Bußzeit Kardinal Lehmann ruft zum Autofasten auf

Vier Wochen lang sollen die Räder still stehen und die Deutschen zu Fuß gehen – Kardinal Lehmann ruft die Gläubigen in der österlichen Bußzeit zum "Autofasten" auf. Damit könnten sie einen Beitrag zur Verbesserung des Klimas leisten.


Hamburg – Durch ein "Autofasten" in der österlichen Bußzeit könne "ganz persönlich ein Beitrag zur Verbesserung des Klimas" geleistet werden, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, der "Bild"-Zeitung. "Viel zu oft tun oder unterlassen wir Dinge, die schädlich für unsere Mitmenschen und die Umwelt sind", sagte Lehmann. "Die österliche Bußzeit lädt uns ein, auch über unseren Lebensstil nachzudenken."

"Die Bewahrung der Schöpfung ist eine Aufgabe, die uns alle angeht", betonte der Kardinal und unterstützte damit eine Aktion der Bistümern Trier, Mainz und Limburg, der Evangelischen Kirche im Rheinland, in Hessen-Nassau und in der Pfalz sowie der Katholischen und Protestantischen Kirche in Luxemburg. Die diesjährige Aktion, die zum 10. Mal stattfindet, steht unter dem Motto "Heilsam in Bewegung kommen" und läuft vom 4. März bis zum 1. April. Die Kirchen rechnen angesichts des gestiegenen Umweltbewusstseins mit zahlreichen Teilnehmern und verbinden mit ihrem Aufruf die Hoffnung, dass die Bundesbürger auch nach der Fastenzeit öfter ihr Auto stehen lassen.

Heftige Kritik an der Kirchenaktion kam vom Automobilclub von Deutschland (AvD): "Es ist völlig unangebracht, seitens der Kirche Autofahrer als klimaschädigend zu diskriminieren", sagte AvD-Präsident Wolfgang- Ernst Fürst zu Ysenburg. Er forderte die Kirche zu einem sachlichen Umgang mit dem Thema Weltklima auf, "anstatt sich mit derartigen Vorschlägen unzuständig ins Gespräch zu bringen".

Unterstützung erfährt die Aktion nicht nur vom Kardinal Lehmann, sondern auch von der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Margit Conrad (SPD). Die Beteiligung daran bedeute "ein Innehalten und die Bereitschaft, das eigene Verhalten zu überprüfen", erklärte Conrad in Mainz. Angesichts des Klimawandels müssten neue Wege gefunden werden, um die begrenzten Energie-Ressourcen möglichst sparsam zu nutzen. Auch die Ministerin appellierte an die Bürger, über die Fastenzeit hinaus weniger hinter dem Steuer zu sitzen: "Zum Einkauf um die Ecke sollte niemand mehr sein Auto starten."

abl/AFP/dpa



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