BYD auf dem Genfer Salon Elektrische Traumreise nach Europa

BYD - dieses Kürzel werden sich wohl auch die Europäer merken müssen. Denn schon nächstes Jahr will der chinesische Autohersteller seine Elektromodelle auch zu uns bringen. Ob der Name Programm ist, muss sich erst noch zeigen: BYD heißt Build Your Dreams.

Tom Grünweg

Als Build Your Dreams die ersten Messeauftritte hatte, waren die Chinesen die Lachnummer schlechthin. Denn kein anderes Auto war so dreist und wirr aus westlichen Modellen zusammenkopiert wie das F8 Cabrio, das von vorne einem Mercedes CLK und von hinten einem Renault Mégane ähnlich sah. Doch mittlerweile sind die Lacher verstummt.

Das Cabrio ist von den meisten Messen verschwunden, auf den Ständen drehen sich stattdessen Hybrid- und Elektrofahrzeuge und im Geschäftsbericht nennt das erst 1995 als Batteriehersteller gegründete und acht Jahre später in den Autobau eingestiegene Unternehmen illustre Partner: Spätestens seit der legendäre US-Investor Warren Buffet bei BYD eingestiegen ist, werden die Chinesen sehr ernst genommen, und die Elite der internationalen Autohersteller buhlt um Partnerschaften. VW hat seine Fühler schon ausgestreckt, und letzte Woche zum Auftakt des Genfer Salons hat auch Daimler die Absicht zur engen Kooperation erklärt.

Der Messestand der Chinesen war nicht nur deshalb gut belagert und der Interviewkalender von Henry Li gut gefüllt, sondern der BYD-Exportchef hatte noch eine zweite Botschaft im Köcher, die manch etablierte Unternehmen ziemlich aufrütteln dürfte: "Ab dem nächsten Jahr bieten wir unsere elektrisch angetriebenen Fahrzeuge auch in Europa an", sagte der General Manager der BYD Export Trade Division. Während andere chinesische Autohersteller wie Brilliance oder China Automobile bei ihrem ersten zaghaften Vorstoß nach Europa mit Pauken und Trompeten gegen Lada, Dacia und Co. verloren haben, will Li damit in einem Segment antreten, in dem er kaum Wettbewerb befürchten muss: Denn bezahlbare Elektroautos westlicher Hersteller wird es Ende nächsten Jahres kaum geben.

Schnörkelloser Fünfsitzer

Bei ihrer elektrischen Traumreise setzen die Chinesen vor allem auf den E6. Ebenso schmuck- wie schnörkellos gezeichnet, sieht der Fünfsitzer zwar ein bisschen so aus wie ein billigerer VW Touran. Doch wo andere Vans einen normalen Tank haben, trägt der 4,55 Meter lange E6 eine von BYD selbst entwickelte und produzierte Lithium-Eisenphosphat Batterie. Sie ist zwar stolze 600 Kilo schwer, hat aber angeblich genügend Kapazität für 330 Kilometer, auf denen der E6 zwischendurch sogar eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h erreichen soll.

Wem selbst dieser Aktionsradius zu klein und die Ladezeit bis zu 20 Stunden zu lang ist, den will Li mit dem F3DM locken. Daheim in China zählt der F3 mit konventionellen Motoren zu den Bestsellern. Nach Europa kommt er allerdings mit einem ähnlichen Antriebskonzept wie Chevrolet Volt und Opel Ampera: als Elektroauto mit sogenanntem Range-Extender. Geht nach etwa hundert Kilometern die Akkukapazität zur Neige, startet automatisch ein kleiner Benziner und treibt einen Generator für die weitere Stromproduktion an.

Zwar verhandelt BYD bereits intensiv mit Händlern über den Europa-Vertrieb. Doch eine entscheidende Frage lässt Mister Li nun unbeantwortet. "Was die Autos einmal kosten werden, können wir noch nicht sagen. Das hängt auch von der politischen Situation und der dann gültigen staatlichen Unterstützung für Elektroautos ab", bittet er noch um etwas Geduld. Zu dem Messegerücht von 30.000 Euro für den E6 äußerte es sich deshalb noch nicht.

Begehrter Partner

Welche Stückzahlen sich weltweit verkaufen lassen, kann Henry Li auch noch nicht abschätzen. Bei der Produktionsplanung ist er deshalb etwas unsicher: "Wir haben jetzt mal eine Kapazität von 10.000 Fahrzeugen pro Jahr installiert, können aber sehr flexibel reagieren", sagt der Exportchef. "Da wir auch Herr über die Batterieproduktion sind und bei uns alle Fäden zusammenlaufen, reichen uns sechs Monate Vorlauf, um die Fertigung deutlich aufzustocken."

Nachdem noch auf dem letzten Genfer Salon laut über BYD gelacht wurde und viele Entwicklungsvorstände aus Europa angesichts der bunten Elektroaufkleber auf den Ausstellungsfahrzeugen schon einen Etikettenschwindel unterstellten, ist ihnen das Lachen über BYD mittlerweile im Halse stecken geblieben. Der einstige Spott ist einer gespannten Neugier gewichen, und viele Westler fragen nach Partnerschaften mit den Chinesen. VW hat schon die Fühler ausgestreckt und Mercedes hat gerade auf dem Genfer Salon die Unterzeichnung einer entsprechenden Absichtserklärung verkündet.

Zwar ist noch nichts in trockenen Tüchern, doch wollen die beiden Partner gemeinsam ein kleines Elektroauto für den chinesischen Markt entwickeln, das schon in zwei, drei Jahren durch Shanghai oder Peking stromern könnte. "Wir haben das Know-how für die Batterien und Daimler die Kompetenz für eine sichere und solide Fahrzeugarchitektur", sagt Li und ist zuversichtlich, dass aus dem Stadtauto ein Erfolgsmodell werden könnte. Neue Konkurrenz für den elektrischen Smart oder die batteriebetriebene B-Klasse wird daraus aber nicht erwachsen, beteuern die Partner unisono. Anders als bei E6 und F3DM ist ein Export des Kooperationsmodells nicht geplant, unterstreicht Mercedes-Sprecher Christoph Horn: "Zurzeit reden wir ausschließlich über ein chinesisches Projekt."



insgesamt 33 Beiträge
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ulliwulf 14.03.2010
1. Die BYD-Aktie als erfüllbarer Traum
Zitat von sysopBYD - dieses Kürzel werden sich wohl auch die Europäer merken müssen. Denn schon nächstes Jahr will der chinesische Autohersteller seine Elektro-Modelle auch zu uns bringen. Ob der Name Programm ist, muss sich erst noch zeigen: BYD heißt Build Your Dreams. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,683007,00.html
[QUOTE=sysop;5186646]BYD - dieses Kürzel werden sich wohl auch die Europäer merken müssen. Denn schon nächstes Jahr will der chinesische Autohersteller seine Elektro-Modelle auch zu uns bringen. Ob der Name Programm ist, muss sich erst noch zeigen: BYD heißt Build Your Dreams. Wer sich 30.000€ für ein noch "traumhaftes" Auto nicht leisten möchte oder leisten kann, sollte zumindest sich einmal um die Aktien dieser Firma kümmern - A0M4W9 -Frankfurt -, die bei steuerbar kleinem oder großen Risiko zumindest der Verwirklichung von Träumen und Hoffnungen am nächsten kommen könnten.
A-Schindler, 14.03.2010
2. ...
Da müssen die Deutschen Hersteller Aufpassen das ihnen nicht der selbe Fehler passiert wie bei Hybrid. Dazu kommt noch das BYD fast alles selber Produziert währen die Deutschen Hersteller bei E-Autos stark von Fremdherstellern Abhängig sein werden. Da ich erst in paar Jahren wieder ein Neuwagen kaufen werde bin ich gespannt wie sich der Markt bei E-Autos Entwickeln wird.
web1982 14.03.2010
3. Erfahrungsbericht BYD Limousine F6 China
Ich hatte am chinesischen Neujahr die Chance eine neue F6 BYD Limousine (Build your dreams) in der Naehe von Wuhan (China) Probe zu fahren. Eingeladen von meinen chinesischen Gastgebern zum Autofahren, obwohl ich keinen chinesischen Fuehrerschein hatte, entwickelte sich dieser Tag zu meinem persoenlichen Alptraum. Nachdem ich in das vermeintliche Luxusauto eingestiegen war und die Materialien und Verarbeitung bereits ein wenig Enttaeuschung hervorriefen, startete ich das Abenteuer. Auf dem Ruecksitz drei ausschliesslich chinesischsprachige Chinesen, auf dem Beifahrersitz ein ehemaliger Mitstudent, der jedoch auch nur beschraenkt Englisch sprach, begann ich den Kampf durch das Verkehrsdickicht. Regeln? Fehlanzeige. Sechsspurige Strassen, Autos die Rueckwaerts fahren, Motorroaeder, Fahrraeder, spielende Kinder, Fahrraeder - es war bereits der Albtraum. Ich dachte nur, ok ich fahre fuer eine halbe Stunde und uebergebe das Steuer. Aus der Stadt raus, auf die Autobahn, auch dort Falschfahrer - ganz normal. Als ich eine freie Strecke sah und Gas geben wollte passierte das unglaubliche: Das Gaspedal hatte sich verhakt. Es dauert eine Weile bis man das realisiert. Geht man in den Leerlauf, hat man das Gefuehl der Motor fliegt einem aufgrund der hohen Drehzahlen um die Ohren. Ich sagte zu meinem chinesischen Mitstudenten, - ich habe ein Problem, das Auto faehrt von alleine. Er verstand nix und sagte: "alles wunderbar, du faehrst sehr gut" ich sagte: Nein, ich kann das Auto nicht stoppen" - Er sagte etwas zu den Chinesen auf der Rueckbank und sie sagten alle einstimmig - " Ich bin ein sehr guter Fahrer". Ok, das machte keinen Sinn. Ich drueckte die Bremsen wie ein Irrer, es fing an zu stinken, Es waren Leute auf der Fahrbahn. Ich sah bereits die Schlagzeile "Deutscher faehrt in Menschenmenge und hatte keinen Fuehrerschein" - Ich sah mich bereits im Gefaengnis in China. Es war ein Alptraum. Ich schaltete den Motor ab und spuerte die Schwierigkeit ohne Bremskraftverstaerker zu bremsen. Als das Auto endlich zum Stehen kam, waren wir in eine Rauchwolke und einen Gestank verbranntem Gummi eingehuellt. Ich stand noch nie in meinem Leben so unter Schock. Als ich sagte "Ich moechte nicht mehr fahren, wurde mir mitgeteilt, dass ich der einzige von uns 5 sei, der ein Auto fahren kann". Das Ergebnis war, dass ich den restlichen Tag (8 Stunden) in diesem F6 von BYD ohne chinesischen Fuehrerschein sass und alle Freunde und Verwandten auf dem Land besuchte. Es war definitiv das letzte Mal in mienem Leben, dass ich mit einem BYD gefahren bin.
mobileresident 14.03.2010
4. .
Zitat von web1982Ich hatte am chinesischen Neujahr die Chance eine neue F6 BYD Limousine (Build your dreams) in der Naehe von Wuhan (China) Probe zu fahren. Eingeladen von meinen chinesischen Gastgebern zum Autofahren, obwohl ich keinen chinesischen Fuehrerschein hatte, entwickelte sich dieser Tag zu meinem persoenlichen Alptraum. Nachdem ich in das vermeintliche Luxusauto eingestiegen war und die Materialien und Verarbeitung bereits ein wenig Enttaeuschung hervorriefen, startete ich das Abenteuer. Auf dem Ruecksitz drei ausschliesslich chinesischsprachige Chinesen, auf dem Beifahrersitz ein ehemaliger Mitstudent, der jedoch auch nur beschraenkt Englisch sprach, begann ich den Kampf durch das Verkehrsdickicht. Regeln? Fehlanzeige. Sechsspurige Strassen, Autos die Rueckwaerts fahren, Motorroaeder, Fahrraeder, spielende Kinder, Fahrraeder - es war bereits der Albtraum. Ich dachte nur, ok ich fahre fuer eine halbe Stunde und uebergebe das Steuer. Aus der Stadt raus, auf die Autobahn, auch dort Falschfahrer - ganz normal. Als ich eine freie Strecke sah und Gas geben wollte passierte das unglaubliche: Das Gaspedal hatte sich verhakt. Es dauert eine Weile bis man das realisiert. Geht man in den Leerlauf, hat man das Gefuehl der Motor fliegt einem aufgrund der hohen Drehzahlen um die Ohren. Ich sagte zu meinem chinesischen Mitstudenten, - ich habe ein Problem, das Auto faehrt von alleine. Er verstand nix und sagte: "alles wunderbar, du faehrst sehr gut" ich sagte: Nein, ich kann das Auto nicht stoppen" - Er sagte etwas zu den Chinesen auf der Rueckbank und sie sagten alle einstimmig - " Ich bin ein sehr guter Fahrer". Ok, das machte keinen Sinn. Ich drueckte die Bremsen wie ein Irrer, es fing an zu stinken, Es waren Leute auf der Fahrbahn. Ich sah bereits die Schlagzeile "Deutscher faehrt in Menschenmenge und hatte keinen Fuehrerschein" - Ich sah mich bereits im Gefaengnis in China. Es war ein Alptraum. Ich schaltete den Motor ab und spuerte die Schwierigkeit ohne Bremskraftverstaerker zu bremsen. Als das Auto endlich zum Stehen kam, waren wir in eine Rauchwolke und einen Gestank verbranntem Gummi eingehuellt. Ich stand noch nie in meinem Leben so unter Schock. Als ich sagte "Ich moechte nicht mehr fahren, wurde mir mitgeteilt, dass ich der einzige von uns 5 sei, der ein Auto fahren kann". Das Ergebnis war, dass ich den restlichen Tag (8 Stunden) in diesem F6 von BYD ohne chinesischen Fuehrerschein sass und alle Freunde und Verwandten auf dem Land besuchte. Es war definitiv das letzte Mal in mienem Leben, dass ich mit einem BYD gefahren bin.
Darf ich fragen, von wo der Qualm und das verbrannte Gummi kam wenn bei abgeschaltetem Motor ohne Bremskraftverstaerker gebremst wurde, bezw MIT Bremskraftverstaerker gebremst wurde der Motor aber im Leerlauf, wenn auch mit 8000rpm, lief? Was kann BYD fuer den chinesischen Verkehr? Und was kann BYD dafuer, wenn ein anpassungsunfaehiger Fahrer das erste mal ueberhaupt in dem Land faehrt? Noch dazu mit einem Prototypen? Ohne Fuehrerschein, Versicherung oder Ahnung? Dann fuhren Sie noch weitere 8h! (Was war denn da fuer eine Batterie drin?) ohne Gaspedal und Bremsen durchs Land? Dazu ohne lokale Sprachkenntnisse? Aus den Umstaenden auf ein Auto zu schliessen, ist schon extreem weit hergeholt, genau wie die ganze Geschichte. mr
Radler2, 14.03.2010
5. Titel
Zitat von sysopBYD - dieses Kürzel werden sich wohl auch die Europäer merken müssen. Denn schon nächstes Jahr will der chinesische Autohersteller seine Elektro-Modelle auch zu uns bringen. Ob der Name Programm ist, muss sich erst noch zeigen: BYD heißt Build Your Dreams. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,683007,00.html
Wenn ich es richtig verstanden habe: Die Firma BYD gibts seit 8 Jahren, seit 2 Jahren bauen die Autos. Wenn die es in der Zeit es tatsächlich schaffen, in 2 Jahren ein brauchbares Auto zu entwickeln, dann scheint das ganze ja nicht so übermäßig schwierig zu sein. Wieso sollte es dann für irgendeinen deutschen Hersteller ein Problem sein, in kurzer Zeit einen E-Antrieb zu entwickeln, der dem chinesichen mindestens ebenbürtig ist?
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