Coupé-Duell: VW Scirocco - Renault Mégane Rivalen mit Fließheck

2. Teil: Coupé-Duell, zweiter Teil


Im Prinzip sind kompakte Coupés eher unvernünftig und dazu noch unpraktischer als die dreitürigen Varianten der höher bauenden Standardmodelle. Was jedoch die Motoren betrifft, da ist das Angebot zufriedenstellend. Bei VW gibt es neben den drei Benzinern von 122 bis 200 PS auch zwei Dieselmaschinen mit 140 und 170 PS. Und auch Renault liefert neben den beiden Otto-Motoren mit 110 oder 180 PS zwei Selbstzünder-Varianten, die 106 oder 130 PS leisten.

Für das deutsch-französische Duell hat SPIEGEL ONLINE die Diesel aus der goldenen Mitte verglichen: Der 140 PS starke TDI mit zwei Litern Hubraum aus Wolfsburg fährt gegen den 1,9-Liter-dCi mit 130 PS aus Paris. Beide Motoren haben ordentlich Dampf und überzeugen bei maximal 300 Nm (Renault) und 320 Nm (VW) mit einem kräftigen Antritt. Beim Spurt an der Ampel oder auf der Autobahnauffahrt fehlt den Ohren zwar der Beat des Benziners, doch für einen kleinen Adrenalinschub reichen die Sprintwerte knapp jenseits von neun Sekunden auf jeden Fall.

Auch wenn der Renault-Motor nominell weniger Leistung hat, hält er auf der Straße locker mit. Der Mégane wirkt sogar auf den ersten Metern spritziger und giftiger, und einen Tick schneller ist er obendrein. Nur beim Überholen im Landstrassentempo hat der Scirocco den brauchbareren Biss. Außerdem können VW-Fahrer den Fahrspaß per Doppelkupplungsgetriebe DSG (Aufpreis 1 775 Euro) steigern, während bei Renault nicht mal eine konventionelle Automatik angeboten wird. Wer die beiden Großseriensportler zügig bewegt, zahlt beim Tanken sozusagen Vergnügungssteuer: Laut offiziellem Wert liegen Mégane und Scirocco mit jeweils 5,1 Litern gleichauf. Nach dem Test allerdings zeigte der Bordcomputer des VW einen Durchschnittsverbrauch von 6,9 und des Renault sogar 8,0 Liter.

Der Motor ist jedoch nur die halbe Miete. Den Rest muss das Fahrwerk beitragen. Das ist beim Mégane Coupé überraschend gut gelungen, so dass der Wagen mit viel Präzision am Lenkrad und kurzen Federwegen glänzt und deshalb ordentlich um die Ecken fegt. Aber an den Scirocco kommt er dennoch nicht heran. Das in Portugal gebaute Auto gibt den kleinen Sportwagen, der sich beinahe mit dem kleinen Finger auf der Ideallinie halten lässt. Außerdem kann man - anders als beim Mégane - auf Knopfdruck das Fahrwerk verändern. Natürlich nur gegen Aufpreis, das DCC-System kostet 925 Euro extra.

Dann sorgen variable Dämpfer und eine spürbar veränderte Lenkunterstützung für eine größere Spreizung des Fahreindrucks. Der Scirocco gibt dann je nach Wunsch den komfortablen Gleiter oder den bissigen Feger. Der Mégane hingegen muss es mit einer Einstellung allen recht machen - liefert allerdings einen guten Kompromiss.

Einen weiteren Unterschied zeigt die Preisliste. Mit einigermaßen vergleichbarer Ausstattung für Sicherheit und Komfort - beginnt sie beim Scirocco mit 21.750 Euro für einen 122 PS-Benziner und beim Mégane mit 19.300 Euro für einen Otto-Motor mit 110 PS. Die Diesel-Varianten aus dem SPIEGEL-ONLINE-Test kosten 25.375 (VW Scirocco) und 23.050 Euro (Renault Mégane Coupé). Damit ist der VW rund 2000 Euro teurer als der Konkurrenten, der obendrein ein wenig alltagstauglicher ist. Der Scirocco allerdings kommt dem Ideal vom kompakten Sportler näher. Wer nicht aufs Geld schauen muss und ohnehin meist allein oder zu zweit unterwegs ist, trifft mit dem Scirocco wohl die bessere Wahl.



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