China E-Auto-Verkäufe brechen um ein Drittel ein

China ist der größte Elektroautomarkt der Welt - doch dort gingen die Verkaufszahlen nun um rund 33 Prozent zurück. Wasserstoffautos dürfte es bald ähnlich ergehen.

In China sinkt der Absatz von Elektroautos um rund ein Drittel
Martin Wittler

In China sinkt der Absatz von Elektroautos um rund ein Drittel


Minus 33,1 Prozent. So stark gab der Verkauf batterieelektrischer Autos in China im September im Vergleich zum Vorjahresmonat nach. Noch härter traf es Plug-in-Hybride, deren Verkäufe um 38,4 Prozent zurückgingen, wie der Verband der chinesischen Autohersteller CAAM bekannt gab.

Dieser Einbruch trifft reine Elektrohersteller besonders hart, denn China ist der größte Markt für batterieelektrische Fahrzeuge, so wurden in der Volksrepublik laut CAAM in den ersten neun Monaten des Jahres rund 717.000 E-Autos produziert.

Der zurückliegende E-Auto-Boom war allerdings stark subventionsgetrieben und steigerte die Anzahl verkaufter Fahrzeuge von rund 10.000 im Jahr 2009 auf über 1,26 Millionen im Jahr 2018. Allein 2017 förderte die chinesische Regierung die Hersteller von E-Autos mit rund 3,1 Milliarden US-Dollar.

Regierung will bessere Qualität

Durch die hohen Subventionen stieg vor allem die Produktion billiger und wenig hochwertiger E-Autos - bis die Regierung im März dieses Jahres beschloss, nur noch Autos mit einer Reichweite von mindestens 250 Kilometern zu subventionieren. Für E-Autos mit Reichweiten von mehr als 400 Kilometern wurden die Zuschüsse halbiert. Ende 2020 fallen sie dann komplett weg.

Damit dränge die Regierung die Hersteller, Autos von besserer Qualität anzubieten , erklärte der Analyst Yale Zhang gegenüber der "Financial Times". Damit dürfte die Regierung einen Konsolidierungsprozess angestoßen haben, der kleinere Hersteller in die Pleite treiben könnte. So machte das Start-up Nio, einst als Chinas Tesla gehandelt, im zweiten Quartal des Jahres 479 Millionen US-Dollar Verlust - ein Anstieg um mehr als 25 Prozent gegenüber dem vorigen Quartal.

Für Brennstoffzellenautos, die mit Wasserstoff betrieben werden, fallen die Subventionen ab 2021 ebenfalls weg, wie das chinesische Finanzministerium nun bekannt gab. Experten waren bislang davon ausgegangen, dass die Wasserstoffautos nicht von den Kürzungen betroffen seien. Trotz der finanziellen Unterstützung habe Chinas Brennstoffzellenindustrie keine Durchbrüche erzielt, begründete das Ministerium den Schritt.

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Bislang plante China, bis 2030 eine Million Wasserstoffautos auf die Straße zu bringen. Bis Ende 2017 waren es gerade einmal 1200 Stück. Analyst Zhang sagt, es werde noch 10 bis 20 Jahre dauern, bis man die Brennstoffzelle wirtschaftlich in großer Stückzahl produzieren könne.

Das Finanzministerium bestätigte, dass Elektroautos weiterhin im Fokus der chinesischen Mobilitätswende stünden. "Elektroautos und Brennstoffzellenfahrzeuge sind für unterschiedliche Einsatzszenarien konzipiert. Sie werden sich künftig gegenseitig ergänzen, statt sich zu ersetzen", heißt es aus dem Finanzministerium.

ene/cfr



insgesamt 137 Beiträge
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Seite 1
seikor 16.10.2019
1. auch hier eine irreführende Überschrift...
klar, dass der Verkauf zurück geht, wenn Subventionen gekürzt werden. Populistisch, wenn SPON das in der Überschrift weggelässt. Man hätte auch schreiben können: "Geringe Subventionen drosseln E-auto-Absatz in China"... klingt halt nicht so Bashing-mäßig...
Mario S. 16.10.2019
2. Also ohne Subventionen nicht überlebensfähig?
Gibt's irgendeinen Hersteller, der mit E-Autos (ohne Quer- und stattliche Subventionen) Gewinne einfährt und diese dabei zu Preisen anbietet, die die Leute bezahlen wollen/können?
kleinsteminderheit 16.10.2019
3. Verfrüht
Wenn der Absatz nach der Anschubbezuschussung einbricht ist das Technische Konzept vielleicht für die Mehrheit der Kunden nicht überzeugend. Es kann sein, dass die staatliche Fixierung auf die Elektromobilität derzeit noch zu früh ist und die milliardenschweren Investitionen von VW etc. mangels Produktakzeptanz in den Sand gesetzt sind. Wahrscheinlich haben wir in 10 Jahren Batterien mit einer deutlich höheren Energiedichte, so dass man für 409km Reichweite keine Tonne Energiespeicher durch die Landschaft transportieren muss. Wollen wir hoffen, dass wir dann noch Firmen haben, die Autos bauen.
patriae. 16.10.2019
4. @1 seikor
Spiegel trifft keine Schuld, wenn die Leute es nicht fertig bekommen, Artikel komplett zu lesen.
k70-ingo 16.10.2019
5.
Zitat von Mario S.Gibt's irgendeinen Hersteller, der mit E-Autos (ohne Quer- und stattliche Subventionen) Gewinne einfährt und diese dabei zu Preisen anbietet, die die Leute bezahlen wollen/können?
Nein. Aber diese Wahrheit hören die E-Auto-Fetischisten gar nicht gerne, ebensowenig wie die Wahrheit über die inmensen Umweltschäden bei der Rohstoffgewinnung für die Batterien.
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