Citroën Berlingo & Peugeot Partner Störfeuer aus Paris

Damit hat keiner gerechnet: Während die Autowelt auf den Saisonauftakt in Detroit wartet, zaubern Citroën und Peugeot die erste Premiere des Jahres aus dem Hut. Zum Verkaufsstart des neuen Renault Kangoo enthüllen sie die Neuauflagen von Berlingo und Partner.


Es ist ein bisschen wie in der Ricola-Reklame: Der Renault Kangoo gilt vielen als erster Kleintransporter für Familien, doch korrekt ist das nicht. Citroën und Peugeot dürfen wie die Schweizer Kräuterbonbon-Macher entrüstet fragen: "Wer hat's erfunden?" Denn schon zwei Jahre bevor der Kangoo das Erbe des Renault R4 antrat, hatten die beiden Schwestermarken aus dem PSA-Konzern mit den Modellen Berlingo und Partner 1996 die Verschmelzung von Lieferauto und Babytransporter geprobt. Die Zwillinge wurden vor allem für junge Familien zur billigen Alternative zur Großraumlimousine.

Profitiert hat davon vor allem Citroën: Der Berlingo war und ist für die kleinere der beiden PSA-Marken eines der wenigen echten Erfolgsmodelle. Seit 2003 hat die Pkw-Variante des Berlingo die europäische Zulassungsstatistik bei dieser Auto-Spezies ununterbrochen angeführt, reklamieren die Franzosen und weisen für die gesamte Baureihe seit dem Debüt eine Produktionszahl von knapp 1,8 Millionen Fahrzeugen aus – die Verkäufe des Peugeot-Schwestermodells noch nicht mitgerechnet.

Noch ist das Ursprungsfahrzeug unter den Titeln Berlingo First und Partner Origin zu reduzierten Preisen weiter erhältlich. Doch bereiten die Franzosen mit Hochdruck die Neuauflage ihrer Multitalente vor. In den Handel kommen sie zwar bei erst kurz vor (Peugeot) oder sogar nach (Citroën) den Sommerferien. Aber weil bei Renault in diesen Wochen der Verkauf des neuen Kangoo beginnt, generieren die Konkurrenten jetzt mit den ersten Fotos und Daten für ihre Modelle ein bisschen Störfeuer.

Ganz ähnlich wie es für den neuen Renault Kangoo gilt, zeigen die Fotos von Berlingo und Partner erwachsene Kleinlaster, die die Nähe zum Pkw suchen. Bei der Technik bedeutet dies Fahrwerksanleihen bei Peugeot 308 und Citroen C4 Picasso, außerdem zumindest die Option auf ESP. Beim Interieur folgen daraus eine bessere Materialauswahl, variablere Sitze, mehr Ausstattung und ein paar schlaue Details. Und für das Design gilt künftig, dass die Autos nach etwas mehr aussehen.

Erstmals sechs Sitze in Berlingo und Partner

Die Front ist selbstbewusst und trägt riesige Scheinwerfer, die bei Citroën wieder mit dem ins Blech geschnittenen Doppelwinkel und bei Peugeot mit einem Löwen-Wappen verbunden werden. Die wie bisher von zwei Klapp- und zwei Schiebetüren durchbrochenen Flanken sind stark modelliert und tragen einen breiten Ring um die Radhäuser, und das Heck ist mit Rücksicht auf den Laderaum vollkommen gerade geschnitten.

Statt bislang 4,14 Meter messen die beiden Kleinlaster mit Familiensinn nun 4,38 Meter in der Länge und bieten deshalb innen deutlich mehr Platz. Für die Pkw-Version verspricht Peugeot bis zur Unterkante der großen Fenster bereits 400 Liter Kofferraum, und der Kastenwagen fasst laut Citroën auf der 1,80 Meter langen Ladefläche bis zu 3,3 Kubikmeter und ist damit groß genug für zwei Euro-Paletten.

Noch mehr Platz schafft die neue Bestuhlung: Sie bietet vorn erstmals in diesem Segment drei Sitze und in der zweiten Reihe ebenfalls drei einzelne Sessel, die verschoben oder ausgebaut werden können. Fahren Partner und Berlingo im gewerblichen Einsatz als Einsitzer, steigt dann die Ladelänge auf drei Meter, und das maximale Volumen erreicht 3,7 Kubikmeter.

Neues Cockpit und neue Fenster im Dach

Dazu gibt es als Tribut an die vielen Privatkunden und als Beitrag zum besseren Arbeitsklima ein neues Cockpit mit schöneren Farben und Formen, für die Ergonomie ein in Höhe und Länge verstellbares Lenkrad, für den Kleinkram mehr Ablagen und ein Regal unter dem Dach. Ein spezielles Raumgefühl vermitteln darüber hinaus die neu gestaltete Fenster in Richtung Himmel. Außerdem verspricht Citroen eine Heckscheibe, die sich separat öffnen lässt. Und Peugeot plant als dritte Variante neben Pkw und Kleinlaster auch ein Outdoor-Modell, das mit massiven Planken, bulligen Stoßfängern und einem Unterfahrschutz ausgerüstet wird.

Das Wechselspiel zwischen Laderampe und Kindergarten betreiben die Franzosen zwar nicht alleine. Doch haben Deutsche und Italiener in diesem Segment nur wenig zu melden: Zwar führt der VW Caddy mit rund 20.000 Zulassungen in den ersten elf Monaten des letzten Jahres die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes unerreicht an, doch spielt er in Preis und Format bereits in einer anderen Liga.

Und auch die zusammen gut 6500 Ford Transit Tourneo und Connect fahren eine Klasse darüber. Derart bereinigt, bleibt das Siegerpodest mit 8600 Berlingo und 7600 Kangoo beinahe in französischer Hand. Lediglich der vom Corsa abgeleitete Opel Combo schafft es mit 5300 Zulassungen noch aufs Treppchen und kann Fiat Doblo (4400) und Peugeot Partner (2100) in die Schranken weisen.



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