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20. April 2012, 09:20 Uhr

Autogramm Citroën C4 Aircross

Déjà-vu im Unterholz

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Der Sinn eines SUV-Modells in hiesigen Breiten ist noch immer ungeklärt, dennoch werden diese Autos erstaunlich oft verkauft. Genau darauf spekuliert Citroën mit seinem neuen C4 Aircross. Leider haben es sich die Franzosen etwas zu leicht gemacht.  

DER ERSTE EINDRUCK: Kennen wir uns nicht? Der neue C4 Aircross erinnert schon auf den ersten Blick an seinen japanischen Technikspender Mitsubishi ASX. Gleichzeitig haben die Citroën-Designer das Auto so eingekleidet, dass es durchaus eigenständig wirkt. Was die Karosserie betrifft, wurden nur Türen und Dach ohne Veränderung vom Mitsubishi übernommen. Der Gesamteindruck: Robust, solide, aber dennoch kein grobschlächtiger Geländewagen, sondern eher modischer Kombi mit erhöhter Bodenfreiheit.

DAS SAGT DER HERSTELLER: Citroën will mit dem Auto ein kleines Stück vom immerhin 200.000 Fahrzeuge großen Kuchen des deutschen SUV-Marktes. "Wir könnten allein in Deutschland sicher 10.000 Exemplare im Jahr verkaufen", sagt Citroën-Sprecher Stephan Lützenkirchen, "aber in diesem Jahr erhalten wir nur noch 2500 Autos." Dass der Wagen aus der Kooperation mit Mitsubishi stammt und auch als Peugeot 4008 angeboten wird, daraus machen die Franzosen keinen Hehl. Aber sie legen Wert darauf zu betonen, dass der Basisdiesel mit 115 PS ein Citroën-Motor ist und nur im C4 Aircross angeboten wird.

DAS IST UNS AUFGEFALLEN: Mit eben jenem kleinen Diesel (der serienmäßig über eine Start-Stopp-Automatik verfügt) kann man ziemlich flink unterwegs sein. Man muss ihn zwar ordentlich treten, weit über 3000 Touren jubeln und sich den Griff zur etwas knochigen Schaltung verkneifen, damit die Gänge auch wirklich ausgedreht werden, aber dann läuft der Aircross wirklich flott und wirkt viel schneller, als es das Datenblatt vermuten lässt. Nur sparsam ist der Motor dann nicht mehr; den offiziellen Durchschnittsverbrauch von 4,6 Liter lässt man weit hinter sich. Was noch auffällt, ist das breite Angebot an Extras vom Touchscreen-Navi über den Musik-Server bis zum Müdigkeitswarner. Leider wirkt das Interieur nur bei flüchtigem Hinsehen recht ordentlich, wer genauer schaut, entdeckt billiges Hartplastik, langweilige Anzeigen, hausbackene Schalter und ein Durcheinander an Materialien.

DAS MUSS MAN WISSEN: Los geht die Preisliste mit 23.690 Euro. Dafür gibt es den C4 Aircross als Fronttriebler mit 118 PS starkem Benziner. Mit automatisch zuschaltenden Allradantrieb und dem von uns gefahrenen Dieselmotor ist man jedoch schnell bei happigen 30.000 Euro. Und mit dem 150-PS-Diesel wird es noch teurer. Den kaum schlechter ausgestattete Mitsubishi ASX dagegen gibt's ab 18.990 Euro. Wenn Peugeot den ebenfalls vom ASX abgeleiteten 4008 auf den Markt bringt, spreizt sich die Preisschere noch weiter, denn von Peugeot gibt es das Auto nur mit dem stärksten Motor und Allradantrieb.

DAS WERDEN WIR NICHT VERGESSEN: Die Frage nach dem Sinn des Autos, die sich einem auf jedem Kilometer der Testfahrt stellt. Der C4 Aircross ist kein schlechter Wagen. Er sieht gut aus, fährt ordentlich und ist mit vielen schicken Extras zu haben. Aber warum muss es unbedingt ein Citroën sein, wenn es das gleiche Auto für weniger Geld schon seit ein paar Jahren bei Mitsubishi gibt?

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