Autogramm Citroën DS3 Cabrio Himmel!

Manche Autos sind wie ein Essen beim Sternekoch: Es gibt nur kleine Portionen, aber was serviert wird, ist vom Feinsten. So ungefähr lautet das Rezept für das Citroën DS3 Cabrio - ein kleines Cabrio für den großen Auftritt.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Der erste Eindruck: "Wow!" denkt man, wenn man das Citroën DS3 Cabrio zum ersten Mal sieht. Genau das dürfte die erwünschte Reaktion sein, denn dieses Auto wurde designt, um zu beeindrucken. Mit bulliger, chromgeschmückter Frontpartie, kessen 17-Zoll-Felgen, unorthodoxen Linien. Und sobald man die Tür zum Einsteigen öffnet, erhellt ein LED-Licht in der Mitte des Windschutzscheibenrahmens die Armaturentafel, was den Blick auf diese ebenfalls fein zurechtgemachte Stelle des Wagens lenkt. Der Begriff Auto passt zum DS3 Cabrio eigentlich gar nicht richtig, Mobilitäts-Accessoire trifft es eher.

Das sagt der Hersteller: Seit drei Jahren verkauft Citroën den Kleinwagen DS3, mehr als 200.000 Exemplare wurden bereits abgesetzt. Nun soll die Cabrio-Variante das Interesse hochhalten. Der französische Hersteller behauptet, der Wagen sei "der einzige echte Fünfsitzer seines Segments" und biete zudem "den größten Kofferraum seiner Fahrzeugkategorie". Rein formal mag das zutreffen, in der Praxis jedoch ist das Humbug - dazu gleich mehr.

Das ist uns aufgefallen: Das raffinierte, detailverliebte Design des Kleinwagens verfehlt seine Wirkung nicht. Das Citroën-Cabrio wirkt aus allen Blickwinkeln frisch, modern und knackig. Und weil unser Testauto mit dem stärksten Benzinmotor des Angebots bestückt war, einem 1,6-Liter-Vierzylinder mit 156 PS, benahm er sich auch so. Logisch, dass ein derart kräftiges Aggregat ein 1250 Kilogramm schweres Fahrzeug ziemlich aufgeweckt bewegt. Garniert wird die drehfreudige Arbeit der vorne quer einbauten Maschine von herzhaftem Knurren. Immer wieder greift man zu den Tasten der elektrischen Fensterheber, weil man denkt, es steht noch eine Scheibe offen, so deutlich dringt der Motorsound nach drinnen.

Das kann allerdings auch am Stoffdach liegen, das vom deutschen Zulieferer Webasto stammt. Der DS3 ist ein klassisches Rolldach-Cabrio. Will heißen: Auf Knopfdruck fährt das Textilverdeck zwischen den seitlichen Dachholmen nach hinten. Es gibt drei Stellungen, halboffen, bis zur C-Säule, komplett offen. Bis das Verdeck die größtmögliche Öffnung freigegeben hat, vergehen 16 Sekunden. Dann allerdings sieht man durch den Innenspiegel nach hinten nichts mehr - außer die in Falten liegende Stoffbahn. Betätigt werden kann der Dachmechanismus bis zu einem Tempo von 120 km/h.

Sehr gut gefiel uns das Carbon-Imitat "Carbotech" auf dem Armaturenbrett, die gut geformten Sportsitze sowie das angenehme Raumgefühl auf den beiden vorderen Plätzen, das unter anderem dadurch entsteht, dass die Mittelkonsole eher klein und unscheinbar gestaltet ist und der Deckel des Handschuhfachs weit nach innen gebeult ist. Auch Menschen mit sehr langen Beinen finden also auf dem Beifahrersitz bequem Platz.

Beengt geht es im Fond zu, und als Fünfsitzer, so wie von Citroën behauptet, ist der Wagen nicht zu gebrauchen. Auch nicht, wenn hinten Kinder platziert werden, denn drei Kindersitze passen erst recht nicht ins Auto. Und das von Citroën gepriesene Kofferraumvolumen von 245 Liter kann nur dann genutzt werden, wenn man ausschließlich Pizzakartons transportieren möchte. Die kleine Heckklappe gibt nämlich nur einen knapp 28 Zentimeter hohen Schlitz frei. Getränkekisten müssen leider draußen bleiben.

Das muss man wissen: Das Citroën DS3 Cabrio steht seit einigen Wochen bei den deutschen Händlern zum Verkauf, der Preis für das Basismodell liegt bei 17.790 Euro, der von uns gefahrene Top-Benziner, den es nur in der Ausstattungsvariante "Sport Chic" gibt, kostet 23.810 Euro. Weil das Auto jedoch im Metallic-Farbton "Hickory-Braun" lackiert war, klettert der Listenpreis um 500 auf 24.310 Euro. Die Motorenpalette umfasst drei Benziner (82, 120, 156 PS) sowie einen Diesel (92 PS).

Woran es dem DS3 Cabrio hapert, sind moderne Spritsparsysteme. Es gibt eine Schaltanzeige im Cockpit, das war's dann auch schon. In den technischen Daten ist der Wagen mit dem 156-PS-Benziner mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,9 Liter je 100 Kilometer ausgewiesen, was einem CO2-Ausstoß von 137 Gramm je Kilometer entspricht. Tatsächlich nahm unser Testauto 8,3 Liter und blies entsprechend 192 Gramm CO2 nach draußen.

Das werden wir nicht vergessen: Selten trifft man auf einen Kleinwagen, der so bis in die hintersten Ecken durchgestylt ist wie dieser Citroën. Das Cockpit zum Beispiel gehört zu den schönsten, die aktuell angeboten werden. Und der Clou des Ganzen ist eine Art schwebende Überdachung, die aus der sonst oft düsteren Anzeigenhöhle einen luftigen, indirekt erhellten Blickfang macht.

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insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
teilzeitmutti 04.06.2013
1.
Angesichts des Preises muss ich mich doch wundern, wie schlecht die Verarbeitungsgüte dieses "Premium"-Modells ist (schlechtsitzende Kofferraumdichtung, unsauber eingepasste Abdeckungen im Bereich des Multifunktionsinstruments). Was ich allerdings am unverständlichsten finde: Warum bietet Citroen keine gute gestylten Xenon-Scheinwerfer an? Diese Halogenfunzeln sind ja nun wirklich häßlich.
christinahh 04.06.2013
2. für Großstadtbewohner weniger geeignet,
alles was länger als 3 m ist, geht bei micr nicht meh als Parklückentiger durch ...
casetool001 04.06.2013
3. Nix Cabrio
Erstaunlich was der Autor der Pander-Bär hier zum Besten gibt. Wie immer machen die Franzosen nicht halben und auch nicht ganzes. Ein Auto mit Rolldach wird hier Cabrio genannt und der Hersteller bekommt es einfach nicht mnit der Qualität hin. Bitte Herr Pander-Bär ein wenig objektiver
parsimony 04.06.2013
4. Weder Fisch noch Fleisch
Auf mich wirkt der Wagen leider eher verfehlt. Freizeitwert: Kein echtes Cabrio, kein Roadster-Feeling aber auch keine Rennsemmel. Trotzdem hoher Preis und hoher Verbrauch. Nutzwert: Defacto nur zwei Sitzplätze und in den Kofferraum geht nichtmal die sprichwörtliche Kiste Bier. Bleibt also Design und Style. Mir gefällt es nur leider nicht; weder Seitenlinie noch Innenraum und durch das Faltdach gewinnt die Optik auch nicht gerade. Dazu dann noch die Rundumsicht, die wohl auch schon bei geschlossenen Verdeck eher ungenügend ausfällt. Aber vielleicht stellt ja gerade diese Modellvariante für andere die eierlegende Wollmilchsau dar.
tutnet 04.06.2013
5. Tatsächlich 40% über Normverbrauch?
Liegt das am Fahrer, der die 156PS rauskitzeln wollte?
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