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Kreativer Routenrechner: Wo kommen wir denn da hin?

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Kreativer Routenrechner Von Wegen

Was kommt heraus, wenn zwei Programmierer eine Redewendung wörtlich nehmen? Im Fall von Benedikt Groß und Philipp Schmitt das Projekt "Roads to Rome" - wunderschöne Wegenetze.

Benedikt Groß und Philipp Schmitt treibt von Berufs wegen immer die gleiche Frage um: Wie kommt man am schnellsten von A nach B?

Groß und Schmitt arbeiten für Moovel, den Mobilitätsdienstleister von Daimler, sie verarbeiten Geo-Daten und Landkarten zu Routenplanern. Für ein neues Projekt sind die beiden etwas spielerischer mit ihrer üblichen Fragestellung umgegangen. Dabei sind Karten entstanden, die zwar nicht unbedingt zur Orientierung dienen - die man sich aber am liebsten als Poster an die Wand hängen würde.

Zum Beispiel diese bunte Landkarte:

Die Europakarte der Wegenetz-Nerds

Die Europakarte der Wegenetz-Nerds

Foto: moovel

Unschwer zu erkennen, dass es sich hier um Europa handelt. Die schwarzen Punkte sind die Hauptstädte - und die Verästelungen sind Verkehrsadern, die zu den Kapitalen führen. Die unterschiedlichen Konturen dieses feingliedrigen Netzes haben sich durch einen von Groß und Schmitt festgelegten Algorithmus ergeben: Dazu haben sie Europa mit einem Raster von fast einer halben Million gleichmäßig verteilter Punkte überzogen - und berechnen lassen, welche Hauptstadt von jedem der einzelnen Punkt aus am schnellsten mit dem Auto zu erreichen ist. Die dickeren Verästelungen markieren dabei Straßen, auf denen viele Einzelrouten zusammenlaufen.

Metropolen unter der Mobilitätslupe

Auf der Landkarte sieht die Aufteilung Europas natürlich anders aus als durch die normalen Grenzen vorgegeben. Der Süden Schwedens beispielsweise ist viel besser an Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen angebunden als an Stockholm. Die italienische Insel Sizilien liegt mobilitätstechnisch dem Kleinstaat Malta erheblich näher als Rom. Auch Andorra, Luxemburg oder Liechtenstein erhalten - legt man die Erreichbarkeit ihrer Hauptstädte zugrunde - erstaunlich große Staatsgebiete.

Die Verknüpfung der Punkte mit den Städten ist eine abstrakte Spielerei, aus der Kartenkunst entsteht. Groß und Schmitt haben dazu auch die Bundesstaaten und Hauptstädte der USA vermessen.

Das sieht dann so aus:

Die USA, neu vermessen

Die USA, neu vermessen

Foto: moovel

Auch einzelne Metropolen haben die beiden Moovel-Männer mit Hilfe ihrer Algorithmen unter die Mobilitätslupe genommen. Das funktionierte so: Um Berlin herum beispielsweise wurde auf einer digitalen Landkarte ein virtueller Ring gelegt, auf dem Tausende Punkte festgelegt waren. Zu jedem dieser Punkte ließen Groß und Schmitt vom Zentrum der Stadt - in Berlin war es der Fernsehturm - die schnellste Route berechnen.

Berlin in 15 Minuten

Berlin in 15 Minuten

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Allerdings immer nur so weit, wie man in 15 Minuten Autofahrt bei normalen Verkehrsbedingungen kommen würde, dann stoppte die Routenberechnung. Die so entstandenen Bilder zeigen also, wie weit man innerhalb einer Viertelstunde in welche Richtung kommt. Die unterschiedlichen Farben entsprechen dabei den Himmelsrichtungen - Norden (Blau), Süden (Rot), Osten (Lila) und Westen (Grün).

Was am Beispiel von Berlin noch gleichmäßig aussieht, erscheint im Falle von San Francisco, wo der Verkehr nach Norden durch die Golden Gate Bridge und nach Osten durch die Oakland Bay Bridge kanalisiert wird, viel limitierter:

San Francisco in 15 Minuten

San Francisco in 15 Minuten

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Auf die Idee zu den ungewöhnlichen Karten kamen sie nach eigenen Angaben während einer Mittagspause. "Alle Wege führen nach Rom" - das ist einfach so dahingesagt, aber stimmt die Redensart wirklich? Groß und Schmitt beschlossen, sich der Fragestellung so zu widmen, wie es sich für Wegenetz-Nerds gehört - und programmierten das Punkteraster und den Algorithmus. Und was bei der Ewigen Stadt klappt, lässt sich auch auf London, Madrid oder Paris anwenden. Ihr Projekt nannten sie in Anlehnung an das Sprichwort "Roads to Rome."

Der praktische Nutzen dieser Kartenspielereien? "Der steht für uns nicht im Vordergrund", sagt Groß. "Es geht uns vielmehr darum, neue Wege im Umgang mit Karten zu erforschen. Denn jeder benutzt inzwischen Karten, ob im Navigationssystem des Autos oder auf dem Smartphone. Und ein kreativer Umgang mit den dazugehörigen Daten hilft uns dabei, auf neue Ansätze zu kommen."

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