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23. Januar 2006, 15:33 Uhr

Chevrolet Kodiak

Für den Bären im Manne

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Für die einen ist er einfach nur ein riesiger Berg Blech mit Motor. Für die anderen ist der Chevrolet Kodiak der schärfste Pick-up aller Zeiten. Mit viel zusätzlicher Ausstattung wird die amerikanische Alternative zum Unimog nun sogar zum Luxusliner.

Man sollte nicht klein gewachsen sein, wenn man sich dem Kodiak nähert. Zwar ist der riesige Pick-up sicherlich eine stabile Stütze für das automobile Selbstbewusstsein. Aber bevor man in der riesigen Fahrerkabine buchstäblich über den Dingen steht und erhaben hinabschaut auf das Heer der winzigen Kleinwagen, muss man erst einmal hinaufkommen. Zum Glück erleichtern riesige Trittbretter, die ihren Namen anders als bei vielen Geländezwergen wirklich verdienen, den Weg nach oben. Der Chevrolet bietet nämlich extrem viel Bodenfreiheit, außerdem sitzen auf den 22,5 Zoll großen Felgen riesige Reifen.

Der Aufstieg lohnt nicht nur wegen der Aussicht und des schönen Gefühls, dass jetzt selbst die Fahrer eines Hummer respektvoll zu einem aufsehen müssen. Der Kodiak, den Chevrolet jetzt gemeinsam mit dem Tuner Monroe Truck Equipment (MTE) aufgebaut hat, ist vor allem innen edler als manche vornehme Limousine - und liegt damit voll im Trend der Schickeria-SUVs. "Unsere Trucks haben nicht nur das Zeug, um draußen einen guten Job zu machen", sagt Ross Hendrix, der bei General Motors das Marketing für leichte Nutzfahrzeuge leitet: "Immer mehr Kunden kaufen diese Fahrzeuge auch, weil sie darüber hinaus auch sehr komfortabel und luxuriös sein können." Und Rick Rufenacht von MTE ergänzt: "Die meisten unsere Kunden verbringen in Autos wie dem Kodiak sehr viel Zeit. Da wollen sie es einfach schön und gemütlich haben - und sich gleichzeitig von der Masse der anderen Pick-ups absetzten".

Ganz egal ob bei Arbeit, Sport oder Spiel, der metallene Namensvetter der größten Bärenart aus den Rocky Mountains soll seinem stolzen Besitzer stets eine Augenweide sein. Deshalb ist der Wagen mit drei Schichten jenes weißen Perleffekt-Lackes überzogen, mit dem sonst die Luxusmarke Cadillac ihre Limousinen färbt. Für glänzende Kontraste gibt es reichlich Chrom und Edelstahl an Kühlergrill und Stoßfängern, entlang der großen Doppelkabine mit ihren vier gewaltigen Türen sowie auf der gigantischen Ladefläche, die in Deutschland wahrscheinlich sogar als Parkplatz oder Außenterrasse zugelassen wäre. Der Innenraum wird in treuer Tunermanier dominiert von Carbon-Einlagen, die großzügig über Türen, Armaturenbrett und die Mittelkonsole verteilt wurden. Selbst das Lenkrad trägt jetzt diesen Look.

Fettes Soundsystem übertönt dicken V8-Motor

Doch besonders stolz sind die Entwickler auf das Entertainment-Paket im Kodiak. Damit es auf den endlosen Fahrten durch den mittleren Westen nicht zu langweilig wird, hat MTE ein gewaltiges Soundsystem mit einem knappen Dutzend Lautsprecher und einem riesigen Subwoofer eingebaut. Damit verfügt die Musikanlage nun auch über genug Power, um den 6,6 Liter großen V8-Diesel zu übertönen, der seine 300 PS und die brachialen 820 Newtonmeter Drehmoment nicht eben im Flüsterton hervor- und auf die Straße bringen dürfte. Ein Navigationssystem weist den Weg und sorgt mit der integrierten Rückfahrkamera dafür, dass beim Rangieren keine Kleinwagen unter die Räder kommt. Und die optionale DVD-Anlage mit einem Zehn-Inch-Monitor an der Decke oder zwei kleinen Bildschirmen auf der Rückseite der Kopfstützen spielt dazu das passende Road-Movie.

Allerdings hat der Schnickschnack auch seinen Preis. So ist der Kodiak als reines Arbeitsgerät, also in einer rustikalen Grundausstattung, zwar schon für etwas mehr als 40.000 Dollar zu haben. Doch wer es bei Komfort und Luxus mit einem Cadillac aufnehmen will, kann gut und gerne das Dreifache anlegen - und damit ist dann auch der Preis bärig.

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