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Campen in der Lagerhalle: Unterm Doppeldach

Foto: Fabian Hoberg

Camping in der Lagerhalle Wohnwagen für Wetterfühlige

Auf diesem Campingplatz scheint nie die Sonne - und trotzdem ist es immer trocken: Ein Hotelbetreiber hat in Bonn mehr als ein Dutzend Wohnwagen in eine Lagerhalle gestellt und vermietet sie an Urlauber und Geschäftsreisende. Ein ewiger Prinz ist Dauergast.

Der Tiroler Filzhut muss eine magische Anziehungskraft haben. Fest jeder zweite Gast der "Jägerhütte" nimmt ihn vom Hirschgeweih und setzt ihn auf. Manche lassen sich damit fotografieren, andere fangen an zu jodeln.

Durchaus ein ungewöhnliches Phänomen in Bonn, der ehemaligen Hauptstadt mit Langweiler-Image. Ort des Geschehens: das Basecamp. Mitten in einem Industriegebiet parken in einer ehemaligen Lagerhalle 16 Wohnwagen, Wohnmobil-Camper und Schlafwagen der Deutschen Bahn. Bis zu 120 Gästen bietet das Hostel eine Unterkunft.

Michael Schlößer ist der Betreiber des Camps. "Die Halle stand leer, vor gut zweieinhalb Jahren hat mich der Vermieter gefragt, ob ich daraus nicht etwas machen kann", sagt Schlößer, der auch ein Apartmenthotel in Bonn leitet. "Ich habe überlegt, wie ich dort rund 100 Gäste bequem unterbringen kann. Denn sonst rechnet sich ein Hostel nicht", sagt er. Nach ein paar Wochen sei ihm die Idee mit den Camping- und Wohnwagen gekommen. Ein ähnliches Konzept verfolgen auch andere Indoor-Campingplatzbetreiber, zum Beispiel der "Hüttenpalast" in Berlin.

Di und Prinz Charles lächeln

Dass Wohnwagen derzeit den Zeitgeist treffen, kommt Schlößer sehr gelegen. "Ich brauchte eine ausgefallene Idee, sonst kommt doch kein Jugendlicher oder Student vier Kilometer vom Zentrum entfernt zu uns", ist er sich sicher. Die Halle sei aber nicht als Quartier für Camper mit ihrem eigenen Wohnwagen gedacht. "Das Basecamp soll eine coole Basis für Bonn und Umgebung sein, ein Hostel für Hotelgäste, die eine außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit suchen", sagt Schlößer.

Um jeden einzelnen Retro-Wohnwagen ganz individuell zu gestalten, beauftragte Schlößer eine Theaterplastikerin. Einzige Vorgaben: Die Behausungen sollen originell, gemütlich und robust sein. Neben der "Jägerhütte" mit Filzhut, Hirschgeweih und Gartenzwerg parkt die "Drag Queen". Die Kabine ist mit rosafarbenem Plüsch ausgeschlagen, die Kommode mit Leopardenmuster bezogen und über dem Spiegel steht ein pinkfarbener Pumps. Am Campingwagen "Big Ben" strahlen Diana und der ewige Prinz Charles von einem Foto. Der Wagen "Flower-Power" bietet innen und außen den Charme der Siebzigerjahre und bei "Pitstop" dreht sich alles um den Rennsport. Dazu kommen noch zwei VW-Busse, ein Citroen HY und ein Trabi mit Dachzelt.

Die beiden Schlaf- und Liegewagen der Deutschen Bahn mit Zweier- und Viererabteilen sind noch im Originalzustand. "Die Schlafwagen sind besonders für Schulklassen und Studenten gedacht, damit sie ein günstiges Bett in Bonn haben", sagt Schlößer. Die Wohnwagen und Campingbusse bieten mehr Platz. Und in den vier amerikanischen Airstream-Alukisten hat man sogar eine eigene Badewanne.

Eltern testen mit ihren Kindern das Campen aus

Der Service ist aber für alle Gäste ähnlich. Auf der Holzempore gibt es morgens ein Frühstücksbüfett, im Anbau darunter befinden sich Sanitäranlagen und täglich werden die Betten und das Zimmer gemacht. 35 Mitarbeiter kümmern sich um die Camper.

"Wir haben aber nicht nur junge Besucher, mittlerweile mieten sich wochentags auch viele Geschäftsleute, Messebesucher mit Anzug und Rollkoffer ein", sagt Schlößer. Selbst eine asiatische Delegation der Vereinten Nationen habe für eine Tagung im Basecamp eingecheckt. Und an den Wochenenden testen Eltern mit ihren Kindern unter erleichterten Wetterbedingungen, ob sie für einen Urlaub auf engem Platz im Camper geschaffen sind. Die Hip-Hop-Band Fettes Brot war auch schon da: Vor einem Jahr gab das Trio im Basecamp ein Klubkonzert, denn die Halle wird mittlerweile auch für Veranstaltungen gebucht.

Die passenden Wohnwagen zu finden, war für Schlößer übrigens gar nicht so einfach. Zwar werden zehn bis 15 Jahre alte Camper günstig angeboten, "aber nach gut erhaltenen Oldies mussten wir suchen", sagt er. Fündig wurde er bei Versteigerungen in Polen, Rumänien, Tschechien und den USA - und natürlich in den Niederlanden.