Steigende CO2-Emissionen Das Problem sind die Autofahrer

Schlecht fürs Klima: Statt zu sinken, steigt der CO2-Ausstoß von Autos wieder. Schuld ist die Dieselkrise. Und die Industrie, klar. Oder?
Autoliebe (Symbolbild)

Autoliebe (Symbolbild)

Foto: Getty Images/iStockphoto

Geht es um den Autokauf, scheinen die Deutschen Sieger der Vernunft zu sein. Bei den wichtigsten Kriterien bei einem neuen Wagen standen im vergangenen Jahr Zuverlässigkeit, Qualität, Kaufpreis und Kraftstoffverbrauch weit oben. Wenn die Deutschen so handeln würden wie sie denken, hätten die Städte kein Luft- und Abgasproblem.

Doch die Vorsätze halten nur wenige Kilometer. Spätestens mit Betreten des Autohauses setzt offenbar der Verstand aus. Umgeben von strahlendem Blech, gemütlichen Massagesitzen für Urlaubstouren oder ansprechenden 19-Zoll-Felgen können die Deutschen gar nicht genug vom Auto bekommen. Größer, schneller, protziger: Sie wählen den modischen SUV statt den Familienkombi, ordern komfortablen Schnickschnack wie Sitzheizung und Einparkhilfe statt sparsameren Motor.

Dafür gibt es jetzt die Quittung: Der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) ist im vergangenen Jahr um 0,4 auf 118,5 Gramm gestiegen. Besonders Deutschland registrierte Neuwagen mit hohen CO2-Werten. Ursache ist der gestiegene Verkauf von schweren SUV und Benzin-Modellen als Folge des Dieselskandals, um Fahrverboten in den Städten zu entgehen.

Sie haben die Wahl

Trotzdem sind sich viele Autofahrer sicher: Die Industriebosse sind schuld. Weil ihre Ingenieure bei den Abgaswerten manipulierten, wurden erstmals seit 2010 in der EU mehr Benziner als Diesel verkauft. Fahrzeuge mit Selbstzünder sind zwar meist sparsamer als Benziner, stoßen aber weniger CO2 aus. Dafür blasen sie mehr Stickoxid als Benziner in die Luft, das zu Atemwegserkrankungen führen kann. Doch selbst der CO2-Vorteil fällt irgendwann weg, wenn - wie aktuell - immer stärkere Dieselaggregate in größere Fahrzeuge verbaut werden.

Doch es wäre zu simpel, die Industrie und ihre Betrügereien allein verantwortlich zu machen. Nicht nur Konzernbosse sind das Problem, sondern Millionen von Gelegenheitsautofahrern oder Dauerpendlern. Kurz: (fast) alle!

Denn niemand wird gezwungen, sich zwischen einem gesundheitsschädlichen SUV oder einem klimaschädlichen SUV mit Benzinmotor zu entscheiden. Es gibt genug vernünftige Alternativen. Trotzdem ist weltweit jeder dritte Neuwagen ein SUV. Die beste Maßnahme, klima- und gesundheitsschädliche Abgase zu reduzieren, wären kleinere Autos, leichtere Autos, im besten Fall: weniger Autos, mehr Fahrrad- und Fußverkehr.

Das Problem wird nur verlagert

Laut der Forschungsgruppe Transport and Environment stößt der Durchschnitts-SUV 132 Gramm CO2 je Kilometer aus, auf 118 Gramm je Kilometer kommt ein vergleichbarer Mittelklassewagen. Allein der Anstieg des Gewichts der Autos um 124 Kilo von 2000 bis 2016 ließ die Emissionen im Schnitt um zehn Gramm je Kilometer steigen. Im Umkehrschluss ließe sich extrem viel sparen, wenn Mittel-, Kompakt- und Kleinwagen auf Allradantrieb und unnötige Höherlegung verzichten.

Stattdessen befeuert die Autoindustrie den Wunsch der Kunden nach neuen SUV-Modellen und feiert diese als ökologisch, wenn statt eines Verbrennungsmotors ein E-Motor unter der Haube arbeitet. Tatsächlich verlagert sie damit nur das CO2-Problem - von der Straße zu den Kohlekraftwerken.

Und trotzdem werden die meisten Hersteller die schärferen CO2-Vorgaben der EU von 2021 an erfüllen. Nicht etwa, weil ihre gesamte Flotte nur noch auf sparsame Fahrzeuge setzt. Ihre positive Ökobilanz basiert auf einem Rechentrick: Modelle mit E-Motor an Bord hübschen die Bilanz auf, weil sie für die Hersteller vorteilhaft angerechnet werden. Das hilft nur dem grünen Gewissen, nicht aber der Umwelt.