Citroën Ami One Concept Der Zauberwürfel

Quadratisch, elektrisch, klug: Mit dem Ami One Concept zeigt Citroën auf dem Genfer Autosalon einen neuen Ansatz innerstädtischer Mobilität. Nur fühlt man sich irgendwie an Peugeot erinnert.

Citroen

Von Michael Specht


Wer wochentags zur Rushhour Paris im Auto durchqueren oder in dieser Stadt gar einen Parkplatz finden will, zweifelt nicht mehr, dass hier eine neue Art von Mobilität gebraucht wird. Zweifeln tut man höchstens am Verstand der Autofahrer, die sich weiterhin in ihren viel zu großen Gefährten durch die City quälen.

Dieses Problem haben viele Städte, die Autohersteller ringen um Lösungen gegen den Verkehrsinfarkt. Wie die französische Lösung aussehen könnte, hat jetzt der Autofabrikant Citroën gezeigt: "Ami One" heißt die Studie und ist ungewöhnlich. Der Zweisitzer sieht aus, als hätte Lego einen Kubus auf Rädern erdacht: 2,50 Meter kurz und jeweils 1,50 Meter breit und hoch.

Der Citroën Ami 6
AFP

Der Citroën Ami 6

Kenner der Citroën-Markenhistorie werden beim Namen "Ami" hellhörig. So hieß schon einmal ein Fahrzeug der Franzosen, ein Derivat der berühmte "Ente", das höchst skurril aussah: Mit glupschäugigen Scheinwerfern und einer schräg nach vorn eingezogenen Heckscheibe. Doch mit ihm hat der Ami One so wenig zu tun wie ein Röhrenfernseher mit einem OLED-Flachbildschirm.

Elektrisch - na klar

Selbstverständlich soll er elektrisch angetrieben sein - für freie Fahrt durch alle Verbotszonen. Trotz seiner winzigen Größe wirkt der Ami One robust und setzt sich damit deutlich vom Renault Twizy ab. Zudem sitzen im Citroën die Insassen nebeneinander und sind vor Wind und Wetter geschützt. Die Batterie soll für 100 Kilometer Strom liefern und nach zwei Stunden an einer öffentlichen Ladesäule wieder gefüllt sein. Mehr verrät Citroën an technischen Daten nicht.

Überhaupt ist Citroën bei der Präsentation des Ami One sichtlich bemüht, den Ball flach zu halten. Noch sei dieses Gefährt eine "reine Studie", betont Citroën-Vorstandschefin Linda Jackson. Gleichzeitig ist sie sich sicher, dass der Ami One "das Potenzial zu einer urbanen Ikone" hat. Um dann wieder zu bekräftigen: "Es gibt keinerlei Beschlüsse, ob und wann wir ein solches Auto bauen werden."

Interessant ist das Konzept allemal. Es besetzt zudem eine Nische, in die sich bislang noch kein anderer großer Hersteller getraut hat. Weil das City-Car nicht als vollwertiges Auto gilt, sondern mit seinen 425 Kilogramm in die L6e-Kategorie (Leichtkraftfahrzeuge bis 45 km/h Höchstgeschwindigkeit) fällt, bedarf es keines üblichen Auto-Führerscheins. In Deutschland könnten den Ami One bereits 16-jährige Teenager fahren, in Frankreich darf man sogar ab 14 Jahren hinter das Lenkrad. Citroën sieht den Ami One als Alternative zu E-Bikes, E-Scootern und Kick-Scootern.

Alles falsch rum?

In seiner Größe liegt allerdings auch ein Risiko des Konzepts. "Es gehört zu den größten Herausforderungen in der Branche, mit Kleinst- und Kleinwagen Geld zu verdienen", sagt Stefan Bratzel, Leiter Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.

Smart schrieb mit seinem City-Flitzer fast ein Jahrzehnt nach Produktionsstart noch Verluste. Auch der Twizy dürfte für Renault kein Geldbringer sein. Die Stückzahlen sind äußerst gering. In Deutschland schaffte es der kleine Franzose im vorigen Jahr nicht einmal in den Bereich vierstelliger Absatzzahlen. "Wir müssen hier völlig neue Ansätze finden, um die Kosten im Rahmen zu halten", sagt Xavier Peugeot, "der Ami One würde auf keinen Fall nach traditioneller Art gebaut werden."

Citroëns Markenchef sieht einen möglichst hohen Grad an symmetrischen Bauteilen als Voraussetzung für einen Erfolg. Wer beim Ami One genauer hinschaut, erkennt, dass zum Beispiel die Kotflügel diagonal versetzt absolut identisch sind (vorne links entspricht hinten rechts, hinten links entspricht vorne rechts). Die Haube und Heckteil gleichen sich wie eineiige Zwillinge, nur steht der hintere im Verhältnis zum vorderen auf dem Kopf. Selbst die Türen inklusive Scharniere sind Gleichteile, was zu einem Kuriosum im Automobilbau führt: Während die Beifahrertür normal öffnet, ist die Fahrertür hinten angeschlagen und öffnet somit nach vorne.

Nichts geht ohne Smartphone

Auch beim Vertriebskonzept will Citroën, sollte der Ami One denn irgendwann kommen, neue Wege beschreiten. "Wir bieten "Use on Demand", sagt Jackson, "vom Sharing bis zum Langzeit-Leasing". Die Zauberzahl heißt fünf. Der Kunde kann den Ami One für nur fünf Minuten buchen, aber auch für fünf Stunden, fünf Tage, für Monate oder sogar für fünf Jahre.

Wenig überraschend ist das Smartphone der Schlüssel zum Glück im Ami One. Geöffnet wird der Kubus mit dem Handy über einen QR-Code. Vor dem Instrumententräger gibt es eine Schale für induktives Laden. Liegt das Smartphone dort, wird dessen Oberfläche in die Windschutzscheibe gespiegelt (Head-up Display). Auch die Navigation läuft komplett über das Handy. Die Bedienung erfolgt über nur zwei Schalter am Lenkrad, einer ist für die Sprachsteuerung, der andere steuert die Apps.

Der Peugeot BB1
U. Baumgarten via Getty Images

Der Peugeot BB1

Alles superinnovativ also? Nicht ganz: Die Idee eines Micro-Cars im Segment L6e hatte im PSA-Konzern schon jemand. Vor acht Jahren stellte die Schwestermarke Peugeot den BB1 vor, eine zerknautschte Version des Smart. Für dessen Antrieb entwickelte Michelin sogar spezielle Radnabenmotoren. Peugeot sprach damals mutig von einer möglichen Serienversion. Der Marktstart sollte 2013 sein, doch dazu kam es nie.



insgesamt 28 Beiträge
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r.pfeil 20.02.2019
1. Citroën Ami One Concept
Mal sehen ob auf den neuen 'Freund' von Citroen eine bessere Zukunft wartet als auf seinen Urgroßvater. Der wurde weder im Ursprungsland zum Verkaufsschlager, noch wurde er ein Exportrenner. Das trifft leider auf viele Citroenmodelle zu. Entweder empfand sie die breite Masse der Kaufinteressenten als zu futuristisch, oder zu seltsam exotisch. Oft der Zeit voraus ist es Citroen nur selten gelungen den aktuellen Zeitgeist zu treffen. Oft war der ehemals extravagante Automobilhersteller seiner Zeit voraus oder konnte hinsichtlich Zeitgeschmack nicht mit seinen Konkurrenten mithalten. Außerdem haftet der Marke immer noch Der Ruf von Unzuverlässigkeit und kurzer Lebensdauer an. Wer sich auf das Abenteuer Elektroauto einlässt, dem ist das wahrscheinlich schon Abenteuer genug.
etlamu 21.02.2019
2. Smartphonezwang!
Wegen des Smartphonezwanges ist dieses Auto leider nichts für mich! Mir kommt so ein Überwachungsgerät nicht ins Haus. Solche Autos aus deutscher Produktion bekommt man nur von Start-UPs. Die deutsche Autoindustrie bleibt bei ihren viel zu schweren Dinosauriern, was aber auch den Kunden liegt, die solche Autos verlangen. Leider wurde der Preis nicht genannt.
chrismuc2011 21.02.2019
3. #1
Der Ami6 war keinesweges ein Ladenhüter. 1966 war er das meistverkaufte Auto in Frankreich. Von Anfang 1961 bis Frühjahr 1969 wurden insgesamt 1.039.384 Exemplare des Ami 6 hergestellt. Danach kam sein gefälliger gestylter Nachfolger AMi 8, von dem immerhin auch nochmal 800.000 Stück gebaut wurden. Wohlgemerkt beide auf dem Citroen 2CV basierend, auch wenn es den Ami 8 teilweise mit 4 Zylinder Boxermotor gab. Ihre Sicht von Zeitgeschmack und mangelnder Lebensdauer entspricht der Sicht des deutschen Mittelstandsbürgers, nicht der Sicht der Studenten, Akademiker ( ID19, DS21,23) und schon gar nicht der Sicht der Franzosen.
Romiman 21.02.2019
4. Ami 6 kein Verkaufsschlager?
Da bin ich anders informiert. 1966 war in Frankreich das erfolgreichste Modell überhaupt und über 1 Mio Exemplare in der 8jährigen Bauzeit können sich ja auch sehen lassen.
mazzmazz 21.02.2019
5. Generell interessant
Klein, einfach zu bedienen, flexibel nutzbar. Das Problem zur Zeit ist noch, dass die ach so flexiblen Kurzzeitleasing- bzw. Mietangebote einfach nur stinkteuer sind. Wenn ich mit so etwas klarkäme, könnte ich auch einen Tag im Voraus ein Auto bei einem Vermieter anmieten. Das geht ab 8 Eur/Tag. Die meisten Leute fahren mit ihrem Auto morgens zur Arbeit und abends nach hause. Ab und zu ein Wochenendausflug oder Urlaub. Die meiste Zeit steht das Auto herum. Dennoch macht hier Sharing oder Kurzzeitmiete keinen Sinn, denn wenn ich heim will, will ich heim. Wenn ich am Freitag entscheide, die Familie einzupacken und Skifahren zu gehen, muss das Auto sofort verfügbar sein. Weil die große Mehrheit so denkt, werden solche Angebote außerhalb von Großstädten eher selten bleiben. In den Städten braucht man sie nicht, denn es gibt ja den ÖPNV.
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