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Cadillac plant Neustart: Sieh's mal positiv-amerikanisch

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Cadillac plant Neustart Der amerikanische Träumer

Cadillac hat in Deutschland zuletzt weniger als hundert Autos verkauft. Jetzt will der US-Hersteller das Händlernetz ausbauen und mehr Modelle anbieten. So weit, so klar. Nur die Bezeichnung fürs neue Image ist ziemlich erklärungsbedürftig.

Cadillac, der Markenname weckt Erinnerungen an monströse Straßenkreuzer mit Heckflosse, durstige SUVs und natürlich die Limousine des US-Präsidenten. Diese Klischees sind fest verankert, vor allem in Europa - und genau das ist das Problem des US-Herstellers. Denn schwere Spritschlucker sind das Letzte, was sich Autofahrer dort derzeit andrehen lassen wollen: Gerade einmal 450 Autos hat Cadillac im vergangenen Jahr in Europa verkauft. In Deutschland waren es in den ersten elf Monaten dieses Jahres 78.

Aber das soll sich jetzt ändern. Im nächsten Jahr peilt Cadillac das Vierfache des Absatzes an. Und zwar, indem die Marke künftig für das "Positiv-Amerikanische" stehen soll.

Für was, bitteschön?

"Positiv-amerikanisch", erklärt Vijay Iyer bedeute "ein eigenes Design, ausgereifte Technik und moderne Motoren". Iyer bekleidet bei Cadillac den Posten des Director Brand Engagement. Sein Job ist es, dafür zu sorgen, dass die Marke ins Gespräch kommt und die Leute beim Namen Cadillac nicht nur an dicke Schlitten aus den Siebzigern denken.

Fünf Tage Party in Berlin-Mitte, Soul-Star inklusive

Um dieses Ziel zu erreichen, schmeißt sein Arbeitgeber beispielsweise Marathon-Partys wie vor Kurzem in Berlin. Dort wurde in einer umgebauten Etage des Parkhauses "Unter den Linden/Staatsoper" zur fünftägigen "Cadillac Experience" geladen. Bei der Eröffnung stand Sänger Aloe Blacc auf der Bühne, an den Tagen danach konnten Pressevertreter und geladene Gäste Cadillac-Modelle begutachten und probefahren.

Nun kann nicht jeder, der über den Kauf eines Cadillac nachdenkt (oder zum Nachdenken angeregt werden soll), nach Berlin-Mitte gebracht und von Soul-Stars unterhalten werden. "So einen Aufwand können wir nicht ständig betreiben", sagt Iyer, "aber derartige Veranstaltungen sind wichtig, um den Menschen die Marke näher zu bringen."

Ein Cadillac, sagt er, solle zu einer Alternative für all jene Autofahrer werden, die sich einen hochpreisigen Pkw leisten möchten, aber keine Lust auf "BMW oder Audi" haben.

Angriff auf die C-Klasse, A5 und 4er

Um die breite Masse zu erreichen, soll vor allem das Händlernetz ausgebaut werden. Bislang gibt es in Deutschland zwölf Cadillac-Autohäuser, im nächsten Jahr sollen es 20 Standorte geben. Dort werden die Kunden dann auch eine größere Auswahl als bisher haben. Bislang waren in Europa die Mittelklasse-Limousinen ATS und CTS, der Crossover SRX sowie der bullige SUV Escalade erhältlich. Erst vor Kurzem wurde das Portfolio mit der neuen Limousine CTS, einem neuen Escalade und der Coupé-Version des ATS ergänzt. 2015 folgt zudem das Modell ELR ("Electrified Luxury Coupe") - ein Hybrid-Coupé, das in den USA bereits erhältlich ist.

Das neue ATS-Coupé beispielsweise könnte, so das Kalkül der Cadillac-Verantwortlichen, der Mercedes C-Klasse, dem Audi A5 oder dem BMW 4er Konkurrenz machen. Der Wagen ist mit einem Einstiegspreis von 39.600 Euro einige Tausend Euro billiger als die Wettbewerber. Der Preisvorteil ergibt sich allerdings erst, wenn man die Ausstattung des Autos mitberücksichtigt. Das Audi A5 Coupé etwa wird ab 35.100 Euro angeboten, das ATS-Coupé jedoch fährt serienmäßig mit Details wie einem Acht-Zoll-Touchscreen, einer Rückfahrkamera oder Kurvenlicht vor - allesamt Extras, die bei den deutschen Marken extra kosten.

Positiv-britisch vs. positiv-amerikanisch

Auch wenn man bei Cadillac einzelne Modelle mit hierzulande etablierten Typen vergleicht, versteht sich die Marke nicht als Wettbewerber von Mercedes, Audi oder BMW. "Wir wollen in Europa nicht die Großen angreifen", sagt Iyer, "das können wir auch gar nicht."

Mittelfristig wolle man sich eher mit Jaguar oder Land Rover messen. "So, wie diese beiden Marken als positiv-britisch wahrgenommen werden, wollen wir eine amerikanische Alternative werden", sagt Iyer. Allein das dürfte ein langer Weg für Cadillac werden: Jaguar verkaufte im vergangenen Jahr 11.600 Modelle in Europa - mehr als 25-mal so viel wie Cadillac.

Weltweit haben die Amerikaner im vergangenen Jahr übrigens 250.000 Autos verkauft. In China und den USA wuchs der Absatz mit einem Plus von 67 und 22 Prozent deutlich. Das ist ja schon mal positiv.

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