Caravan Salon Fern von Zwängen und nah der Natur

Vom Kleinwohnwagen für 5000 Euro bis zum schier unbezahlbaren Luxusmobil – der Caravan Salon bietet für jeden Geldbeutel und Geschmack etwas. Das Heim auf Rädern wird dabei komfortabler, moderner designt und immer bunter.


Düsseldorf - Sie haben je nach Größe und Ausstattung Bad, Polster-Sitzecke, Fernseher und ein rückenfreundliches Bett mit Federkernmatratze. Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, ärgert sich nicht über ungemütliche Hotelzimmer, sondern hat seine eigenen vier Wände immer dabei - für den Freizeitforscher Horst Opaschowski Hauptgrund für die zunehmende Beliebtheit des mobilen Urlaubs: "Caravaner können sich auch in der Fremde heimisch fühlen", sagt der Wissenschaftler.

Fans von Reisen mit Wohnmobil oder Wohnwagen haben in diesen Tagen wieder viel zu schauen. Auf der Messe Caravan Salon Düsseldorf zeigen seit Freitag eine Woche lang mehr als 500 Aussteller rund 2000 Freizeit-Fahrzeuge der unterschiedlichsten Preisklassen. Am Wochenende ist die weltweit größte Messe für Reisemobile und Caravans mit einem Besucherrekord gestartet: An den ersten beiden Tagen seien 57.000 Besucher gekommen, sagte gestern eine Sprecherin der Messe Düsseldorf. Das waren 2000 mehr als ein Jahr zuvor.

Auf dem Salon findet sich für jeden Geldbeutel und Geschmack etwas: vom Kleinwohnwagen für 5000 Euro bis zum Luxus-Wohnmobil in Reisebusgröße für 1,7 Millionen Euro. Unabhängig vom Luxusgrad der Ausstattung haben alle gezeigten mehr als tausend Neuheiten eine Gemeinsamkeit: Sie legen stärker als frühere Baureihen großen Wert auf Fahrkomfort, wie der Präsident des Caravaning Industrie Verbandes (CIV), Klaus Förtsch, betont. Dazu gehören vor allem neue luftregulierte Wohnwagen-Fahrwerkssysteme für mehr Stabilität, Beifahrer-Airbags bei den Reisemobilen und sparsamere Dieselmotoren mit Euro-4-Abgasstandard.

Knallbunt und lifestylig

Aber auch für Sonderwünsche hat der diesjährige Caravan Salon wieder einige Hingucker parat. Futuristisch kommt etwa die Kombination aus Wohnwagen und Boot daher, die dem Hirn von "Q", dem Technik-Tüftler aus den James-Bond-Filmen, entsprungen sein könnte. Vom Anhänger gelassen, kann der Caravan als mit Solarkraft betriebene Kleinyacht nahezu unbegrenzt über die Meere schippern.

Hingucker sind aber auch die "normalen" Modelle. Wohl noch nie gab es so viel Farbauswahl bei den Lackierungen, und manche Innenausstattung mit Plasma-Fernseher, schicker Küchenzeile und behaglicher Sitzecke lässt das Zuhause in der Tat nicht vermissen. Dass die neuen Modelle "einen riesigen Schritt in Richtung Design und Lifestyle" unternommen haben und sich zunehmend an moderner Wohnungs- und Autoausstattung orientieren, ist für Messe-Geschäftsführer Wilhelm Niedergöcker denn auch der zweite wichtige Trend: "Die Zeiten, in denen Reisemobile und Caravans außen weiß und innen einheitlich dunkelbraun waren, sind endgültig vorbei."

Gourmet-Küchenzeile im Frauenmobil

Außerdem eifern besonders bei Wohnwagen große Hersteller dem Trend kleiner und günstiger Anhänger nach, den das ostdeutsche Unternehmen GFB mit dem nur 5500 Euro teuren Modell "Paul und Paula" im letzten Jahr gesetzt hat. Der Caravan-Hersteller Dethleffs bietet den rundlichen "Campy" in zwei Ausstattungsversionen für ab 8000 Euro an, hochgesetztes Doppelbett, Bad, Kochnische und Sitzgruppe mit Tisch inbegriffen. Bürstner versucht mit hellen Möbeln und orangefarbenen Polstern in ihrem Modell "Duo" besonders junge Kunden anzusprechen – für Preise ab 9900 Euro. In der unteren Preisklasse finden sich außerdem der TEC Travelbird sowie die neue "Active"-Variante des Eiffelland Deseo.

Dethleffs hat außerdem angekündigt, das sogenannte Frauenmobil in Serie zu bauen. Das Modell I 6870 der neuen Esprit-Reihe entspreche bis ins Detail dem im Frühjahr vorgestellten Fahrzeug, dessen Gestaltung zum Teil auf den Ideen von Frauen beruht. Die Preise für die drei Modelle des Esprit beginnen bei 67.999 Euro. Zu den Kennzeichen der Fahrzeuge gehört ein sogenanntes Gourmet Küchencenter mit variabler Kocherabdeckung aus dem Prototypen. Auch das Bad mit verschiebbarem Waschtisch ist in den Modellen I 6870 und I 7870 zu finden.

Heim auf Rädern ist ein voller Erfolg

Optimistisch sehen die Fachleute daher die Aussichten der Branche: "Caravaning ist eine Tourismusform der Zukunft", sagt Freizeitforscher Opaschowski. Kaum eine andere Urlaubsform biete so viele Möglichkeiten für Mobilität und Unabhängigkeit. "Fern von Zwängen und nah der Natur - so lässt sich der Reiz und die Attraktivität von Caravaning erklären." Ein wenig spielt dabei nach Einschätzung des Experten auch ein Stück Ur-Nomadentum eine Rolle: "Die Menschen waren mobil, ehe sie sesshaft wurden."

Schon jetzt ist Caravaning in Deutschland Umsatz- und Beschäftigungsmotor zugleich. Auf rund zehn Milliarden Euro pro Jahr wird hierzulande das Geschäft mit den Wohnmobilisten geschätzt. Darunter werden neben den Ausgaben für die Fahrzeuge auch die Umsätze der Camping-Plätze und weitere Ausgaben der Caravaner am jeweiligen Urlaubsort gezählt. Rund 170.000 Arbeitsplätze hängen von dieser Form des Tourismus bereits ab. "Gäbe es die Caravan-Industrie nicht, dann müsste sie erfunden werden", sagt Opaschowski.

abl/dpa/Frank Bretschneider, ddp



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