Dacia-Logan-Studie Ski heil in den Karpaten

Die Karpaten sollen eine ausgesprochen unwirtliche Gegend sein. Doch kann man in den rumänischen Bergen auch vortrefflich Skifahren. Zumindest für den Weg dorthin zeigt Dacia jetzt das richtige Auto: die Studie "Steppe".


Das Timing hätte besser sein können. Die Olympischen Winterspiele sind gerade vorbei, und aus mancher Piste sprießen schon die Krokusse. Doch weil sich noch überall in den Alpen die Lifte drehen, ist die Saison natürlich längst noch nicht vorbei. Passend zum späten Schneespaß wird beim Genfer Auto-Salon jetzt das erste Showcar des rumänischen Automobilherstellers Dacia enthüllt, das unter der Regie der Konzernmutter Renault entstanden und nun in Sichtweite des Mont Blanc seine Weltpremiere feiert.



Denn auch wenn es der Name nicht auf Anhieb vermuten lässt: Der "Steppe" könnte genau das Auto werden, von dem junge und in jeder Hinsicht klamme Snowboarder schon immer geträumt haben. Billig, pfiffig und mit eingebauter Handschuhheizung.

Ganz so leicht fällt die Zuordnung den Marketingexperten zwar nicht. Schließlich dreschen sie mittlerweile sogar beim ehemals sozialistischen Relikt aus Rumänien Phrasen von der "freizeitorientierten Lifestyle-Version" des Dacia Logan. Doch müssen die Designer rund um Kenneth Melville, der in Paris für die internationale Modellpalette zuständig ist, an ihr nächstes Wochenende im Schnee gedacht haben, während sie dem Steppe seine Gestalt gaben. Nicht nur weil "Werkstoffe und Verarbeitung an die Welt des Wintersports erinnern", wie es Melville formuliert. Sondern vor allem, weil so viele Details auf die Liebe zur Piste hinweisen.

So öffnet sich am rückwärtigen Ende des 4,47 lange und 1,78 Meter hohen Logan schon nach einer sanften Berührung fast automatisch eine zweigeteilte Heckklappe, die den Weg in einen mobilen Skikeller frei gibt. In dem bis zu 1700 Liter großen Kofferraum der Studie haben die Designer nicht nur eine Werkbank zum Wachsen und Schleifen der Ski eingebaut, sondern auch eine Heizbox für nasskalte Stiefel und klamme Handschuhe vorgesehen. Und auf dem Dach trägt der Logan ein windgeschützes Transportsystem, in das Ski und Snowboards wie in eine Bindung eingeklinkt werden können. Außerdem birgt der Träger in den Seitenteilen integrierte LED-Strahler, mit denen man die Nacht zum Tag machen und sich die Fackeln bei der Mondscheinabfahrt sparen kann.

Lümmelfläche für die Après-Ski-Entspannung

Sogar an Après-Ski und Einkehrschwung haben die Designer gedacht: "Ist die Rückenlehne der ausbaubaren Sitzbank im Fond umgeklappt, können es sich die Passagiere bequem machen und sich mit einem heißen Getränk aufwärmen", schwärmt Melville. Ein extra Staufach für die Thermoskanne jedenfalls ist vorgesehen. Oder aber man lümmelt sich auf der rutschfesten Liegefläche und analysiert auf der eingebauten Videoanlage noch einmal den Mitschnitt der letzten Abfahrt.

Ansonsten atmet das Interieur der Studie die übliche Mischung aus vornehmem Leder und Hightech-Stoffen, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn ein Innenraum besonders sportlich oder modern aussehen soll. Doch selbst im Cockpit hatten die Designer wohl eher Snowboard als Dashboard im Sinn. Die Flächen oberhalb des Beifahrerairbags und die Mittelkonsole sehen so aus, als hätten dort Skifahrer ihre Spuren im Kunststoff hinterlassen. Und auch aus gutem Grund sind alle Bedienelemente so geformt, dass man sie sogar mit weniger ausgeprägter Feinmotorik gut anfassen und bewegen kann. "Das ist äußerst praktisch, wenn man für den nächsten Ride schon seine Handschuhe übergestreift hat", sagt Melville.

Die Technik gibt bislang noch Rätsel auf

Wenig Worte macht die Renault Tochter bislang um die Technik des Steppe. Zwar sieht das Showcar schwer nach Allradantrieb aus, doch weil es den bislang nur beim Allianzpartner Nissan und dort auch nur in den größeren Baureihen gibt, werden sich die rumänischen Wintersportler wohl mit der erhöhten Bodenfreiheit und einem Satz grobstolliger Reifen begnügen müssen. Und für den Vortrieb würde wahrscheinlich ein Motor aus der aktuellen Clio-Palette sorgen, so dass bei 112 PS Schluss wäre.

Aber all das sind ohnehin nur Gedankenspiele, scheint doch eine Serienfertigung des Steppe derzeit eher unwahrscheinlich. Zwar hat der neue Renault-Chef Carlos Goshn eine große Modelloffensive angekündigt und dabei insbesondere die Billigautos aus Rumänien angesprochen. Doch für einen Lifestyle-Laster ist die Marke sicher noch nicht reif. Dennoch sollte man sich den Steppe ruhig schon einmal näher ansehen, denn ein Logan-Kombi ist fest versprochen. Und ein praktischer Van gilt als relativ sicher. Wenn es dann noch ein bisschen schneit und die Lifte wieder laufen, dann könnte es vielleicht doch irgendwann was werden mit dem Skifahren in den Karpaten. Und die nächsten Olympischen Winterspiele sind ja erst in vier Jahren.



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