Dieselskandal Wohnmobil-Lobby fordert Sonderkennzeichen gegen Fahrverbote

Die Camper-Branche ist in Aufruhr: Diesel-Fahrverbote bedrohen Halter Hunderttausender Wohnmobile. Ein C auf dem Kennzeichen soll überall freie Fahrt garantieren - wie das H bei Oldtimern.

Die Reisemobil-Lobby kämpft gegen drohende Fahrverbote für Hunderttausende Camper. Ein C auf dem Kennzeichen solle sicherstellen, dass Wohnmobile künftig freie Fahrt in Fahrverbotszonen der Großstädte haben, fordert das Deutsche Caravaning Institut (DCI).

Der Verband fürchtet "massive Auswirkungen auf den Caravaning-Bereich", falls Diesel-Fahrverbote kommen und Umweltzonen nur noch für Autos freigegeben sind, die die Abgasnormen Euro 6c und 6d erfüllen. Als erste Stadt hat Hamburg ein Fahrverbot auf einer Straße verhängt, weil die Luft zu stark mit Stickoxiden belastet ist. Doch auch in Frankfurt, Düsseldorf, München und anderen Städten drohen Sperrungen für Dieselautos.

Fotostrecke

Caravan Salon Düsseldorf: Das waren die Highlights der Messe

Foto: SPIEGEL ONLINE

Folge wäre aus Sicht des Lobby-Verbands ein Einbruch der Neuzulassungszahlen bei Wohnmobilen, da auch die Modelle von 2018 nur die Abgasnormen Euro 6a oder Euro 6b erfüllten. Dies würde zu einem erheblichen Wertverlust bei den zugelassenen Reisemobilen führen, heißt es. Letztlich gehe es auch um einen "Verlust der Lebensqualität" für die Camper.

Die Campingbranche in Deutschland boomt seit Jahren. 2017 wurden mehr als 63.000 Reisemobile und Caravans zugelassen, mehr als jemals zuvor. Der Reisemobil-Bestand wuchs in den vergangenen fünf Jahren um 32,1 Prozent. Zum Stichtag 1. Januar 2017 zählte das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg 450.167 zugelassene Reisemobile, die große Mehrheit davon hat einen Dieselmotor.

Fotostrecke

Campingbusse: Alternativen zum VW-Bulli

Foto: Volkswagen Nutzfahrzeuge

Zusatzbuchstaben auf dem Kennzeichen gibt es bisher für Oldtimer (H) und Elektroautos (E). Automobile Klassiker über 30 Jahre dürfen in Deutschland auch ohne Katalysator in Umweltzonen einfahren und sind überdies bei der Kfz-Steuer privilegiert. Es gilt ein Pauschalbetrag von jährlich 191 Euro. Gekennzeichneten Elektroautos stehen in manchen Kommunen kostenlose Parkplätze zur Verfügung.

Eine Petition der Camping-Lobby hat bisher mehr als 5000 Unterstützer gefunden. Nun soll sich der Verkehrsausschuss des Bundestags mit der Initiative beschäftigen.

Der Abgeordnete Alois Gerig (CDU) zeigte Verständnis für die Initiative: "Wohnmobil-Halter haben ein nachvollziehbares Interesse daran, dass ihre Fahrzeuge nicht von Fahrverboten und auch nicht von übermäßigen Wertverlusten betroffen sein werden", erklärte der CDU-Politiker. Er dämpfte aber zugleich die Hoffnung auf ein solches Kennzeichen und verwies auf Pläne der Bundesregierung, Fahrverbote mit technischen Verbesserungen an Diesel-Autos zu verhindern.

Ökologischer Verkehrsclub kritisiert Vorhaben

Beim ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD) stieß die C-Kennzeichen-Initiative auf Ablehnung. Wohnmobile müssten mit ihrem ohnehin hohen Spritverbrauch nicht auch noch in die Umweltzonen der Großstädte einfahren, erklärte Gerd Lottsiepen, Emmissions-Experte beim VCD. "Mit so einem Camper, der überdurchschnittlich viel CO2 ausstößt, muss ich nicht bis direkt ans Brandenburger Tor."

Ohnehin befänden sich die meisten Stell- und Campingplätze außerhalb der Innenstädte im Grünen, sagte Lottsiepen. Reisemobilisten, die sich Attraktionen in den Innenstädten ansehen wollten, könnten ihr Gefährt auch außerhalb parken und dann mit Öffentlichen Verkehrsmitteln in die City fahren. "Das ist sicherlich nicht zu viel verlangt."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.