Trends auf dem Caravan Salon 2017 Luxus ist ein Laster

Minimal-Wohnmobile und Designervillen auf Rädern: Auf dem Caravan Salon in Düsseldorf wird die Spreizung der Campingfahrzeuge weiter vorangetrieben. Drei Trends von der Messe.

Volkner

Von Matthias Kriegel


Der Caravan-Markt boomt, allein von Januar bis August wurden in Deutschland schon mehr als 48.000 Reisemobile und Wohnwagen neu zugelassen - ein neuer Rekord. Um die Kunden bei Kauflaune zu halten, präsentieren die Hersteller der Freizeitfahrzeuge derzeit ihre Innovationen. Drei Trends sind dabei auf dem Caravan Salon in Düsseldorf (noch bis 3. September) auffällig. Wir stellen sie vor.

  • Verreisen im Kompaktformat

Wohnmobilfans haben einen neuen Liebling: den Kastenwagen. Mit cleverem Ausbau im Heck sind diese Fahrzeuge der Sechs-Meter-Klasse deutlich geräumiger als die kleinen Camping-Klassiker wie VW California, Mercedes Marco Polo oder Ford Nugget. Gleichzeitig sind sie schlanker und kompakter als die klassischen Wohnmobile mit wuchtigem Alkoven (Bettnische) und lassen sich somit einfacher manövrieren.

Mit dem neuen Modell Cliff bedient beispielsweise der Hersteller Sunlight diesen Trend und präsentiert erstmals einen hauseigenen Camper-Van. Vier verschiedene Modellvarianten mit bis zu 6,36 Meter Länge stehen zur Auswahl. Der Camping-Allrounder auf Basis des Fiat Ducato bietet trotz straffer Maße nahezu alles, was gebraucht wird: Doppelbett, Stauraum, Badezimmer, Küche und Wohnecke. Durch die herausnehmbare Abtrennung zum Wohnraum ist der Kastenwagen überraschend flexibel und kann sogar als Transporter genutzt werden.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Knaus Deseo - mit unserem 360-Grad-Foto:

Multifunktionalität auf knappem Raum ist auch der Trumpf des Wohnwagens Deseo von Knaus. Er lässt sich nicht nur als Urlaubsdomizil, sondern auch als großer Transportanhänger nutzen. Das knapp sechs Meter lange Nutz- und Wohnraum-Kombimobil kostet ab 19.980 Euro. Highlight ist die große Heckklappe, über die unter anderem Motorräder aufgeladen werden können. Zudem wiegt der Deseo bis zu 30 Prozent weniger als vergleichbare Caravans: Er ist mit einem Glasfaserrahmen in Leichtbauweise konstruiert.

Dass es noch kompakter geht, zeigt die nordrhein-westfälische Firma Kaiser Fahrzeugbau mit dem Teardrop-Caravan. Der 4,20 Meter lange und zwei Meter breite Anhänger vereint auf kleinstem Raum eine Schlafkoje für zwei Personen, Staufächer und eine in der Heckklappe untergebrachte Außenküche. Optisch erinnert das Modell an die Teardrop-Trailer aus den USA der Dreißigerjahre, der Einstiegspreis liegt bei 10.900 Euro.

  • App in den Urlaub

Ein Trend aus Automobilbranche nimmt nun auch im Caravaning-Segment Fahrt auf - die Digitalisierung. Bis sich ein acht Meter langer Camper per Wischbewegungen auf dem Smartphone ein- und ausparken lässt, dürfte es zwar noch etwas dauern, doch schon jetzt wird das Smartphone zum festen Bestandteil der Beziehung zwischen Mensch und Campingmobil, denn etliche Funktionen werden inzwischen über spezielle Apps aktiviert und gesteuert.

Volkswagen Nutzfahrzeuge präsentiert in Düsseldorf beispielsweise den California XXL, eine Studie auf Basis des VW Crafter. Der Wagen folgt nicht nur dem Kastenwagen-Trend, sondern bietet auch jede Menge digitale Funktionalitäten. Unter anderem einen integrierten WLAN-Hotspot, dessen Kontrollpaneel sich an zentraler Stelle über der Zweiersitzbank befindet. Auf dem dort installierten Tabletcomputer lassen sich Frisch- und Abwasserstand sowie die Akkuspannung checken und die Atmosphäre im Wohnbereich digital konfigurieren. Etwa durch Lichtszenarien, die den XXL in beliebige Farben tauchen, oder durch Entertainmentprogramme mittels des integrierten Beamers im Heck.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des VW California - mit unserem 360-Grad-Foto:

Während es sich beim California XXL noch um ein Konzeptfahrzeug handelt, haben andere Hersteller die digitalen Helfer schon im offiziellen Programm. Mit dem System Connect können beispielsweise die Reisemobile der Marke Hobby über ein Tablet bedient werden. Was unter dem Stichwort Smart Home für Häuser angeboten wird, kommt hier im Caravan zum Einsatz: Kurz vor der Heimkehr von einem Spaziergang kann über die drahtlose Verbindung unter anderem die Heizung im Wohnwagen aktiviert werden.

In der elektrisch angetriebenen Studie E-Home von Dethleffs ist unterdessen die digitale Assistentin Alexa von Amazon mit an Bord; per Sprachbefehl hilft sie beim Navigieren oder bei der Campingplatzsuche. Noch weiter in die Zukunft denkt der Hersteller Hymer und greift einen weiteren Trend aus der Autobranche auf: Auf dem Caravan Salon entwirft er Szenarien vom "autonomen Fahren und vernetzten Reisen" - irgendwann soll das Wohnmobil also von selbst über malerische Küstenstraßen zum nächsten Stellplatz rollen.

  • Rein in die Komfortzone

Camping ist längst nicht mehr nur die spartanische Art des Verreisens. Um die sogenannte Glamping-Klientel (ein Kunstwort aus glamourösem Camping) glücklich zu machen, übertrumpfen sich die Hersteller mit immer luxuriöseren Ausstattungsvarianten. Oft stellt man sich schon beim ersten Schritt ins Wohnabteil die Frage: Ist das nun ein Caravan-Innenraum oder ein kleines Designerloft?

Ein breites Angebot an Extras lohnt sich für die Marken: Durchschnittlich 71.000 Euro blättern Wohnmobilkäufer gegenwärtig für ein neues Fahrzeug auf den Tisch, gezahlt wird vor allem für Raffinessen im Innenraum, bei der Ausstattung und für Individualität. Ein Variantenreichtum an Polsterstoffen, Möbeloberflächen, Grundrissen, Beleuchtungen und anderen Details ist da wichtig. Das Flaggschiff von Tabbert, der Puccini, wird zum neuen Modelljahr beispielsweise mit zehn verschiedenen Grundrissvarianten angeboten (Preis ab rund 27.000 Euro).

Richtig pompös wird es beim "Caravan des Jahres 2017" in der Ober- und Luxusklasse, dem Fendt Brillant 700 SGA: Der rund zehn Meter lange Wohnanhänger mit Ledersitzen, schicken Holzmöbeln, separatem Schlafzimmer mit Doppelbett und komplett ausgestatteter Küche ist eine Art Fünf-Sterne-Hotel auf Rädern und kostet rund 49.000 Euro.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Fendt Brillant - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das ist allerdings noch billig im Vergleich mit Modellen wie jenen des Wuppertaler Herstellers Volkner, der quasi Villen auf Rädern anbietet. Rund eine Million Euro kostet ein Volkner-Wohnbus mit beheizbarem Marmorboden, Waschmaschine sowie separater Tiefgarage für den Sportwagen.

Bodenständiger und dennoch modern-komfortabel sieht es dann wieder im California XXL aus. Ein großes Panoramadach, eine Stehhöhe von rund zwei Metern sowie ein variables Badezimmer, das sich mit nur einem Handgriff auf die doppelte Größe erweitern lässt - Campen ist auch auf kleinem Raum längst kein Minimalisten-Urlaub mehr.

Einen Überblick über die wichtigsten neuen Modelle auf dem Caravan Salon 2017 finden Sie hier:

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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
iwes69 30.08.2017
1. "Cali"
So, jetzt schnell die Bullifahrer an die Tastatur: "Mein Cali kann aber alles besser!"
upalatus 30.08.2017
2.
Ein Volumen wie den Cliff oder Ducato wär das Maximalste, dass ich in Städten und auf Serpentinen bugsieren möchte. Einen Winterstellplatz bräucht man auch, Anschaffung auch nicht so nebenbei machbar. Leihen wär ne Möglichkeit....... . In so manchem vorhandenen Kombi/Van lässt sich ein paar Tage trefflich campieren. Für Ausbauten wie doppelter Boden als Stauraum mit Schlaffläche drauf, plus maßgeschneiderte Verdunkelungselemente für die Autofenster, gibts einige Anbieter. Geht aber auch gut ohne. Sehr minimalistisch, aber herrlich beweglich und ballastfrei. Man hat schon junge Pärchen in alten Polo Kombis fröhlich urlauben sehen.
froschbus 30.08.2017
3. Nö
Aber billiger... zumindest meiner
mucki007 30.08.2017
4. Oh je, wenn das Martin Schulz sieht
Wie können es denn die Aussteller wagen, solche Luxusmobile dort zu zeigen. Die kann sich ja kaum einer leisten, wo bleibt denn da die soziale Gerechtigkeit ? ??
fatherted98 30.08.2017
5. Mal ehrlich...
...wo kann man mit solchen Monster-Boliden rumfahren, wo stellt man sie ab? Mit dem Geld was das kostet, kann ich mir lebenlang für den Urlaub eine 5 Sterne Klause leisten (mit An- und Abreise).
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