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Opoc-Motor: Kolben gegen Kolben

Foto: EcoMotors

Opoc-Motor Der 200-Millionen-Dollar-Zweitakter

Mit einem ungewöhnlichen Zweitakter will ein US-Unternehmen die Motorentechnik revolutionieren. Das Aggregat soll sparsamer und billiger als herkömmliche Antriebe sein. Entwickelt wurde es von einem Ex-VW-Ingenieur. Bald startet in China die Serienfertigung.

Eigentlich klingt es ziemlich größenwahnsinnig, was das kleine Start-Up-Unternehmen Eco Motors aus dem US-Bundesstaat Michigan da ankündigt. Das Unternehmen ist kaum fünf Jahre alt, in der Autobranche also ein echter Neuling. Trotzdem will das Unternehmen den Verbrennungsmotor neu erfinden - und einen Antrieb bauen, der viel sparsamer und billiger als herkömmliche Motoren ist.

Offenbar aber kann es sich bei den Plänen von Eco Motors  aber nicht um reine Spinnerei handeln, denn immerhin haben die Macher schon einige mächtige Verbündete von ihrem Plan überzeugt. Zum Beispiel investiert einer der reichsten Männer der Welt in das Unternehmen: Microsoft-Gründer Bill Gates. Insgesamt hat Eco Motors 66 Millionen Euro Investitionskapital eingesammelt.

Das Vertrauen in das junge Unternehmen ruht auf zwei Säulen: Mit Donald Runkle, einem ehemaligen Chefingenieur von General Motors, und dem Österreicher Peter Hofbauer, der lange Jahre Chef der Motorenentwicklung bei VW war, sitzen zum einen erfahrene Leute im Vorstand. Zum anderen bietet das Produkt von Eco Motors offensichtlich so viel Potential, dass sich in Zukunft viel Geld damit verdienen lässt.

Leichter und genügsamer

Das Produkt heißt Opoc (Opposed Piston, Opposed Cylinder, gegenüberliegende Kolben, gegenüberliegende Zylinder) und wurde von dem mehr als 70 Jahre alten Hofbauer entwickelt. Es handelt sich dabei um eine Abwandlung eines sogenannten Gegenkolbenmotors, bei dem je zwei Kolben in einem Zylinder sitzen. Die Kolben bewegen sich in dem Zweitakter aufeinander zu und voneinander weg, zwischen ihnen befindet sich der Brennraum. Beim Opoc liegen zwei solcher Gegenkolbenmotoren hintereinander, dazwischen befindet sich die Kurbelwelle.

Die Vorteile: Bei dieser Konstruktionsweise verkürzt sich der Laufweg der Kolben um die Hälfte, und die Kraft beider Kolben überträgt sich direkt auf die Kurbelwelle, das Gehäuse bleibt unbeansprucht. Es entstehen weniger Reibung und Wärmeverlust, gleichzeitig ist der Motor leichter und kleiner, weil beispielsweise Teile wie die Zylinderköpfe oder die Ventilsteuerung wegfallen.

Unterm Strich verbraucht der Opoc laut Angaben von Eco Motors deswegen zwischen 20 und 50 Prozent weniger Kraftstoff als herkömmliche Viertaktmotoren und ist dabei mehr als 20 Prozent billiger in der Herstellung. Als großer Schwachpunkt von Zweitaktmotoren gelten die miserable Abgaswerte, da hohe Anteile an unverbranntem Kohlenstoffmonoxid im Abgas verbleiben. Ein Sprecher von Eco Motors wollte zu den Abgaswerten des Opoc-Motors keine genauen Angaben machen, sagte aber, dass dessen Werte gegenüber bekannten Zweitaktmotoren ebenfalls verbessert wurden.

Kapazität von jährlich 150.000 Motoren

Ob die versprochenen Leistungen tatsächlich den Alltagstest bestehen, ist noch unklar - Eco Motors teilt auf Anfrage mit, dass bislang noch kein Serienfahrzeug mit dem Opoc unterwegs ist. Das soll sich jedoch ab nächstem Jahr ändern, denn die Motoren werden bald in großen Stückzahlen vom Band laufen: Der chinesische Autozulieferer Zhongding Power hat bekanntgegeben, er werde für mehr als 200 Millionen Dollar eine Fabrik nahe Shanghai bauen, wo ab 2014 pro Jahr 150.000 Exemplare des Opoc-Motors produziert werden können.

Zhongding Power will vor allem Hersteller von Geländewagen und Nutzfahrzeugen mit den Opoc-Motoren beliefern. Laut Eco-Motors-Chef Donald Runkle werden hierfür zunächst Dieselversionen des Opoc mit einer Leistung von 180 bis 240 PS produziert. Mit den Chinesen befinde man sich außerdem in Verhandlungen über den Bau einer weiteren Produktionsstätte, wo kleinere, 80 bis 100 PS starke Motoren für Pkw gefertigt werden könnten.

cst/Reuters