Abgasskandal Daimler soll eine Million manipulierte Fahrzeuge verkauft haben

Daimler steckt offenbar tief im Dieselskandal: Aus einem Durchsuchungsbeschluss geht laut Medienberichten hervor, dass der Autobauer eine Million Fahrzeuge mit unzulässig hohem Schadstoffausstoß verkauft haben soll.
Motor im Mercedes-Benz Werk des Autokonzerns Daimler in Sindelfingen (Symbolbild)

Motor im Mercedes-Benz Werk des Autokonzerns Daimler in Sindelfingen (Symbolbild)

Foto: Sebastian Kahnert/ picture alliance / dpa

Der Autobauer Daimler soll nach Medienberichten viel stärker in die Abgasaffäre bei Dieselfahrzeugen verstrickt sein als bislang bekannt. Bei mehr als einer Million Fahrzeuge könnten Motoren eingebaut worden sein, bei denen die Abgasmessungen manipuliert wurden, berichten "Süddeutsche Zeitung ", NDR und WDR. Das gehe aus einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Stuttgart hervor, den die Zeitung und die Sender einsehen konnten.

Daimler wollte den Bericht am Mittwoch mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht kommentieren.

Ende Mai hatte ein Großaufgebot von Polizei und Staatsanwaltschaft zahlreiche Daimler-Standorte durchsucht, um Beweismaterial sicherzustellen. Der Verdacht der Ermittler: Betrug und strafbare Werbung "im Zusammenhang mit der Manipulation der Abgasnachbehandlung an Diesel-Pkw".

Viele Fahrzeugserien unter Verdacht, darunter Mercedes-Klassen

"Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR berichten nun unter Berufung auf den Durchsuchungsbeschluss vom Mai, Daimler solle von 2008 bis 2016 in Europa und den USA Fahrzeuge mit einem unzulässig hohen Schadstoffausstoß verkauft haben.

Betroffen seien Autos und Kleintransporter mit den Motoren OM 642 und OM 651. Diese seien bei Daimler in viele Fahrzeugserien eingebaut worden, darunter diverse Mercedes-Klassen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart gehe dem Verdacht nach, dass die beiden Motorenreihen eine unzulässige Abschalteinrichtung enthielten. Dadurch sind die Abgaswerte auf dem Prüfstand besser als beim tatsächlichen Gebrauch.

Die Staatsanwaltschaft ermittle gegen zwei Daimler-Beschäftigte wegen des Verdachts, Autokunden mit verbotener Werbung in die Irre geführt und betrogen zu haben. Die Ermittlungen waren bereits im März bekannt geworden. Es sei davon auszugehen, dass weitere Mitarbeiter des Konzerns an den mutmaßlichen Taten mitgewirkt hätten.

Daimler rechnet nicht mit Verlust der Zulassung

Eine Daimler-Sprecherin sagte, es handele sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart. "Wir kooperieren vollumfänglich mit den Behörden. Spekulationen kommentieren wir nicht."

Vor gut einem Jahr hatte Verkehrsminister Alexander Dobrindt die Daimler-Pkw-Tochter Mercedes-Benz und mehrere andere Autohersteller zu einem freiwilligen Rückruf verdächtiger Dieselmodelle aufgefordert. Autos der Unternehmen waren bei Abgasmessungen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) durch stark erhöhte Stickoxidwerte aufgefallen. Dobrindt und Daimler hatten sich auf die Nachrüstung von 247.000 Mercedes-Fahrzeugen verständigt.

Aktuell liegen laut den Medienberichten die Voraussetzungen vor, dass den betroffenen Autos europaweit die Zulassung entzogen werden könnte. Daimler wies diese Gefahr gegenüber der Zeitung aber zurück. Das zuständige Kraftfahrt-Bundesamt habe bisher keinen Anlass zum Eingreifen gesehen.

sun/dpa
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