Abgasskandal BMW will sich mit Tests gegen Vorwürfe wehren

Nach Messungen der Deutschen Umwelthilfe hat der Abgasskandal auch BMW erreicht. Nun will der Hersteller belegen, dass der Vorwurf illegaler Abschalteinrichtungen in Fahrzeugen der 3er-Reihe unzutreffend ist.
Klaus Fröhlich, BMW-Vorstandsmitglied, zuständig für Entwicklung

Klaus Fröhlich, BMW-Vorstandsmitglied, zuständig für Entwicklung

Foto: DPA

Der im Abgasskandal unter Druck geratene Autohersteller BMW will sich gegen die Vorwürfe der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wehren. "Wir konnten das von der DUH getestete Fahrzeug ausfindig machen und werden dieses auf dem Rollenprüfstand sowie auf der Straße ausgiebig und professionell gemeinsam mit einer neutralen Institution vermessen", sagte BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich in einem Interview.

Die DUH hatte dem Hersteller nach Fahrtests vorgeworfen, in einem Diesel-BMW 320d womöglich eine illegale Abschalteinrichtung zu verwenden. Eine solche Vorrichtung erkennt, wenn das Auto auf dem Prüfstand steht, drosselt die Abgasreinigung aber unzulässig, wenn es im Realbetrieb auf der Straße gefahren wird. Der Hersteller bestreitet dies.

Fröhlich kritisierte die Messmethoden der DUH. "Für uns sieht es so aus, als ob die DUH in Bereichen mit hohen Drehzahlen, aber bei niedrigen Lasten gefahren ist. Sie müssen sich das so vorstellen, dass der Motor so laut aufheult, dass man eigentlich intuitiv schon lange höher geschaltet hätte", sagte der Manager. "Durch solche erzwungenen und untypischen Fahrweisen im Randbereich kann man plakative Emissionswerte konstruieren, die keine wirkliche Aussagekraft haben." Die DUH weist die Anschuldigungen zurück. Die Messungen bildeten reale Fahrsituationen ab.

Die Motoren sollen den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen

BMW galt bislang als vergleichsweise unbescholten im Diesel-Abgasskandal, der von VW ausgelöst und im Jahr 2015 aufgedeckt wurde. Immer wieder hatte Konzernchef Harald Krüger betont, bei BMW werde nicht manipuliert, die Motoren entsprächen den gesetzlichen Bestimmungen.

Die DUH wirft BMW jedoch vor, dass die Abgasrückführung im 320d ab einer Drehzahl von 2500 Umdrehungen pro Minute heruntergeregelt und ab 3500 Umdrehungen komplett ausgeschaltet wird. Die Abgasrückführung ist eines von mehreren Systemen zur Reduktion gesundheitsschädlicher Abgase.

Autohersteller rechtfertigen die teilweise oder komplette Abschaltung der Abgasrückführung unter bestimmten Bedingungen meist mit dem Motorschutz. "Physikalisch muss die Abgasrückführung an die Motordrehzahlen angepasst werden, um sowohl erhöhte Partikelemissionen als auch thermische Schäden an den abgasführenden Bauteilen zu verhindern", sagt BMW-Chefentwickler Fröhlich.

Fröhlich beanstandete vor allem, dass die DUH-Tester den betreffenden BMW vom Typ 320d nicht so gefahren seien wie der normale BMW-Fahrer. "Statistische Auswertungen zu Kundenfahrprofilen zeigen uns, dass das Fahrzeug bei normaler Nutzung grundsätzlich im Bereich der aktiven Abgasrückführung bewegt wird und nicht in die Randbereiche kommt, in die die DUH das Fahrzeug offenbar durch gezielte Schaltvorgänge gezwungen hat", kritisierte Fröhlich. "Übrigens weist das Auto in solchen Fällen im Display auch darauf hin: 'Bitte hochschalten.'"

Staatsanwaltschaft und Verkehrsministerium haben sich eingeschaltet

Die Kritik von Fröhlich überrascht. Drehzahlen zwischen 2000 und 3500 Umdrehungen, bei denen das getestete Fahrzeug die Abgasrückführung zunächst reduzierte und später abschaltete, sind im Alltagsbetrieb eines Autos völlig üblich.

Der BMW-Vorstand wies die Vorwürfe der DUH insgesamt zurück. "Diese ganzen Unterstellungen sind für uns unseriös und an den Haaren herbeigezogen, und wer so etwas willentlich macht, dem könnte man auch Absicht vorwerfen."

Aufgrund der Berichterstattung hatte die Staatsanwaltschaft München am Mittwoch ein Vorprüfungsverfahren eingeleitet. Liegen genügend Verdachtsmomente vor, wird dieses in der Regel in ein Ermittlungsverfahren münden. Auch das Bundesverkehrsministerium geht den Vorwürfen des Umweltverbands nach und beauftragte das Kraftfahrtbundesamt mit der Prüfung.

mhu/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.
Merkliste
Speichern Sie Ihre Lieblingsartikel in der persönlichen Merkliste, um sie später zu lesen und einfach wiederzufinden.
Jetzt anmelden
Sie haben noch kein SPIEGEL-Konto? Jetzt registrieren