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26. Juni 2009, 12:17 Uhr

Coupé-Duell: VW Scirocco - Renault Mégane

Rivalen mit Fließheck

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Praktisch und preiswert - das sind die Top-Kriterien in der Kompaktklasse. Aber auch im nüchternsten Segment des Marktes ist Raum für etwas Leidenschaft. Den beanspruchen etwa der VW Scirocco oder das Renault Mégane Coupé. SPIEGEL ONLINE vergleicht die Breitensportler.

VW Golf und Renault Mégane - mit diesen Autos wollen es die Marktführer auf beiden Seiten des Rheins möglichst allen Kunden recht machen: Familien, Firmenfahrer, gut situierte Studenten oder rationale Rentner. Derart auf Mittelmaß getrimmt, sind die Konkurrenten in der aktuellsten Auflage beinahe Musterschüler geworden. Damit der Pepp nicht völlig verloren geht, stellen VW und Renault den Standardmodellen allerdings noch je ein knackiges Coupé zur Seite: den VW Scirocco und das Renault Mégane Coupé. Welcher Flitzer die Kühlerspitze vorn hat, klärt der Vergleichtest von SPIEGEL ONLINE.

Schon im Stand wirken beide Kandidaten flott und sportlich. Dafür sorgen die Keilform, die zu Schlitzen geschrumpften Scheinwerfer und die kräftigen Hüften an den Hinterrädern. VW würzt das Ganze mit einem steilen Abschluss, Renault dagegen lässt den Mégane sanft ausschwingen. Und beide Modelle brechen stilistisch mit den Vorgängern. Für den VW ist das ein Nachteil, für den Renault ein Segen: Mit dem alten Scirocco hat das aktuelle Auto bis auf den Namen nichts mehr gemein, klagen viele Fans und sehnen die alten Kanten zurück; dagegen freut sich die Renault-Riege über die Styling-Kehrtwende, die statt knotiger Karosserien nun weiche Linien bevorzugt.

Unterschiedliche Wege gehen VW und Renault vor allem im Innenraum. Die Niedersachsen geben sich klassisch und sportlich, montieren konventionelle Rundinstrumente, stramme Sitze und schmücken den Scirocco mit Haltegriffen, einem kurzen Schaltstummel sowie einem unten abgeflachten Sportlenkrad. Der geschärfte Mégane dagegen gibt sich verspielter. Der Tacho ist eine digitale Spielwiese, die Sitze sind deutlich weicher gepolstert, und auf Sportattribute an Lenkrad oder Schaltknauf verzichteten die Renault-Stilisten ebenfalls. Ganz gleich ob man es lieber klassisch-sportlich oder modern und bequem mag: An die Qualitätsanmutung des Scirocco kommt der Mégane nicht heran, obwohl der Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger beachtlich ist.

In beiden Autos geht die Form allerdings zu Lasten der Funktion. Hinten sitzt man zwar besser als gedacht, denn wer erst einmal an den vorderen Sitzen vorbei geklettert ist, findet im Fond durchaus genug Platz für Kopf und Knie. Doch die Passagiere in Reihe zwei reisen praktisch blind - denn viel sehen kann man durch die mickrigen Seitenfenster nicht. Das Schicksal teilen die Passagiere mit dem Fahrer, wenn er nach hinten blicken muss: Beim Rangieren ist ein gutes Raumgefühl gefragt - oder man muss sich auf das Piepen der Einparkhilfe verlassen. Der Blick in den Rückspiegel jedenfalls ist im Scirocco gar keine und im Mégane eine nur geringe Hilfe.

Auch der Kofferraum beider Modelle ist beinahe eine Frechheit. Dabei ist das Volumen von 312 Liter (VW Scirocco) und sogar 377 Liter (Renault Mégane Coupé) noch ganz ordentlich, doch muss man Tüten und Taschen beim Einladen mühsam über eine mehr als hüfthohe Brüstung wuchten. Und beim Ausladen wischt man mit der Hose beinahe zwangsweise die Stoßfänger sauber. Immerhin: Wer mehr Platz benötigt, kann in beiden Typen die Rücksitzlehnen umlegen und auch längeres Ladegut mitnehmen. Beim Renault lässt sich übrigens die Heckklappe mit einem eigenen Griff vom Cockpit aus öffnen, und die kleinen Staufächer im Fußraum von Fahrer und Beifahrer sind ziemlich praktisch.

Coupé-Duell, zweiter Teil

Im Prinzip sind kompakte Coupés eher unvernünftig und dazu noch unpraktischer als die dreitürigen Varianten der höher bauenden Standardmodelle. Was jedoch die Motoren betrifft, da ist das Angebot zufriedenstellend. Bei VW gibt es neben den drei Benzinern von 122 bis 200 PS auch zwei Dieselmaschinen mit 140 und 170 PS. Und auch Renault liefert neben den beiden Otto-Motoren mit 110 oder 180 PS zwei Selbstzünder-Varianten, die 106 oder 130 PS leisten.

Für das deutsch-französische Duell hat SPIEGEL ONLINE die Diesel aus der goldenen Mitte verglichen: Der 140 PS starke TDI mit zwei Litern Hubraum aus Wolfsburg fährt gegen den 1,9-Liter-dCi mit 130 PS aus Paris. Beide Motoren haben ordentlich Dampf und überzeugen bei maximal 300 Nm (Renault) und 320 Nm (VW) mit einem kräftigen Antritt. Beim Spurt an der Ampel oder auf der Autobahnauffahrt fehlt den Ohren zwar der Beat des Benziners, doch für einen kleinen Adrenalinschub reichen die Sprintwerte knapp jenseits von neun Sekunden auf jeden Fall.

Auch wenn der Renault-Motor nominell weniger Leistung hat, hält er auf der Straße locker mit. Der Mégane wirkt sogar auf den ersten Metern spritziger und giftiger, und einen Tick schneller ist er obendrein. Nur beim Überholen im Landstrassentempo hat der Scirocco den brauchbareren Biss. Außerdem können VW-Fahrer den Fahrspaß per Doppelkupplungsgetriebe DSG (Aufpreis 1 775 Euro) steigern, während bei Renault nicht mal eine konventionelle Automatik angeboten wird. Wer die beiden Großseriensportler zügig bewegt, zahlt beim Tanken sozusagen Vergnügungssteuer: Laut offiziellem Wert liegen Mégane und Scirocco mit jeweils 5,1 Litern gleichauf. Nach dem Test allerdings zeigte der Bordcomputer des VW einen Durchschnittsverbrauch von 6,9 und des Renault sogar 8,0 Liter.

Der Motor ist jedoch nur die halbe Miete. Den Rest muss das Fahrwerk beitragen. Das ist beim Mégane Coupé überraschend gut gelungen, so dass der Wagen mit viel Präzision am Lenkrad und kurzen Federwegen glänzt und deshalb ordentlich um die Ecken fegt. Aber an den Scirocco kommt er dennoch nicht heran. Das in Portugal gebaute Auto gibt den kleinen Sportwagen, der sich beinahe mit dem kleinen Finger auf der Ideallinie halten lässt. Außerdem kann man - anders als beim Mégane - auf Knopfdruck das Fahrwerk verändern. Natürlich nur gegen Aufpreis, das DCC-System kostet 925 Euro extra.

Dann sorgen variable Dämpfer und eine spürbar veränderte Lenkunterstützung für eine größere Spreizung des Fahreindrucks. Der Scirocco gibt dann je nach Wunsch den komfortablen Gleiter oder den bissigen Feger. Der Mégane hingegen muss es mit einer Einstellung allen recht machen - liefert allerdings einen guten Kompromiss.

Einen weiteren Unterschied zeigt die Preisliste. Mit einigermaßen vergleichbarer Ausstattung für Sicherheit und Komfort - beginnt sie beim Scirocco mit 21.750 Euro für einen 122 PS-Benziner und beim Mégane mit 19.300 Euro für einen Otto-Motor mit 110 PS. Die Diesel-Varianten aus dem SPIEGEL-ONLINE-Test kosten 25.375 (VW Scirocco) und 23.050 Euro (Renault Mégane Coupé). Damit ist der VW rund 2000 Euro teurer als der Konkurrenten, der obendrein ein wenig alltagstauglicher ist. Der Scirocco allerdings kommt dem Ideal vom kompakten Sportler näher. Wer nicht aufs Geld schauen muss und ohnehin meist allein oder zu zweit unterwegs ist, trifft mit dem Scirocco wohl die bessere Wahl.

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