Copenhagenize-Index 2019 Bremen ist Deutschlands fahrradfreundlichste Stadt

Alle zwei Jahre ermittelt der Copenhagenize-Index die radfreundlichsten Städte der Welt. An der Spitze steht, Überraschung, Kopenhagen. Eine deutsche Stadt muss sich dagegen aus der Weltspitze verabschieden.

Radfahrer am Ostertor in Bremen
Hoch Zwei Stock/ Angerer/ imago images

Radfahrer am Ostertor in Bremen


Kopenhagen, Amsterdam und Utrecht: Das sind dem Copenhagenize-Index zufolge die Fahrradhauptstädte der Welt - und zwar beinahe im Abo. Denn die drei Städte belegen seit 2013 in wechselnder Position die ersten drei Plätze des alle zwei Jahre erscheinenden Index. Beste deutsche Stadt der Rangliste: Bremen - auf Platz elf. Und das, obwohl die Hansestadt es zuvor noch nie in die Top 20 der Welt geschafft hat.

Vor allem der mit 25 Prozent hohe Anteil des Fahrrads am sogenannten Modal Split, der Verteilung des Verkehrsaufkommens auf die verschiedenen Verkehrsmittel, sowie die wachsende Anzahl vom Autoverkehr getrennter Radwege brachten Bremen eine Wertung von 58,9 Prozent und somit den elften Platz. Spitzenreiter Kopenhagen kam auf einen Wert von 90,2 Prozent.

München ist aus dem Fahrrad-Oberhaus abgestiegen

Bremen konnte damit das Ergebnis als Deutschlands fahrradfreundlichste Großstadt aus dem ADFC-Fahrradklima-Test wiederholen. Es landeten allerdings noch zwei weitere deutsche Städte unter den besten 20, Berlin belegte mit einer Wertung von 56,3 Prozent Rang 15, im Vergleich zur vorigen Auswertung fiel die Hauptstadt jedoch um fünf Plätze zurück. Auch Hamburg fiel im Vergleich zum 2017er-Index zurück und belegt nun statt des 17. nur noch den 20. Platz.

Mit Ausnahme Bremens setzten deutsche Städte damit einen stetigen Abwärtstrend fort. So lag Berlin im ersten Copenhagenize-Index aus dem Jahr 2011 noch auf dem vierten Rang, während Hamburg nach einem elften Platz in jenem Jahr in den darauffolgenden Indizes nur noch am unteren Ende des Tableaus zu finden ist. Besonders schlecht lief es jedoch für München. Die selbsternannte "Radlhauptstadt" belegt im Jahr 2011 noch einen guten sechsten Rang, wurde in den Folgejahren jedoch nach hinten durchgereicht und flog 2019 endgültig aus den Top 20.

Hamburg muss Autofahrern Platz nehmen

Deutsche Städte - mit Ausnahme von Bremen - schneiden vor allem aus zwei Gründen schlechter ab: Einmal setzen immer mehr Großstädte weltweit auf das Fahrrad und verschärfen den Wettbewerb, so sind mit Taipeh, Bogotá, Bremen und Vancouver gleich vier Neulinge unter den besten 20, während Städte wie Oslo massiv in den Radverkehr investieren und so Plätze gutmachen.

Im Video: Verkehrswende in Utrecht

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Gleichzeitig verbessern den Autoren zufolge Hamburg und Berlin die Infrastruktur zu wenig. So seien der Volksentscheid Fahrrad in Berlin sowie mehr Fahrradstellplätze und Bikesharing in Hamburg zwar grundsätzlich gut. Die zeitliche Umsetzung der Pläne in Berlin sei aber zu vage - und in Hamburg gebe es schlicht und einfach zu wenig Fahrradwege. Früher oder später müsse die Stadt Autofahrern Platz wegnehmen, um das Radwegnetz auszubauen.

Der Index, der vom dänischen Planungsunternehmen Copenhagenize erstellt wird, bewertet mehr als 600 Groß- und Hauptstädte weltweit anhand ihrer Fahrradfreundlichkeit. Städte, in denen der Radverkehr mindestens zwei Prozent des Modal Split ausmacht, kommen in eine Endauswahl. Die übriggebliebenen Städte erhalten anschließend null bis vier Punkte in verschiedenen Kategorien. Bewertet werden unter anderem die Radinfrastruktur, ein besonders hoher oder stark steigender Radverkehrsanteil sowie Politik und Stadtplanung. Am Ende bleiben die 20 fahrradfreundlichsten Städte übrig.

ene

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insgesamt 161 Beiträge
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dummzeuch 04.07.2019
1. "zurückfallen" in der Reihenfolge
... ist doch sowas von egal. Natürlich fällt eine Stadt auf eine schlechtere Position, wenn anders Städte besser werden. Aber deshalb ist sie doch nicht schlechter geworden! Vergleichen kann man im zeitlichen Verlauf sinnvoll nur den Index-Wert selbst, der wiederum wird im Artikel nur nebenbei mal erwähnt. Ist also z.B. München wirklich schlechter geworden, oder sind nur andere Städte besser geworden? Aus dem Artikel erfahren wir das nicht.
Wagrier 04.07.2019
2. Glückwunsch
Glückwunsch liebes Bremen, immerhin in einer Sache Top. Die Fahrradfreundlichkeit wird unter Rot-Grün-Rot sicher noch weiter ausgebaut.
Ottokar 04.07.2019
3. Immerhin etwas
und nicht immer das Schlusslicht bei wirklich wichtigen Themen.
philemajo 04.07.2019
4. Wo ist die Grenze?!?
Utrecht hat nur geringfügig mehr Einwohner als Münster/Westf. Das findet hier indes gar keine Erwähnung. Es wäre schön, wenn die Kriterien für die Auswahl auch beschrieben würden...
Strandvej 04.07.2019
5. Drei Radfahrbrücken
Und es geht weiter. Die Stadt, die ja durch die Weser in zwei Teile getrennt am Strom liegt, soll drei Fahrradbrücken bekommen. Lange Wege mit dem Auto über eine dieser großen Brücken könnten somit entfallen. Man wird dann an mehreren Stellen direkt über die Weser können und noch mehr das Rad einsetzen.
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