Automobile Eigenkreation Der Barock-Star

Er gründete ein Hot-Rod-Magazin, dann verfiel Terry Cook den schwülstigen Karosserien der Dreißigerjahre. In seiner Manufaktur Delahaye USA setzt er ihnen sündhaft teure Denkmäler - mit Schöpfungen wie dem Bugnaughty.

Delahaye USA

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Für viele Automobildesigner und Oldtimerfans entstanden in den Dreißigerjahren die schönsten Fahrzeuge der Automobilgeschichte. Es war die Zeit von Karossiers wie Jean Bugatti, Pininfarina oder Erdmann und Rossi, in deren Werkstätten individuelle und aufwendige Aufbauten in Handarbeit entstanden. Terry Cook ist der Mann, der die vergangene Hochkultur des Karosseriebaus zurück in die Gegenwart holt. In seiner Automobilmanufaktur Delahaye USA entstehen Autos im Retro-Look, aber mit modernster Technik unter der Haube. Bei seinem neuesten Modell Bugnaughty hat sich der Macher dabei gleich drei automobiler Vorbilder bedient.

Von allem ein bisschen

Das Auto ist nämlich kein simples Duplikat eines Klassikers, sondern eine Mixtur aus Bugatti Type 57, Auburn Boat-Tail Speedster und Delahaye Type 135 - allesamt Fahrzeuge, die es Cook besonders angetan haben. "Ich suche mir die schönsten Autos dieser Zeit heraus, nehme das Beste von jedem und schaffe so ein völlig neues Auto" erklärt der 73-jährige Delahaye-Chef seine Arbeit.

Wem der Name Delahaye bekannt vorkommt, liegt richtig: Die traditionsreiche französische Edelmarke ging 1953 in Folge des Zweiten Weltkriegs pleite und stellte die Produktion ein. Da sich niemand die Marke sicherte, übernahm Cook den Namen und nannte seine Firma Delahaye USA. Eine Lücke im amerikanischen Recht ermöglicht es, einen nicht mehr benutzten Firmennamen anzunehmen und zu behalten, sofern niemand binnen einem Jahr widerspricht.

Das Auto des Schahs

Cook, der ursprünglich als Autojournalist und Gründer eines Hot-Rod-Magazins sein Geld verdiente, entdeckte seine Leidenschaft für die Autos im Art-déco-Stil erst recht spät. "1995 sah ich in New York den Bugatti Type 57, der einst dem Schah von Persien gehörte. Seitdem bin vernarrt in diese Autos." Kurzerhand hängte er seinen alten Job an den Nagel, gründete im Jahr 2000 zunächst die Firma Deco Rides und baute sein erstes Auto.

Der Scrape Zephyr war eine extrem tiefergelegte Hommage an den Lincoln Zephyr, dem man Cooks Leidenschaft für Hot Rods noch deutlich ansah. Vom Publikum gefeiert, wechselte das Auto auf dem Pebble Beach Concours d'Elegance für 250.000 Euro den Besitzer. Cook verkauft anschließend mehr als hundert weitere Karosserien und mehrere Dutzend fahrfertige Exemplare dieses Modells.

Der Bugatti des Schahs aber ließ ihn nicht los, weshalb er im Jahr 2005 seine zweite Firma Delahaye USA gründete. Fortan entwarf Cook, der sich inzwischen einen Namen in der Szene gemacht hatte, Autos im Stil französischer Karosseriebauer der Dreißigerjahre. Sein erstes Modell Pacific war eine Eigeninterpretation des Bugatti Type 57 SC Atlantic aus dem Jahr 1938. Das Nachfolgemodell Bugnotti hingegen eher eine automobile Mischung aus verschiedenen Delahaye- und Bugatti-Modellen. Der Bugnaughty ist nach fünfjähriger Entwicklungszeit nun bereits das dritte Modell aus der Edelschmiede.

Luxus in Hülle und Fülle

Die 4,97 Meter lange und 2,12 Meter breite Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff mit dem bootsförmigen Heck lehnt unverkennbar an das Design des Auburn Boat-Tail Speedster an. Der Stahlrahmen und Grill wiederum erinnern an den Bugatti Type 57. Das Blechkleid ist von vier mächtigen tropfenförmigen Kotflügeln umringt, ähnlich denen des Delahaye Type 135. Die geschlossenen Radkästen, die von handgearbeiteten stählernen Zierleisten geschmückt werden, lassen die vier Reifen nur noch erahnen.

Besonders auffällig sind die acht Auspuffrohre, die aussehen wie hochglanzpolierte Füllfederhalter. Die Front des Autos zieren zwei schallplattengroße Scheinwerfer. Über hinten angeschlagene Türen gelangt der Fahrer ins Auto, Sitze, Polster und Innentüren sind mit dunklem Leder überzogen, im Fußraum liegen dicke Wollteppiche. Die Instrumententafel beherbergt lediglich fünf Anzeigen, die unter anderem über Temperatur, Ölstand und Geschwindigkeit informieren. Bei den technischen Details gibt sich Cook bislang zurückhaltend. Nur so viel verrät er: Angetrieben wird der Bugnaughty von einem 5,0-Liter V8-Motor aus dem Hause Ford.

Die Reaktionen auf seine Autos sind gemischt. "Die meisten sind begeistert und sagen, sie hätten so ein Auto vorher noch nie gesehen", sagt Cook. Andere wiederum stempeln das Auto als billige und überzogene Kopie ab. "Diese Leute bitte ich dann immer, mir das Auto zu zeigen, das sie selbst entworfen und gebaut haben. Dann sind sie plötzlich still."

Der Preis ist heiß

Neun Monate dauert die Produktion eines fahrbereiten Bugnaughty, den Cook zusammen mit dem Team des Hot-Rod-Spezialisten Brown Metal Mods in einer Fabrik in Port Leyden, in der Nähe von New York fertigt. Sechs Exemplare sind bereits verkauft. Die gut betuchten Kunden kommen aus Russland oder den Vereinigten Arabischen Emiraten, aber auch nach Großbritannien oder Neuseeland hat Cook in der Vergangenheit schon Autos geliefert.

Wer künftig in einem dieser Straßenkreuzer über den Asphalt manövrieren möchte, muss nicht nur Geduld haben, sondern auch gute Rücklagen: Umgerechnet etwa 274.000 Euro werden für die Luxuskarosse fällig. Nicht zu teuer, findet Cook: "Picasso bekommt für ein Bild, dass er in ein paar Tagen malt, 120 Millionen Dollar. Ist mein Preis, den ich für jahrelange harte Arbeit verlange, dann zu hoch?" Zumindest hätte Picasso mit seinem Hang zum Außergewöhnlichen bestimmt Gefallen an Cooks rollendem Kunstwerk gefunden.



insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
ambulans 09.06.2015
1. noch
"besser" wäre der artikel, wenn der autor wenigstens auch die designer dieser automobilen kunstwerke genannt hätte: wer waren denn nun die designer und die coach builder für bugatti, auburn und vor kriegs-delahaye? übrigens, das fahrzeug oben sieht aus wie eine kopie im stil von figoni & falaschi, ca. 1935 - und, dass man in den USA das "recht" auf einen markennamen in nur einem jahr "ersitzen" kann, sagt doch eigentlich alles ... dr. rer.mob. ambulans (alle kassen)
ambulans 09.06.2015
2. noch
"besser" wäre der artikel, wenn der autor wenigstens auch die designer dieser automobilen kunstwerke genannt hätte: wer waren denn nun die designer und die coach builder für bugatti, auburn und vor kriegs-delahaye? übrigens, das fahrzeug oben sieht aus wie eine kopie im stil von figoni & falaschi, ca. 1935 - und, dass man in den USA das "recht" auf einen markennamen in nur einem jahr "ersitzen" kann, sagt doch eigentlich alles ... dr. rer.mob. ambulans (alle kassen)
isolde.duschen 09.06.2015
3. Schauderhaft
Tut mir leid aber für mich sieht das Teil eher nach Entenhausen aus. Man vergleiche diesen Kitsch mal mit dem Mercedes-Benz SSK "Graf Trossi".
snigger 09.06.2015
4. picasso
picasso ist künstlerisch zu überbewertet. ... marketing mässig allerdings verdient er er ein triple A+
hilfe-deutsche-sprache&#1 09.06.2015
5. Aus glasfaserverstärktem Kunststoff
... das soll eine klassische Karosserie sein? Obwohl ich noch nie ein eigenes Fahrzeug entworfen und gebaut habe, maße ich mir ein Urteil an: dieses KFZ ist absolut überdesigned, genau das richtige für den reichen Amerikaner, der ansonsten alles hat. Ein Plastikauto.
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