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19. Februar 2010, 05:58 Uhr

Coole Räder für 2010

Fahr die Fixies

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Es gibt Fahrräder, die sind praktisch. Und es gibt welche, die fallen auf: Goldnabe, Zahnriemen-Antrieb, Retro-Look - die Hersteller haben für 2010 reichlich Gimmicks im Programm. SPIEGEL ONLINE stellt zehn Bikes für einen stilvollen Auftritt vor.

Puristen werden es lächerlich finden, aber Fahrräder sind für manchen längst Teil der Selbstinszenierung. Zeige mir dein Fahrrad, ich sage dir, wer du bist. Den Anfang haben die Rennradfahrer und Mountainbiker gemacht. Sie fokussierten sich vor allem auf die Technik: Karbonrahmen, ultraleichte Felgen, High-End-Gruppen - die Aufrüstung auf der Straße und im Gelände ist unübersehbar.

Doch auch mancher Radler, der eigentlich nur von A nach B fahren will, ohne sich mit Rahmensteifigkeit und anaeroben Zonen zu beschäftigen, entdeckt das Fahrrad als Statussymbol. Dabei mischen die Hersteller natürlich kräftig mit. Für 2010 haben sie zwar das Rad nicht völlig neu erfunden - aber bestehende Konzepte und Designs auf spannende Weise weiterentwickelt und miteinander kombiniert.

Ein wichtiger Trend, vor allem in der Stadt, bleiben die sogenannten Fixies - eine vom Bahnradsport kommende Konstruktion. Diese Räder haben nur einen einzigen Gang und zudem keinen Freilauf. Die ganz Verrückten verzichten sogar auf Bremsen. Davon muss jedoch dringend abgeraten werden. Radkuriere schätzen Fixies, weil der Verschleiß gering ist, aber natürlich auch, weil das reduzierte Design einfach cool aussieht.

Dominant ist auch der Retro-Trend. Manches Gefährt kommt einem vor, als hätte es die vergangenen 50 Jahre im Firmenmuseum gestanden. Nur der Nabendynamo oder eine raffinierte Schaltung verraten, dass es sich um ein modernes Fahrrad handelt.

Mit welchem neuen Rad können Sie 2010 eine gute Figur machen? Hier geht's zu zehn Modellen, mit denen Sie garantiert auffallen:

Felt Gridlock - das edle Trixie

Wie soll man diesen 9,3 Kilogramm leichten Traum in Rot, Gold und Braun nennen? Vielleicht Trixie? Das Felt Gridlock sieht zwar aus wie ein Fixie, im Hinterrad steckt jedoch eine Dreigangnabe von Sturmer Archer. Weil diese auf einen Freilauf verzichtet, drehen die Kurbeln immer mit - genau wie bei einem richtigen Bahnrad. Witzig: Überall am Rad sind gold eloxierte Teile verbaut - und sogar die Laufflächen sind golden.

Preis: 1000 Euro

Diamant Topas - Design von 1912

Die sächsische Traditionsmarke Diamant feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen und hat dazu auch das passende Modell im Programm: das Topas 125. Der klassische Schwanenhalsrahmen aus Aluminium folgt laut Hersteller einer Geometrie von 1912. Cremefarbene Reifen, ein riesiger Chromscheinwerfer und ein stahlgefederter Ledersattel machen den Retro-Look perfekt. Trotzdem steckt in dem Rad moderne Technik: vorn ein Nabendynamo und hinten die Acht-Gang-Nabensschaltung Shimano Nexus.

Preis: 800 Euro

Cannondale Hooligan - Platz da!

Wer BMX-Räder cool findet, aber nicht das Gefühl haben will, auf dem Fahrrad des kleinen Neffen zu sitzen, sollte vielleicht zum Cannondale Hooligan greifen. Der Name ist unter Händlern umstritten, aber Cannondale hat den weißen Flitzer nun schon seit zwei Jahren im Programm. In der 2010er Version steckt erstmals eine einarmige Vorderradgabel, welche die US-Firma auch in vielen ihrer Mountainbikes verbaut. Mit der Dreigangkettenschaltung von Sram sollte man zumindest in der Stadt gut vorankommen.

Preis: 800 Euro

Axiom Kurier Gold - das Nobelfixie

Weiß und Gold - mehr braucht man nicht für dieses schicke Fixie der kleinen Hamburger Radschmiede Axiom Bikes. Wie häufig machen auch hier Details wie das golden eloxierte Sitzrohr den Unterschied. Wem das ständige Mittreten zu viel wird, der montiert das Hinterrad einfach anders herum. Die eingebaute Flipflop-Nabe von Miche hat nämlich auf beiden Seiten je einen Kranz - einer mit und einer ohne Freilauf. 8,2 Kilogramm bringt das Modell Kurier auf die Waage, die Gabel mit Aluschaft ist aus Karbon.

Preis: 1200 Euro

Winora town - flotter Elektroflitzer

Noch haftet E-Bikes das Image von Reha-Fahrrädern an - aber mit Modellen wie dem town exp von Winora könnte sich das ändern. Der Flitzer mit 20-Zoll-Reifen ist mit einem Pedelec-Antrieb ausgerüstet, der zusätzliche elektrische Kraft auf das Hinterrad bringt, sobald man selbst tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h schaltet der Zusatzantrieb ab, ansonsten bräuchte das Rad eine extra Haftpflichtversicherung und ein Kennzeichen. Das E-Bike wiegt 25 Kilo ist mit 9-Gang-Kettenschaltung und Scheibenbremsen ausgerüstet. Der Hersteller gibt die Reichweite mit circa 90 Kilometern an.

Preis: 2200 Euro

Bergamont Trackbike - Schlichte Eleganz

Ein schlanker, gemuffter Stahlrahmen in klassischem Design - viel mehr braucht das Trackbike von Bergamont nicht, um die Anleihen beim Bahnrad klar zu machen. Auch hier hat der Hersteller Ledergriffe montiert, der schmale Ledersattel kommt von Brooks. Der Lenker ist wie bei Fixies üblich schmal, daran muss man sich als Durchschnittsradler erst gewöhnen. Dank Flipflop-Nabe kann das knapp zehn Kilogramm schwere Retro-Bike auch mit Freilauf gefahren werden.

Preis: 900 Euro

Pearl Art Line - mustergültig auf Speed

Schon seit längerem setzt Pearl Cycles aus Hamburg auf individuelle Lackierung: Mit einem Farbkonfigurator auf der Web-Seite kann jeder sein Rad so designen, wie es ihm gefällt. Nun geht Firmenchef Roger Tanner noch einen Schritt weiter: Ab Mai will er eine sogenannte Art Line mit vier bis fünf verschiedenen zweifarbigen Mustern anbieten. Ein Airbrusher übernimmt die aufwendige Lackierung des Karbonrahmens.

Preis: ab 3000 Euro (je nach Ausstattung)

Specialized Globe Live - Nostalgie in weiß

Cityräder sehen oft ziemlich dröge aus - nicht so das Modell Globe Live von Specialized. Bis zu 25 Kilogramm fasst der Transportkorb mit Holzboden. Zum Retro-Design gehören natürlich auch Reifen, Griffe und Sattel in weiß. Zügiges, sicheres Fahren sollte dank 8-Gang-Nabenschaltung (Shimano Alfine) und Scheibenbremsen vorn und hinten kein Problem sein. Das Top-Modell Live 3 fährt mit wartungsarmem Riemenantrieb, bei Live 2 kommt die klassische Kette zum Einsatz.

Preis: 900 Euro (Live 2), 1400 Euro (Live 3)

Trek District - klassische Moderne

Das Fixie von Trek kombiniert Retro und Moderne. Auf der einen Seite die auffälligen Hochprofilfelgen und der Zahnriemenantrieb, auf der anderen Seite die nostalgische Farbkombination oliv und braun. Griffe und Sattel aus Leder verstehen sich beim District von selbst. Die Reifen mit weißer Lauffläche sehen hübsch aus - allerdings nur, solange das Bike nicht gefahren wird.

Preis: 900 Euro

MTB Cycletech Jalopy - Eleganz auf 29 Zoll

Jalopy lautet die etwas altmodische englische Bezeichnung für ein betagtes Auto. Das gleichnamige Bike der Schweizer Firma MTB Cycletech ist natürlich alles andere als betagt - allerdings sind gewisse Anleihen bei den ersten Mountainbikes unübersehbar: filigraner Stahlrahmen, starre Gabel und klare Linienführung. Bei einem so schlichten Design würde eine Kettenschaltung wohl nur stören - und so steckt im Hinterrad allerhöchstens eine Nabenschaltung (Shimano Alfine). Weitere technische Schmankerl: lautloser Zahnriemenantrieb, Scheibenbremsen und Big-Apple-Reifen in 29 Zoll.

Preis: 1200 Euro (Single Speed), 1400 Euro (3-Gang), 1700 Euro (8-Gang)

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