Chrysler Sebring Cabriolet Der Dreifachdecker

"It never rains in California" – diese Hymne singt auch die Autoindustrie und enthüllt auf der Los Angeles Auto Show gleich mehrere Cabrios: Für Besserverdiener gibt es Roadster von V8 Vantage und Murciélago LP640. Für die breite Masse macht Chrysler den Sebring auf.


Kalifornien ist der Traum sonnenhungriger Cabriofahrer. Der US-Staat hat nicht nur die schönsten Straßen entlang der Pazifikküste, sondern – glaubt man Sänger Albert Hammond – auch das beste Wetter für die automobile Offenheit. Kein Wunder also, dass die Autoshow in Los Angeles in dieser Woche auch im Zeichen vieler neuer Open-Air-Modelle steht, die so vielschichtig sind wie Kundengruppen in "sunny California".

Denn während die Millionäre in den Speckgürteln der Kinometropole Los Angeles und der Elektronikhochburg San Francisco ganz sicher mit teuren Neuheiten wie den V8 Vantage Roadster von Aston Martin, wahrscheinlich mit der offenen Version des im Frühjahr zum LP 640 geadelten Lamborghini Murciélago und vielleicht sogar mit dem neuen Cabrio von Rolls Royce gelockt werden sollen, dreht sich für Joe Average vor allem die Cabrio-Version des neuen Chrysler Sebring im Rampenlicht. Sie kommt im Frühjahr 2007 in den USA auf den Markt und wird in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres auch in Deutschland erwartet.

Drei Verdeck-Varianten stehen zur Wahl

Dabei macht es die Mercedes-Schwester, die sich selbst als beliebtester Cabrio-Hersteller in den USA bezeichnet, den Kunden diesmal nicht leicht. Denn das neue Open-Air-Modell gibt es gleich mit drei Verdeck-Varianten. Als erstes Auto nach dem Mazda MX-5 macht Chrysler den Sebring quasi zum Doppeldecker und lässt den Kunden die Wahl zwischen zwei Softtops aus Vinyl oder Stoff und einem in Wagenfarbe lackierten Hardtop, das sich auf Knopfdruck in den Kofferraum faltet.

Egal, welche Mütze das Cabrio aufsetzt, in jedem Fall hat man innen nun mehr Platz, verspricht Chrysler und führt als Beweis die neuen Abmessungen an. So sei der Radstand im Vergleich zum Vorgänger um sieben, die Höhe um neun und die Breite um fünf Zentimeter gewachsen. Zudem strecke sich das Cabrio gegenüber der im Sommer in London enthüllten Limousine um acht Zentimeter und erreiche so eine Länge von 4,92 Metern. Das sorgt, so verspricht zumindest Chrysler, gleichermaßen für eine elegante Silhouette und für eine vernünftige Beinfreiheit im Fond. Außerdem fasse der Kofferraum nun sogar bei geöffnetem Verdeck noch immer zwei Golfbags.

Hübsches Interieur und ein schlauer Getränkehalter

Zum neuen Format gibt es eine stabile Karosserie, die nun zweieinhalb Mal steifer sei als beim Vorgänger und all jene Kunden beruhigen sollte, die bei den ganz frühen Cabrios der Marke jeden Bordstein-Parkplatz mieden, weil dann die Türen nicht mehr auf oder zu gingen. Außerdem reklamieren die Amerikaner einen deutlichen Qualitätssprung im Innenraum: Das Interieur ist zweifarbig gehalten, die Gurte sind in den vorderen Sitzen integriert, alle Berührungspunkte etwa am Armaturenbrett oder in den Türen haben weiche Oberflächen, und Applikationen im Aluminium-, Satinsilber-, Chrom- oder Schildpattdesign sollen das Auge verwöhnen.

Unter der Haube bieten die Amerikaner eine ungewöhnlich breite Motorenauswahl: So startet das Cabrio in den USA mit dem als "World-Engine" bekannten 2,4-Liter-Motor, der gegenüber dem Vorgänger um 15 Prozent an Leistung zulegt, nun auf etwa 175 PS kommen wird und trotzdem acht Prozent weniger verbrauchen soll. Daneben gibt es einen V6 mit 2,7 Litern Hubraum, rund 190 PS und 259 Nm sowie ausschließlich für die USA auch einen 3,5 Liter großen Sechszylinder, der auf ungefähr 240 PS und 315 Nm kommt. Mit Rücksicht auf die Eigenheiten der europäischen Kundschaft montieren die Amerikaner in die Export-Modelle zudem erstmals in einem Cabrio auch einen Selbstzünder. Der Pumpe-Düse-Diesel stammt von VW, schöpft aus zwei Litern Hubraum 140 PS und soll in Märkten mit entsprechender Sensibilität auch mit Rußpartikelfilter verfügbar sein.

Das Motor lässt sich auch von außen starten

Wie immer haben sich die Amerikaner zur Premiere ein paar Gimmicks ausgedacht und neben Standards wie ABS, ESP, Klimaanlage und vier Airbags auch ein paar Neuheiten auf die Optionsliste gesetzt: Die gekühlten und beheizten Cupholder oder das Multi-Media-Center mit einer 20 Gigabyte großen Festplatte für Navigation, Fotos und Musik kennen wir schon von der Limousine, und die Fernbedienung für das Verdeck haben andere Hersteller auch. Bis dato aber nur sprengstoffgefährdeten Sonderschutzlimousinen vorbehalten ist die Option, den Wagen auch von außerhalb zu starten. Während der Fahrer noch schön vor dem Cafe in der Sonne sitzt und schwitzt, läuft dann mit dem Motor auch schon die Klimaanlage und kühlt den Wagen auf amerikanische Eisschrank-Temperaturen herunter.

In Deutschland, wo das Open-Air-Modell mit dem kleinen V6-Motor zuletzt 34.400 Euro kostete, war der Sebring – egal ob als Limousine oder als Cabrio – schon immer einer Randerscheinung. Doch von Detroit aus gesehen, ist die Baureihe überaus wichtig. Schließlich war der letzte offene Sebring nicht nur in sieben der vergangenen elf Jahre das meistverkaufte Cabrio in Nordamerika, sondern der Viersitzer gilt dem Hersteller auch als "eines der beliebtesten und meistverkauften Cabriolets der Welt".

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