für ihre Forschung auf dem Gebiet des Wasserstoff-Einsatzes. "Wir sind zuversichtlich, dass Wasserstoff im Rahmen des 6. Forschungsrahmenprogramms der EU eine wichtige Rolle spielen wird", sagte Milberg.

Ein anderer Punkt, der von BMW in Brüssel betont wurde, ist ebenfalls finanzieller Art. Gerade in der Einführungsphase, so hieß es, dürfe Wasserstoff nicht steuerlich belastet werden. Nach Angaben der Münchner Wasserstoff-Werber hat ein Mineralölkonzern berechnet, dass mit nur einem Prozent der Ökosteuer rund 100 Tankstellen in Deutschland von Benzin- auf Wasserstoff-Distribution umgestellt werden könnten.

Mit dem 750 hL wirbt BMW momentan auf der ganzen Welt für die Energiequelle Wasserstoff

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BMW legte viel Wert darauf, festzuhalten, dass der Umgang mit Wasserstoff nicht gefährlicher sei als der mit Benzin. Es gibt jedoch Experten, die dies bestreiten. Vor allem beim Transport von großen Mengen Wasserstoff, so das Argument der Skeptiker, berge ein erhebliches Gefahrenpotenzial. Dennoch gilt Wasserstoff bislang als einzige ernsthafte Alternative, um einerseits die endlichen fossilen Energieträger zu ersetzen und andererseits den klimaschädigenden CO2-Ausstoss tatsächlich zu reduzieren. Das setzt jedoch voraus, dass der Wasserstoff mittels Solarenergie oder mit Hilfe anderer regenerativer Energiequellen erzeugt wird.

BMW wird die Clean Energy World Tour in den kommenden Wochen fortsetzen. Die weiteren Stationen bis Juli werden Mailand, Tokio und Los Angeles sein.



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