Crossover aus Coupé und SUV Schnittig querfeldein

Der Megatrend Crossover macht vor keinem Segment halt. Nun führt er sogar Coupé und Geländewagen zusammen. Bei BMW redet man schon seit Jahren von so einem Auto, Fiat zeigt jetzt eine entsprechende Studie, und Ssangyong bringt das Konzept bereits in Serie an.


Die Phantasie von Automobildesignern und Marketingstrategen ist scheinbar unbegrenzt. Weil alle Welt vom Crossover spricht, kreuzen sie auf der Suche nach immer neuen Nischen diverse Fahrzeuggattungen untereinander und machen dabei selbst vor offensichtlichen Widersprüchen nicht halt. Ähnlich wie manche Köche Braten mit Schokoladensoße auftischen, führen sie nun die Idee des eleganten Coupés mit der Vorstellung vom derzeit ach so modernen Sport Utility Vehicle zusammen.

Was dabei herauskommt, sind hochbeinige Allradsportler, die je nach individueller Überzeugung bald das Straßenbild auflockern oder am besten gleich wieder in der Versenkung verschwinden sollten.

Die lauteste Trommel für die Idee schlägt man bei BMW, wo schon seit mehreren Jahren neben dem ominösen "raumfunktionalen Konzept" auch von einem sportlichen Coupé mit Allradantrieb gesprochen wird, das allerdings nicht zwei, sondern ähnlich wie der Mercedes CLS, vier Türen bekommen dürfte. Zwar gibt es immer mal wieder Phantomzeichnungen, und auch den Namen X6 bekam das Auto von der Fachpresse bereits in die Wiege gelegt. Doch BMW hält sich bei diesem Thema bedeckt. "Ja, so ein Auto können wir uns gut vorstellen", ist sinngemäß der einzige Kommentar, den man auf Nachfragen erhält. Allerdings lohnt der Blick in die Vergangenheit: Schließlich haben die Bayern vor fünf Jahren mit dem X Coupé eine Studie enthüllt, die zumindest eine Idee von dem vermittelt, wie solch ein Fahrzeug aussehen könnte – wenngleich das Showcar der stilistische Vorbote von Z4 und 1er war.

Dass die Idee vom Allradcoupé keine rein bayerische Eigenheit ist, zeigt in diesen Tagen Fiat am anderen Ende der Welt. In Brasilien haben die Italiener die Designstudie FCC Adventure enthüllt. Sie wurde bei Fiat do Brasil entworfen und zeigt einen extrem sportlichen Stilo fürs Gelände. Zwar bleibt es mangels entsprechender Technologie erst einmal beim Frontantrieb, doch steht das rassige Coupé mit Federbeinen wie bei einem Monster-Truck hoch über der Straße und wirkt mit großen Reifen, breiten Radhäusern und einem groben Unterfahrschutz ausgesprochen robust. Einen sportlichen Anstrich bekommt der von einem 2,5 Liter großen Fünfzylinder mit 167 PS angetriebene Zweisitzer durch die riesigen Kiemen hinter den Vorderrädern, den in die Mitte des großen Diffusors gerückten Auspuff, den Heckspoiler und das Lüftungsgitter an Stelle der Heckscheibe. So oder so ähnlich müssten Autos aussehen, mit denen sich auch Otto-Normal-Fahrer auf die Rallye Paris-Dakar machen würden.

Traut sich BMW? Bleibt die Fiat-Studie ein Einzelstück?

Bei BMW ist das elegante Coupé fürs grobe Terrain zwar schon eine fixe Idee, bis zu deren Umsetzung aber wohl noch mindestens ein Jahr vergeht. Und bei Fiat wird es vermutlich beim Einzelstück der Brasilianer bleiben. Doch kann man einen sportlich geschnittenen Allradler auch schon kaufen: bei Ssangyong. Die Koreaner schreiben sich auf die Fahnen, mit dem ab November lieferbaren Actyon die Nische der "Sport Utility Coupés" (SUC) geöffnet zu haben.

"Wir zielen darauf ab, Ssangyong zur koreanischen Designmarke schlechthin zu entwickeln", sagt Sprecher Werner Röser und schreibt dem Actyon ein "klares, vor allem aber unverwechselbares Design fern aller Beliebigkeit" zu. Schönheit ist in dieser Definition zwar nicht eingeschlossen und wird vielen Kritikern wohl auf Dauer verborgen bleiben. Doch zumindest fällt der Actyon im Straßenverkehr auf. Dafür sorgen vorn das große Haifischmaul mit den verchromten Querstäben und die auffälligen, aber scheinbar verkehrt herum eingebauten Scheinwerfer. Und dafür sorgt in der Seitenansicht eine Silhouette, die hinter den Türen so schräg abfällt, als wolle der Actyon ein echter Sportwagen sein.

Der Ssyangyong wird zunächst nur mit Dieselmotor angeboten

Davon allerdings ist der Viertürer, der seinen Namen der Kombination von "action" und "young" verdankt, weit entfernt. Denn für Preise ab 23.970 Euro gibt es ihn zwar wahlweise mit Heck- oder Allradantrieb, aber ausschließlich mit einem zwei Liter großen Common-Rail-Dieselmotor. Der optional auch mit Rußpartikelfilter verfügbare Vierzylinder kommt auf 141 PS und 310 Nm und braucht für den Spurt auf Tempo 100 rund 15 Sekunden. Und auch eine Höchstgeschwindigkeit von 163 km/h ist nicht unbedingt ein Referenzwert, nach dem Sportwagenfahrer lechzen. Dann ist doch eher der Verbrauch von 7,8 Litern ein gutes Argument für den Exoten.

Allzu viel Zutrauen in die neue Nische haben die Hersteller aber offensichtlich noch nicht: Ssangyong zumindest wäre mit hierzulande 1000 Zulassungen im Jahr schon zufrieden. Und VW stellte erst vor einigen Monaten die Concept A benannte Studie für den kleinen Touareg-Bruder Tiguan vor - als rassiges Allrad-Coupé mit zwei Türen und flottem Heck. Doch die ersten Erlkönig-Fotos des Serienmodells zeigen ein ganz anderes, sehr viel faderes Auto: nämlich mit vier Türen und konventionellem Heck.



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