Fahrzeughersteller auf der CES Kräftemessen der Autopiloten

Selbstfahrende Autos gelten als das nächste große Ding. Auf der Elektronikmesse CES zeigen vor allem deutsche Hersteller, wie weit die Autopiloten schon entwickelt sind - und wie die schöne neue Innenwelt der Limousinen aussieht.

Aus Las Vegas berichtet


In einem Audi zu einer Messe anzureisen, gehört zum Dienstwagenalltag zigtausender Angestellter. Doch die Anfahrt einiger Audi-Entwickler und Journalisten in einem A7 zur Elektronikmesse CES in Las Vegas war außergewöhnlich: Ihr Gefährt legte weite Teile auf Highways auf einer rund 900 Kilometer langen Strecke im öffentlichen Verkehr selbstständig zurück und überholte dabei sogar ohne Eingriff des Fahrers andere Autos.

Am Ziel in Las Vegas wartet allerdings schon die Konkurrenz: Mercedes, BMW, VW - diese Hersteller sind auf der CES vertreten, unter anderem auch Toyota, Ford, GM und Hyundai. Für die Fahrzeugindustrie wird ein Auftritt in der Wüste von Nevada immer wichtiger, vor allem für die deutschen Autobauer. Denn hier demonstrieren sie seit einigen Jahren, wie rasant die Fortschritte beim automatisierten Fahren sind.

Die Vorstellung, dem eigenen Wagen das Bremsen, Lenken und Beschleunigen zu überlassen, mag für viele Autofahrer derzeit kaum vorstellbar sein. Doch bei Experten steht außer Frage, dass der Autopilot kommt - und dass er für die Mobilität der Zukunft eine tragende Rolle spielt.

"Automatisiertes Fahren ist das 'next big thing'", sagt zum Beispiel Jan Burgard vom Münchner Strategieberater Berylls. "Die Technik wird die individuelle Fortbewegung revolutionieren." Damit steht er nicht alleine: "IT-Innovationen haben das Potenzial, das Auto der Zukunft neu zu definieren", sagt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach. "Vernetzung und autonomes Fahren sind die zentralen Trends der Zukunft."

In Las Vegas werde das deutlich, so Bratzel: "IT-Messen wie die CES sind für die Fahrzeugbranche ebenso wichtig wie Autosalons geworden." Den Autobauern bleibt allerdings nichts anders übrig: Zum einen sitzt ihnen einer der mächtigsten Konzerne der Welt im Nacken - Google forscht schon seit langem an einem selbstfahrenden Auto und hat im vergangenen Jahr einen etwas drolligen, aber aufsehenerregenden Prototypen präsentiert. Wie gefährlich es für Mercedes,

Fotostrecke

9  Bilder
Fahrzeughersteller auf der CES: So fahren wir übermorgen
BMW und Co. wird, wenn das IT-Unternehmen ihr Kerngeschäft mit den Autos angreift, ist leicht auszumalen.

Zum anderen spielen neben den klassischen Werten wie Motorleistung oder Spritverbrauch neue Kriterien eine immer größere Rolle: "Softwarebasierte und vernetzte Funktionen im Fahrzeug werden mehr und mehr zu einem der wichtigsten Faktoren im Wettbewerb um die Autokäufer", sagt Wolfgang Bernhart, Partner im Automotive Competence Center von Roland Berger Strategy Consultants.

Was haben die Autohersteller auf der CES also zu bieten? Audi zeigt die eingangs erwähnte Studie auf Basis des A7, die es fast allein vom Silicon Valley bis nach Las Vegas schaffte, dank mehrerer Sensoren, Kameras und Laserscanner, die zum Teil bereits in Serie gebaut werden. BMW lässt auf der CES ein Forschungsfahrzeug auf Basis des i3 automatisch einparken, gesteuert über eine Smartwatch. Der Wagen findet im Parkhaus allein den Weg zur nächsten freien Lücke und zurück. Ein ähnliches Kunststück lässt VW von einem VW Golf aufführen.

Mercedes hat dagegen bereits vor einiger Zeit demonstriert, wie ein Auto sich selbstständig durch den Verkehr schlängelt, wenn die Strecke auch etwas kürzer war als jetzt bei Audi - sie führte von Mannheim nach Pforzheim. Auf der CES präsentieren die Schwaben einen Prototypen, der vor allem die Möglichkeiten ausschöpfen soll, die sich durch die Entlastung des Fahrers bieten. "Das Auto wächst über seine Rolle als Transportmittel hinaus und wird endgültig zum mobilen Lebensraum", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche, der als Keynote-Sprecher in Las Vegas auftrat.

Wie Mercedes sich das vorstellt, demonstriert die Studie F 015. Der Wagen sieht nicht nur von außen ziemlich futuristisch aus, sondern ist vor allem innen anders als normale Limousinen: Die vorderen Sitze lassen sich nach hinten drehen, es gibt ein Bediensystem ohne Knöpfe, das mit virtuellen Elementen, mit Gesten- und Blicksteuerung spielt. Der silberne Prototyp kam nach einer Tour durch die Wüste und über die Hotel-Meile von Las Vegas auf die Bühne gerollt.

An der Bedeutung des autonomen Fahrens besteht in der Branche also kein Zweifel - und dass Autos ohne Fahrer einparken, könnte schon bald Realität werden. Doch wann genau die Konzeptautos von Mercedes, Audi, BMW oder den anderen Herstellern in Serie gebaut werden, ist noch unklar. Selbst Daimler-Chef Zetsche ging nach seinem Vortrag auf der CES zu Fuß von der Bühne - und nimmt für den Rest der Woche in Vegas einen ganz konventionellen Dienstwagen mit einem Chauffeur aus Fleisch und Blut.



insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Badischer Revoluzzer 06.01.2015
1. Das mag ja eine
schöne Spielerei sein, aber der Chef sitz vorne links hinterm Lenkrad !
mipez 06.01.2015
2.
Und umso mehr werde ich mich darauf freuen auch an diesem "Trend" unbeeindruckt vorbeizufahren. Manche sehen das Auto noch als Fahrzeug und nicht als Verwöhnkutsche.
guncoon 06.01.2015
3. Studien...
..mich würde interessieren,was die ganzen deutschen Manager-Hampelmänner der Automobilindustrie sagen, wenn man sie darauf hinweist, dass nicht Audi, BMW oder DAIMLER führend in der Technologie sind, sondern kleine US Klitschen wie Tesla (!) und Koreanische/Japanische Weltkonzerne. Mich kotzt dieses ganze Automobilstudien-Gehabe an, wo hochtechnologisch entwickelte Modelle und spritsparende 1 Liter Autos vorgestellt werden, die technisch möglich sind - aber NIE in Serie gehen! Alles ist möglich, aber nix geht, und das bereits seit Jahrzehnten. Solange es diese ganzen Interessenverbände gibt, die die Entwicklung von Fahrzeugen beschränken, ist dies nur wieder mal nur Zirkus, diesmal in der 2015 Edition...
syracusa 06.01.2015
4. öpnv
Mich überrascht, dass bei allen Diskussionen über autonome Fahrzeuge vollkommen ausgeblendet wird, wie sehr das den ÖPNV verändern wird. Ich denke sogar, dass die Technik schon reif ist für einen groß angelegten Test in einer deutschen Großstadt. Die Möglichkeiten, die sich hier erschließen, sind zu umfangreich, um sie hier in einem Forumsbeitrag auch nur annähern umreissen zu können. Aber stellen Sie sich vor, wie zukünftige autonome ÖPNV-Fahrzeuge nicht mehr feste Routen abfahren, sondern die Passagiere zu Hause abholen und nicht an einer öffentlichen Haltestelle, sondern genau an der Zieladresse absetzen. Wie im ländlichen Raum automatisch Fahrzeuge in der notwendigen Größe anrollen, und wie diese rund um die Uhr die Mobilitätsbedürfnisse bedienen.
TS_Alien 06.01.2015
5.
So langsam wird es Zeit, über die Kosten zu reden. Die vielen Sensoren müssen hergestellt und verbaut werden. Dann müssen sie gewartet werden. Und manchmal müssen sie auch getauscht werden, nicht nur nach einem Unfall. Natürlich muss die gesamte Anlage zu 100 % gegen Manipulationen geschützt sein. Wie das zu bewerkstelligen ist, wenn jemand mit Ahnung physisch auf das Auto Zugriff hat, ist eine offene Frage. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was eine Reparatur eines autonomen Autos nach einem Unfall kosten wird. Länger dauern wird sie auch. Die Versicherungsbeiträge dürften steigen. Selbst mit vielen Sensoren und Rechnern bleibt das Auto dumm. Die KI-Forschung steckt immer noch in den Kinderschuhen, vermutlich wird sie da auch bleiben. Die allermeisten Autofahrer dürften intelligenter sein als solch ein autonomes Auto. Daher gibt es sicher Fälle, in denen ein autonomes Auto dumm reagiert, zumindest dümmer als die meisten Autofahrer. Man sollte skeptisch bleiben. Das autonome Fahren wird im flächendeckenden Einsatz bei harten Alltagsbedingungen noch für manche böse Überraschung sorgen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.