Der persönliche Jahresrückblick Besser Dung als Getreide

Zum Jahresende ziehen die Auto-Leute von SPIEGEL ONLINE eine ganz persönliche Bilanz. Im fünften Teil kritisiert Roman Büttner die stümperhafte Einführung des Biokraftstoffs E10 und erklärt US-Autobahnen zu seinen Lieblingsstraßen.

Interstate 405 bei Los Angeles: Schon fast meditative Wirkung
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Interstate 405 bei Los Angeles: Schon fast meditative Wirkung


Aus Getreide und anderen Pflanzen Kraftstoff herzustellen, hört sich erst mal gut an. Zumindest finde ich die technische Machbarkeit interessant. Aber einen gesetzlichen Bioethanolanteil im Benzin vorzuschreiben, ist fragwürdig. Genau das geschah 2011 mit der Einführung von E10. Die neue Kraftstoffsorte soll helfen, die CO2-Billanz zu schönen, weil der Alkohol eben aus nachwachsenden Rohstoffen produziert wird.

Doch verträgt der Wagen den Sprit überhaupt? Und sollte man den Weizen und Mais nicht besser einsetzen, um den Hunger in der Welt zu bekämpfen? Wichtige Fragen, die die Verantwortlichen geflissentlich ignoriert haben. Sie hielten es noch nicht einmal für nötig, über ihre Pläne zur Einführung des sogenannten Biosprits ausreichend zu informieren. Die Folge der völlig missratenen Einführungsstrategie: Zahlreiche Autofahrer boykottierten - aus, Angst vor möglichen Motorschäden und Zweifeln am ökologischen Sinn.

Die Regierung ruderte also flugs zurück und drückte bei der Einführung Anfang März auf die Bremse. Noch heute bekommen Autofahrer an vielen Tankstellen immer noch herkömmlichen Sprit mit fünf Prozent Bioethanol.

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Das Autojahr 2011: Die bewegendsten Momente
Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch ich halte eine Reduzierung der CO2-Emission für unumgänglich, doch Nahrungsmittel im Tank zu verfeuern ist nicht der richtige Weg. Vielleicht sollten sich Politiker zum Beispiel das Verfahren des britischen Unternehmens Geneco anschauen. Die wollen menschlichen Fäkalien nutzen, um daraus Methan zu gewinnen. Angeblich reichen 70 Toilettengänge für eine Laufleistung von 15.000 Kilometern.

Autobahnen als Wellness-Oasen:

"I love the german Autobahn" - das war ein Satz, den ich oft während meines dreiwöchigen Aufenthaltes im Kalifornien gehört habe. Damit meinten meine Gesprächspartner wohl die Tatsache, dass es in Deutschland kein allgemeines Tempolimit auf den Autobahnen gibt. Diese Begeisterung kann ich nicht verstehen. Meist sind die Straßen so voll, dass man eh kaum schneller als 130 km/h fahren kann. Selbst davon können die amerikanischen Autofahrer zwar nur träumen, trotzdem macht mir das Cruisen in den USA viel mehr Spaß.

Das liegt vor allem an den gigantischen Straßen. Sieben Spuren pro Richtung sind etwa auf der Interstate 405 in Los Angeles keine Seltenheit. Selbst zur Rushhour war ich - wenn auch sehr langsam - eigentlich immer in Bewegung. Ein Grund: Wenn man - wie wir - mit zwei oder mehr Personen im Auto unterwegs ist, darf man die sogenannten Carpool-Lanes benutzen, die in der Regel ein zügigeres Vorankommen erlauben. Sicher, in LA, San Francisco und in anderen Metropolen kommt es oft zum totalen Stillstand - aber gefühlt eben nicht so oft wie in Hamburg. Außerdem hat man hierzulande das Gefühl, ständig an einer roten Ampel zu stehen.

Auch außerhalb der großen Städte auf Landstraßen oder Autobahnen hat eine Fahrt mit dem Auto schon fast meditative Wirkung. Das weiche Fahrwerk sorgt für gleichmäßiges Wiegen und der Motor verwöhnt die Ohren mit seinem sonoren V8-Geblubber. Dass man dabei nicht einschläft, dafür sorgen Pickups, die mitunter mit der gefühlten Geräuschkulisse eines Dragsters an uns vorbei fuhren. Das macht mächtig Eindruck, auch wenn man sich an den Kopf fasst. Für Deutschland sind sie gewiss kein Vorbild, aber zumindest über die Sonderspur für volle Autos könnten die Verantwortlichen mal nachdenken.



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
diefreiheitdermeinung 12.06.2019
1. Ja die Verantwortlichen koennten
Zitat von sysopZum Jahresende ziehen die Auto-Leute von SPIEGEL ONLINE eine ganz persönliche Bilanz. Im fünften Teil kritisiert Roman Büttner die stümperhafte Einführung des Biokraftstoffs E10 und erklärt US-Autobahnen zu seinen Lieblingsstraßen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,804259,00.html
tatsaechlich ueber Einiges nachdenken: a) auch hierzulande ein 130 km/h Tempolimit vorschreiben b) die Autobahnen als Spielplatz fuer Leute auf dem technischen Egotrip a la Fortschritt durch Technik abschaffen d.h. endlich fuer entspanntes und damit sicheres Fahren sorgen c) die Autobahnen eher wie in den USA bauen. d.h. nicht immer super-duper, dafuer kuerzere Planungs- und Bauzeit und niedrigere Kosten, auch weil sie nicht mehr fuer 180 km/h oder mehr ausgelegt werden muessen d) in den Grossraeumen der Staedte wie vorgeschlagen carlanes fuer 2 oder mehr Passagiere pro Fahrzeug (es wird sich nur in Deutschland wegen des Egosimus fast keiner dran halten es sei denn die Polizei macht wirklich ernst) e) endlich eine Konsequenz aus dem ueberproportional anwachsenden Schwergutverkehr ziehen d.h. truck lanes mit weitgehendem Ueberholverbot fuer Lastkraftwagen Aber: Hoffnung habe ich nicht.
larsmach 29.12.2011
2. "Bio"-Sprit!? Alternativer Kraftstoff!
Immerzu ist von "Bio"-Sprit die Rede in Bezug auf Ethanol - dabei wird offensichtlich der Tatsache Rechnung getragen, dass viele Deutsche ein Problem damit haben, Wert zu legen auf sichere Versorgung mit Kraftstoffen in der Zukunft. Statt nur auf Mineralöl zu setzen, lassen sich nachwachsende Rohstoffe einsetzen. Wie diese angebaut werden, bestimmen wir dabei selber (daher meine zweite Verwunderung über den Automatismus "Biokraftstoff = Regenwaldrodung"). Tragen wir nicht auch alle Kleidung? Was, wenn ich jedem Nicht-Nudisten "Kleidung = Kinderarbeit" vorwerfe? Autobahnen sind indes eigenartige Straßen. In Nachbarländern findet man regelmäßig Geschwindigkeitkontrollen und wundert sich weniger oft, auf 120 km/h von Fahrzeugen mit sehr viel höherem Tempo überholt zu werden. Ist Deutschen auch diese Art von Disziplin aufgrund des historischen Hintergrundes verpönt!?
_unwissender 29.12.2011
3. wissen tut man es nicht...
Zitat von diefreiheitdermeinungtatsaechlich ueber Einiges nachdenken: a) auch hierzulande ein 130 km/h Tempolimit vorschreiben b) die Autobahnen als Spielplatz fuer Leute auf dem technischen Egotrip a la Fortschritt durch Technik abschaffen d.h. endlich fuer entspanntes und damit sicheres Fahren sorgen c) die Autobahnen eher wie in den USA bauen. d.h. nicht immer super-duper, dafuer kuerzere Planungs- und Bauzeit und niedrigere Kosten, auch weil sie nicht mehr fuer 180 km/h oder mehr ausgelegt werden muessen d) in den Grossraeumen der Staedte wie vorgeschlagen carlanes fuer 2 oder mehr Passagiere pro Fahrzeug (es wird sich nur in Deutschland wegen des Egosimus fast keiner dran halten es sei denn die Polizei macht wirklich ernst) e) endlich eine Konsequenz aus dem ueberproportional anwachsenden Schwergutverkehr ziehen d.h. truck lanes mit weitgehendem Ueberholverbot fuer Lastkraftwagen Aber: Hoffnung habe ich nicht.
Es wäre denkbar - aber diesen Polit-Machern traut man ja wenig Denkvermögen zu - dass man sich das Tempolimit aufspart für die nächsten Klimaverhandlungen. Es wäre ja ein Triumph ohne gleichen, könnte Frau Umwelt-Angie vom nächsten Klimagipfel heim kommen und das Rezept aus der Tasche ziehen: 70 mph auf deutschen Autobahnen und der Spritverbrauch ist auf einen Schlag halbiert....
_McCell 29.12.2011
4. ...
In punkto E10 kann man wirklich nur von einer desaströsen Einführungspolitik reden. Ein absolutes Kommunikationsdisaster. Niemand hat es für nötig befunden im Vorfeld darüber aufzuklären. Kein warum, kein wie, keine Erläuterungen, erst recht keine Antworten auf viele Fragen, die Autobesitzer zu diesem Thema hatten. Als dann noch zusätzlich durch die Presse bekannt wurde, das man einen evtl. Motorschaden durch E10 aus eigener Tasche bezahlen muß, war jeder Rest einer positiven Einstellung zu dem Thema beseitigt. Am Ende wurde man noch als Kunde von allen Seiten beschimpft, weil man das Zeug nicht kaufte. --- Themenwechsel --- Zitat "...wohl die Tatsache, dass es in Deutschland kein allgemeines Tempolimit auf den Autobahnen gibt. Diese Begeisterung kann ich nicht verstehen. Meist sind die Straßen so voll, dass man eh kaum schneller als 130 km/h fahren kann." Woher kommt diese Behauptung?! Sobald ich die Zeiten des Berufsverkehrs und die saisonalen Urlaubsstaus ausblende, kann man hervorragend schneller als 130 fahren. Außerhalb der Stoßzeiten wird auch anscheined eher 150-160 als Standardgeschwindigkeit von der breiten Masse gewählt. zumindest ist das mein Eindruck, und ich fahre regelmäßig längere Strecken. Das ganze Geschwafel um eine TL ist mittlerweile rein ideologisch getrieben und erfolgt vorwiegend durch Kurzstreckenfahrer, die nur während des Berusverkehrs auf der Autobahn weilen. Leider wird dabei immer ausgeblendet, das man ddadurch nur einen Bruchteil des gesamten Vehrkehrsgeschehens mitbekommt. Auch wird ignoriert, das durch kein TL dieser Welt auch nur irgendein Berufsverkehrsstau verschwindet.
leopoldy 29.12.2011
5. Nein, kein E10
Zitat von sysopZum Jahresende ziehen die Auto-Leute von SPIEGEL ONLINE eine ganz persönliche Bilanz. Im fünften Teil kritisiert Roman Büttner die stümperhafte Einführung des Biokraftstoffs E10 und erklärt US-Autobahnen zu seinen Lieblingsstraßen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,804259,00.html
Wer würde sich denn E10 in den Tank machen, wenn es Menschen gibt, die nicht mehr als eine Handvoll Weizen am Tag zum Essen haben.....ich nicht. Und ob die CO2-Bilanz wirklich besser ist, es gab auch schon Studien die zum Ergebnis hatten, dass durch die Aufarbeitung der Biomassen eine negative CO2-Bilanz entseht. Und für die Haltbarkeit von Motoren gibt es keine belegbaren Studien bei E10. Die die es tanken, sagen der Verbrauch ist um ein Liter gestiegen. Also, warum bitteschön soll ich E10 verwenden? Bitte kein Tempolimit, es reicht an grüner Verordnungspolitik.
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