BMW X3 Bloß nichts anmerken lassen

Unter den sogenannten Premium-Marken griff BMW als Erste den Trend zum Kompakt-Geländewagen auf und präsentierte vor zweieinhalb Jahren das Modell X3. Inzwischen sind 260.000 Exemplare gebaut und die Konkurrenz ist erstarkt. Also wird auch der X3 runderneuert.


Wer nicht in der BMW-Designabteilung arbeitet, wird es schwer haben, die nach Unternehmens-Sprachregelung "Neuauflage des erfolgreichen Premium SAV" zu erkennen. Was ist an diesem Auto neu? Zumindest nicht das Außendesign. Die Münchner haben ihr "Sports Activity Vehicle" - deshalb das verwirrende Kürzel SAV - nur minimal verändert, ohne dabei zum Beispiel das überzeichnete Heck anzufassen. Lediglich die Scheinwerfer, die Rückleuchten und die Lackflächen auf den Stoßfängern wurden en detail modifiziert, so dass der X3, der ab 23. September bei den Händlern stehen wird, kaum als neues Auto auffallen wird.

Warum diese Zurückhaltung? Einmal, um dem größeren Bruder X5 nicht die Schau zu stehlen, der wohl beim Automobilsalon in Paris (ab 28. September) debütieren wird und bei dem es sich um einen echten Modellwechsel und nicht nur um ein Renovierung handelt. Dann natürlich auch, weil der X3 erst ungefähr die Hälfte seines Modellzyklus erreicht hat und sich passabel verkauft - in den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden hierzulande laut Kraftfahrt Bundesamt immerhin 9021 Exemplare neu zugelassen.

Abschied von den unlackierten Flächen

"So dezent sind die Neuerungen gar nicht", sagt BMW-Sprecher Alfred Broede. "Die unlackierten Flächen im Stoßfängerbereich wurden wesentlich reduziert, und vor allem das Interieur ist nun deutlich hochwertiger." Kein Zweifel, was den Innenraum betrifft, hat BMW auf die einhellige Kritik am bisherigen Modell reagiert und das Niveau erkennbar angehoben. Es gibt nun neue Dekorleisten, die Türverkleidung ist nicht mehr aus einem Stück, sondern unterteilt und kann unter anderem mit Lederüberzug bestellt werden. Für die Armaturentafel stehen darüber hinaus Alu- oder Holzelemente zur Wahl, und auch das neue Dreispeichen-Lenkrad sieht nun so aus, wie sich BMW-Kunden das wohl erwarten.

Vier Ausstattungsvarianten, zehn Lackfarben, sechs Farben für den Innenraum und fünf Dekoroberflächen stehen zur Wahl, damit künftige Kunden sich einen X3 nach ihrem Gusto zusammenpuzzeln können. Keine Alternativen gibt es bei der Technik: Der Allradantrieb namens xDrive, der die Motorkraft im Normalfall im Verhältnis 40 zu 60 zwischen Vorder- und Hinterachse aufteilt, kann je nach Bedarf bis zu 100 Prozent des Drehmoments nach vorn oder hinten leiten.

Geregelt wird das Fahrwerk darüber hinaus durch ein ESP-System, das unter anderem die Funktionen ABS, ASC, DBC, CBC, DTC und HDC umfasst. Im Kürzel-Dschungel verbergen sich unter anderem Antischlupfregelung, "Dynamische Brems Control", "Cornering Brake Control", "Dynamische Traktions Control" und "Hill Descent Control" - komplexe elektronische Systeme, die ein möglichst kontrolliertes Vorwärtskommen ermöglichen sollen.

Erstmals ein Dieselmodell an der Spitze der Baureihe

Ein Novum bei BMW ist die Tatsache, dass mit dem runderneuerten X3 erstmals ein Dieselmodell an der Spitze des Leistungsspektrums steht. Die neue Topvariante der Baureihe heißt X3 3.0 sd, kostet 50.300 Euro und trägt unter der Haube einen Reihensechszylinder-Diesel mit Twin-Turbo-Technik und Commonrail-Einspritzung, der 286 PS entwickelt, ein Drehmoment von maximal 580 Nm bereitstellt und nach Werksangaben 8,7 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer verbraucht. Ein Rußpartikelfilter ist serienmäßig - und ebenso eine Tachoskala bis Tempo 270, während die der anderen Modelle lediglich bis 260 reicht. Die wirkliche Höchstgeschwindigkeit des Selbstzünders liegt bei 240 km/h, sein Spurtvermögen bei 6,6 Sekunden.

Das Einstiegsmodell ist der X3 mit Zweiliter-Vierzylinder-Benziner, 150 PS Leistung und einem Grundpreis von 33.500 Euro. Dazwischen tummeln sich vier weitere Motoren, drei davon Sechszylinder, zwei davon Benziner, die das Leistungsspektrum entsprechend auffächern. Neu im Auto ist auch das Sechsgang-Automatikgetriebe, das der Top-Diesel ab Werk erhält.

Im vergangenen Jahr belegte der X3 mit gut 22.000 neu zugelassenen Exemplaren in Deutschland und einem Anteil von 11,4 Prozent die Spitze im Marktsegment der Geländewagen. Diese Position wollen die Bayern mit dem bei Magna Steyr im österreichischen Graz gebauten Auto gerne behalten. Auch, wenn man das dem Wagen auf den ersten Blick gar nicht ansieht.

jüp



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