Energiebilanz CO2-Emissionen durch SUV steigen stärker als durch Luftfahrt und Schwerindustrie

Ein SUV verbraucht mehr Sprit als ein vergleichbarer Pkw - wie viel mehr, zeigen nun Zahlen der Internationalen Energieagentur. So haben die Geländewagen einen enormen Anteil am weltweiten CO2-Anstieg.

Hohe Sitzposition, hoher Verbrauch: Die steigende Anzahl SUV sorgt für steigende CO2-Emissionen
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Hohe Sitzposition, hoher Verbrauch: Die steigende Anzahl SUV sorgt für steigende CO2-Emissionen


SUV (Sport Utility Vehicle) liegen im Trend - langfristig könnte das gravierende Folgen für den Planeten haben. Denn die höheren und schwereren Fahrzeuge verbrauchen deutlich mehr Sprit und stoßen mehr CO2 aus als ein vergleichbarer Pkw. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) stiegen die CO2-Emissionen der weltweiten SUV-Flotte seit 2010 um 0,55 Gigatonnen auf rund 0,7 Gigatonnen. Damit leisteten die Pseudogeländewagen den zweitgrößten Beitrag zum Anstieg der weltweiten CO2-Emissionen seit 2010, nur der Ausstoß des Energiesektors stieg in diesem Zeitraum noch stärker an.

Das liegt am Erfolg der SUV, sie verkaufen sich besser als alle anderen Autos. Ihr Anteil an den verkauften Autos steigt seit 2010 stetig an, von 17 Prozent auf stolze 39 Prozent im Jahr 2018. In den USA war im vergangenen Jahr sogar jedes zweite verkaufte Auto ein SUV. Weltweit gibt es der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge mittlerweile 200 Millionen SUV, 2010 waren es noch 35 Millionen.

Damit stiegen die Emissionen der SUV stärker als die der Schwerindustrie, aber auch die der Luftfahrt und des Schiffsverkehrs. Dabei wurden sämtliche Wirtschaftsbereiche, die Energie verbrauchen, mit einbezogen, durch Landnutzung freigesetztes CO2 ist jedoch nicht Teil dieser Berechnungen. Besonders gravierend ist der Anstieg der CO2-Emissionen jedoch im Vergleich mit den übrigen Verbrenner-Pkw. Deren Anzahl stieg von 2010 bis 2018 nach IEA-Angaben zwar von 822 Millionen auf 952 Millionen, durch effizientere Motoren sparten sie seit 2010 jedoch zwei Millionen Barrel Öl ein - jeden Tag.

SUV könn ten 150 Millionen E-Autos wirkungslos machen

Diesen Effizienzgewinn verpulverten den IEA-Daten zufolge jedoch die neuen SUV, denn sie waren demnach für den gesamten, um 3,3 Millionen Barrel am Tag gestiegenen Ölbedarf von Autos in den Jahren 2010 bis 2018 verantwortlich, während die Verbräuche aller anderen Fahrzeugtypen im gleichen Zeitraum sanken.

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Der IEA zufolge liegt der Energieverbrauch eines SUV rund 25 Prozent über dem eines mittelgroßen Pkw, was sie auch langfristig zum Hindernis bei der Reduktion der CO2-Emissionen machen könnte. Denn falls der Trend zum Pseudogeländewagen so weitergehe, würde er nach IEA-Angaben nicht nur den globalen Ölbedarf bis 2040 um rund zwei Millionen Barrel am Tag steigern - er würde auch die CO2-Einsparungen durch rund 150 Millionen Elektroautos wirkungslos machen.

ene

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insgesamt 383 Beiträge
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thequickeningishappening 17.10.2019
1. Da hilft nur
Kleine Autos und Kita back to Mami. 4.0 braucht weniger Jobs. Weniger arbeiten. Mehr Zeit für's Kind und weniger CO2 !
rosinenzuechterin 17.10.2019
2. Grenzwert real einhalten, zur Not mit Tempolimit
Ob SUV oder nicht: Entscheidend ist der Verbrauch eines Autos. Es gibt unter den Nicht-SUVs ja auch genug schwarze Schafe und kleine SUVs sind durchaus mit kleinen Spritmengen fahrbar. Ich plädiere für ein verbrauchs- bzw. vom CO2-Ausstoß abhängiges Tempolimit: Jedes Fahrzeug darf nur noch so schnell fahren, dass es maximal 95 g/km ausstößt. Wer das eben nur bei 80 km /h schafft, darf eben nur max. 80 km/h fahren. Wer unbedingt einen Geländewagen braucht, soll ihn haben, dann aber eben etwas langsamer unterwegs sein. Jäger und Förster haben sicher kein Problem, mit lediglich 80 km/h gen Wald und Wiese zu fahren. Auf der Autobahn hätte sich die Panzerschwemme dann aber schnell erledigt.
bstendig 17.10.2019
3. Was für eine genale Statistik
Hier bewahrheitet sich wieder: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Wie ist denn SUV definiert? Reden wir von den amerikanischen V8-Schüsseln oder von einem Golf mit etwas höherer Bodenfreiheit und etwas höherer Sitzpositiion? In letzterem Fall kann ich mir das nicht ganz vorstellen. Nach meinen Erfahrungen ist bei identischer Motorisierung und bei deutschem Durchschnittstempo der Verbrauh nur minimal höher als beim entsprechenden "normalen" PKW. Anders sieht es bei den 2,5 Tonnen - 500 PS Monstern aus. Vornehmlich in USA ein Problem, unter Ford F150 oder Chevy Suburban ist ja alles ein Kleinwagen und wird somit nicht gekauft. Die Statistik ist etwa so relevant wir "Nachts werden mehr Bananen gegessen als nachmnittags Birnen"
Ehrlicher1 17.10.2019
4.
Uuuuii...Da bin ich aber überrascht. Ich habe von vielen Deutschen immer gehört, "es bringt doch nichts für das Klima, wenn ich nicht mehr SUV fahre". Also doch nicht so unbedeutend der deutsche Rausch für dicke Autos?
r.pfeilsticker 17.10.2019
5. Tempo 80 für den SUV
So einfach ist das, dann stoßen sie nicht mehr CO2 als normale PKW bei normalem Tempo aus...
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