Bristol Fighter Bolide aus Britannien

"Wir haben keine Interesse daran, automobilen Moden zu folgen", verkündet Bristol Cars Ltd., einer der wenigen Autohersteller, die sich noch in britischer Hand befinden. Das Unternehmen mit Sitz in Londons Kensington High Street hat einen neuen Supersportler im Angebot. Einen echten Bugatti-Schreck.


370 Kilometer pro Stunde sind eine wuchtige Ansage. In diesem Bereich etwa bewegt sich die Höchstgeschwindigkeit des Bristol Fighter S, eines Sportwagens, der nur auf Bestellung und dann weitgehend in Handarbeit gefertigt wird und der vor allem durch seine ausgefeilte Aerodynamik glänzt. "Flugzeuge, Rakten und U-Boote", so teilt das Unternehmen mit, seien von den Konstrukteuren, die vor fünf Jahren mit der Entwicklungsarbeit an diesem Auto begannen, als aerodynamische Vorbilder herangezogen worden. "Der Wagen ist ein perfektes Beispiel dafür, dass die Form exakt der Funktion folgt."

Bristol Fighter: Britischer Sportwagen-Adel, der tatsächlich noch britisch ist

Bristol Fighter: Britischer Sportwagen-Adel, der tatsächlich noch britisch ist

Auf den ersten Blick sieht es aus, als sei die Karosserie ein wenig verrutscht, denn an der bulligen Frontpartie und dem etwas dicklichen Heck verlässt das Design des Bristol Fighter die üblichen Sportwagen-Proportionen. Das mag für den Betrachter gewöhnungsbedürftig sein, für die Leistung des Autos ist es ein Segen: Der cW-Wert des Renners liegt bei erstaunlich niedrigen 0,25 - der eines Porsche Carrera GT zum Vergleich beträgt 0,39. Damit schneidet der britische Zweisitzer deutlich besser durch den Fahrtwind, und die Kunst der Ingenieure ist es, trotz dieses geringen Luftwiderstands genügend Abtrieb zu erzeugen, um das Auto auch bei extremen Geschwindigkeiten sicher auf der Straße zu halten.

Die Aerodynamik gehört zu den Spezialgebieten von Bristol, schließlich wurde die Firma 1910 als Flugzeughersteller gegründet. Vor allem im Zweiten Weltkrieg machte das Unternehmen mit Kampfflugzeugen wie den Brisfit (die Kurzform für Bristol Fighter) und dem Modell Blenheim gute Geschäfte. Nach Kriegsende jedoch wurde ein neues Aufgabengebiet gesucht: Man fand es quasi in Eisenach. Denn als Reparation aus Deutschland erhielt Bristol Lizenzen und Automobilfachwissen von BMW, und die Firma verlegte fortan einen Gutteil ihrer Aktivitäten auf den Pkw-Bau. Bereits 1946 wurde der Typ 400 vorgestellt, eine Limousine mit dem Chassis des Vorkriegs-BMW 326 und dem legendären Sechszylindermotor des BMW 328.

Auf dieser Basis baute Bristol auf. In den fünfziger Jahren wurde die Automobilproduktion ausgegliedert, 1960 ging die Pkw-Sparte in den Privatbesitz der Geschäftsmänner George White und Anthony Crook über, und noch heute befindet sich Bristol Cars Ltd. in britischem Privatbesitz. Es gibt weder eine Vertriebsorganisation noch Händler. Wer einen Bristol erwerben möchte, muss sich direkt an den Hersteller wenden und Zeit, vor allem aber auch Geld mitbringen. Denn die Autos werden sozusagen maßgefertigt und ganz nach den Wünschen des Kunden ausgestattet.

Exzentrisch britisch besteht Bristol darauf, den Supersportwagen so "hedonistisch luxuriös" auszustatten wie möglich. Sportledersitze mit üppigen Armlehnen, weiche Teppiche, Flügeltüren für den bequemen Ein- und Ausstieg sowie ein Kofferraum mit Platz für zwei Golfbags sind Standard. Als Reminiszenz an den früheren Flugzeugbau des Unternehmens gibt es Bedienschalter in einer Konsole am Dachhimmel, Anzeigen für Öl- und Benzindruck sowie eine tropfenförmig geschnittene Passagierkabine mit vorzüglicher Rundumsicht.

Befeuert wird das 4,42 Meter lange Auto (1,80 Meter breit, 1,35 Meter hoch) in der Basisversion von einem 8-Liter-V10-Aggregat mit 525 PS und einem maximalen Drehmoment von 714 Newtonmeter. Die Version Fighter S wurde auf eine Leistung von 660 PS getunt, das Drehmoment auf 788 Newtonmeter gesteigert. Beide Autos spurten in knapp vier Sekunden von 0 auf Tempo 100, wobei die Beschleunigung komplett im ersten Gang durchgezogen werden kann. Mögliche Höchstgeschwindigkeiten jenseits der 330 km/h Marke sind selbstverständlich. Aerodynamik, Fahrwerk, Passagierkäfig, Bremsen und die 18-Zoll-Reifen sind auf diese Extreme ausgelegt, versichert Bristol.

Obwohl das Auto zu den exklusivsten Sportwagen überhaupt zählt, ist der Preis vergleichsweise moderat kalkuliert. 325.000 Euro verlangt Bristol für die Standardausführung, ab 362.000 Euro wird der Fighter S angeboten. Mit Sechsgang-Schaltgetriebe übrigens. Wer es lieber bequemer mag und mit einer Viergang-Automatik in Bereiche jenseits der 300-km/h-Marke vorstoßen möchte, muss noch ein bisschen Geld drauflegen. Doch daran dürfte ein Bristol-Verkauf nicht scheitern.



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