Autogramm BMW X3 Gewinnzahl B47

Ist es der Neue? Das Facelift BMW X3 sieht auch auf den zweiten und dritten Blick aus wie der Vorgänger. Die Sensation steckt unter der Haube: ein Motor, den sich BMW Milliarden Euro kosten lässt - weil er in Zukunft Milliarden spart.

BMW

Der erste Eindruck: Wer den neuen BMW X3 als solchen erkennen will, muss sehr genau hinschauen. Nur Details verraten das neue Modell: das Innenleben der Scheinwerfer, die stärker gewölbte Niere, neue Stoßfänger und ein X-förmiges Schmuckelement, das dort sitzt, wo früher die Blinker im Kotflügel untergebracht waren (die sind jetzt ins Außenspiegelgehäuse gewandert).

Das sagt der Hersteller: Mehr als eine Million X3-Exemplare in knapp zehn Jahren Bauzeit und allein im vergangenen Jahr rund 160.000 Zulassungen - für BMW ist das mittlere Modell der wichtigste SUV. Deshalb wollen die Bayern nichts anbrennen lassen und schieben jetzt, erst drei Jahre nach dem Generationswechsel, eine Modellpflege nach.

Die wichtigste Neuerung verbirgt sich unter der Motorhaube, es ist ein neuer Dieselmotor, mit dem für die Bayern ein neues Antriebskapitel beginnt. Der Motor trägt das Kürzel B47 und könnte für BMW kaum wichtiger sein: "Es ist das erste Aggregat einer komplett neuen Motorenfamilie", sagt Entwickler Christian Bock.

Ob Drei-, Vier- oder Sechszylinder, ob Benziner oder Diesel, ob Längs- oder Quereinbau - in Zukunft nutzt BMW die identischen Zylinder und einen jeweils angepassten Motorblock. "Wir haben dann irgendwann bei allen Motoren etwa 60 Prozent gleiche Komponenten und wechseln, grob vereinfacht gesagt, nur die Anbauteile aus", sagt Bock. Auf lange Sicht wird dieser Baukasten viel Geld sparen, zunächst jedoch bedeutet er ein immenses Investment. Bock: "Wir reden da über einen Milliardenbetrag."

Das ist uns aufgefallen: Entwickler wie Christian Bock können wahrscheinlich stundenlang über ein Alu-Kurbelgehäuse mit thermisch gefügten Buchsen und integrierter Anordnung der Ausgleichswellen fachsimpeln. Sie erläutern den Nutzen der Einspritzdrücke von bis zu 2000 bar (die ersten Common-Rail-Diesel mussten noch mit 1350 bar auskommen) oder wälzgelagerter Turbolader, die noch schneller ansprechen. Und sie erwähnen, dass selbst ein massiges Auto wie der X3 die Euro-6-Norm ohne teuren SCR-Speicherkatalysator mit Harnstoff-Einspritzung erfüllt.

Wer jedoch einfach nur einsteigt in den X3 20d, den Motor startet und losfährt, der freut sich über den ungeheuren Punch und die famose Laufkultur der Maschine. Die mobilisiert jetzt 190 statt bislang 184 PS und entwickelt bis zu 400 Nm Drehmoment. Gut, dass diese Antriebswucht auf alle vier Räder verteilt wird.

Wenn man mit Tempo 130 über die Autobahn rollt, dann ist der Motor so leise, dass nur der Blick auf den Drehzahlmesser das Aggregat als Diesel outet. Selbst die sonst bei Selbstzündern bisweilen arg ruppige Start-Stopp-Automatik arbeitet kultiviert. Der Grund: Die Steuerelektronik vermag die Stillstandszeiten vorherzusagen und schafft es, den Vierzylinder mittels eines Ritzelstarters sehr schnell wieder anzuwerfen.

So wichtig der B47-Block auch ist - man kann den X3 nicht allein auf den neuen Motor reduzieren. je länger man mit dem überarbeiten Modell unterwegs ist, desto mehr Feinheiten fallen auf. Ja, es gibt ein paar neue Chromleisten, schicke Holzimitate und Hochglanzflächen im Innenraum. Viel nützlicher jedoch sind die deutlich größer gewordenen Türtaschen, die Heckklappe, die nun mittels angedeutetem Fußtritt unter den Stoßfänger aufschwingt, der Kontrollregler für den Bordcomputer, der nun auch mit dem Finger geschriebene Buchstaben erkennt und ein Abstandswarner, der im Notfall automatisch bremst, wenn er einen Fußgänger im Gefahrenbereich registriert.

Allerdings bemerkt man auch ein paar Details, die den Entwicklern offenbar entgangen sind: Dass man zum Beispiel auf dem Touchpad nicht nur Buchstaben schreiben, sondern auch den Cursor verschieben möchte, wurde nicht einkalkuliert; dass die kamerabasierten Assistenzsysteme blind werden, wenn es mal ein bisschen stärker regnet, könnte auch zum Problem werden; und dass das Fahrwerk selbst im Comfort-Modus ziemlich stramm ist, wirkt ebenfalls unausgereift.

Das muss man wissen: Im Zuge der Modellpflege wird der X3 in den Basisversionen zwischen 600 und 1000 Euro teurer und kostet nun in der billigsten Variante 39.200 Euro. Der Verkauf beginnt in diesen Tagen mit insgesamt vier Dieselmotorisierungen von 150 bis 313 PS und drei Benzinern von 184 bis 306 PS. Neben dem X3 20d nutzt auch der X3 18d den neuen Wundermotor, dann allerdings mit einer Leistung von 150 PS. Wer sich zudem auf Heck- statt Allradantrieb beschränkt, die Sechsgang-Schaltung anstelle der Achtgang-Automatik nimmt und Leichtlaufreifen bestellt, erhält ein Auto mit einem offiziellen Durchschnittsverbrauch von 4,7 Liter. Damit wird der X3 zum sparsamsten SUV dieser Klasse.

Das werden wir nicht vergessen: 190 PS, maximal 210 km/h und ein Normverbrauch von 5,2 Litern - selbst wenn der Bordcomputer nach einem halben Tag auf Autobahnen und Nebenstraßen rund zwei Liter mehr anzeigt, hätte der neue Dieselmotor das Zeug zum idealen Langstreckler. Erst recht bei einer theoretischen Reichweite von fast 1300 Kilometern. Schade nur, dass sich diese Erkenntnis noch nicht bis zu den Sitzentwicklern herumgesprochen hat. Denn ganz egal, wie man die Ledersitze auch einstellt, nach zwei Stunden reicht es erstmal. Pause! Tanken muss man da natürlich noch lange nicht.

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insgesamt 131 Beiträge
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Seite 1
laxness 25.04.2014
1. ein "Ritzelstarter"....
...ach wie nett. Hatte schon mein Auto von 1970. Und gibts bei Nicht-Hybrid Autos überhaupt was anderes als "Ritzel-Starter". Der Autor sollte vielleicht besser nur bei den Design-Elementen bleiben.....
kenterziege 25.04.2014
2. Ritzelstarter zum Zweiten
Zitat von laxness...ach wie nett. Hatte schon mein Auto von 1970. Und gibts bei Nicht-Hybrid Autos überhaupt was anderes als "Ritzel-Starter". Der Autor sollte vielleicht besser nur bei den Design-Elementen bleiben.....
Ich kann das toppen: Hatte mein erster Käfer von 1962! Das Auto in dem mein Vater mich nach meiner Geburt 1942 aus dem Krankenhausngeholt hat, der hatte eine Dyna-Start-Anlage (DKW). Wir sollten das Tom Grünweg nicht so übel nehmen. Da passiert folgendes: Technische Infos von Ingenieurabteilung an Presseabteilung. Dort wird das ganze lesetauglich gemacht. Irgendein Redakteur der Presseabteilung findet den Ritzelstarter, den er noch nie gesehen oder gehört hat, sehr innovativ. Dann wird das Wort hervorgehoben und Tom Grünweg schreibt es ab. Nun wissen wir, das BMW nicht einen modernen Starter-Generator verbaut. Schade. Innovativ ist anders!
truereader 25.04.2014
3. das ist ja
huch, das ist ja nur ein Vierzylinder - bei anderen Automarken würde das bemängelt werden, hier findet man das Klasse. nun denn
hgm2 25.04.2014
4.
Man kennt ja nun "Tom Grünwegs" anachronistische Begeisterung für alles was da rappelt und Abgase produziert. Schön, dass der BMW 1200 km weit fahren kann. Dann ist er ja für mich als Rentner geradezu prädestiniert. Lieber hätte ich aber mal einen Bericht über einen Renault ZOE und die technischen Leckerbissen, mit denen man Laufruhe auf elegantere Weise erzeugt. Oder wie man auch mit wenig Energie ein Fahrzeug per Wärmepumpe beheizt. Sehr gern würde ich auch mal einen Fahrbericht über den Tesla S oder den Roadster lesen. Oder über die Ladeinfrastruktur, die Tesla aufbaut. Gibt es außer "Tom Grünweg" irgendwelche Auto-Berichterstatter, die nicht der deutschen Autosaurierindustrie verpflichtet sind?
truereader 25.04.2014
5. Zusatz
Zitat von truereaderhuch, das ist ja nur ein Vierzylinder - bei anderen Automarken würde das bemängelt werden, hier findet man das Klasse. nun denn
... ich hatte zu schnell abgeschickt - "offizieller" Durchschnittsverbrauch. Liegt hier auch mindestens 2 L drüber - steht auch im Artikel - auch hier kein Jammern, ist ja ein deutscher Hersteller. Leider mit schlechten Sitzen. Gerade für Langstrecken sind diese extrem wichtig. Da greife ich lieber zu einem anderen Hersteller.
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