Design-Studenten Studienziel Serienreife

Wie wird man eigentlich Autodesigner? SPIEGEL ONLINE hat drei Studierende an der Fakultät für Design der Fachhochschule München gefragt. Ihr gemeinsames Berufsziel: später einmal schöne und aufregende Autos zu gestalten.

Von Jürgen Pander


Bei Kathrin Lach aus Neuburg an der Donau war es der ältere Bruder, der ihre Neugier auf Autos weckte. "Als kleine Schwester ließ ich mich von seiner Begeisterung für seine Spielzeugautos anstecken", erzählt die 21-Jährige, die inzwischen im dritten Semester Industriedesign an der FH München studiert und sich auf das Thema Transportation Design spezialisiert hat. "Automobildesign", sagt Lach, "ist eine der komplexesten und anspruchsvollsten Gestaltungsleistungen. Und leider haben sich bislang viel zu wenig Frauen diesem Thema gewidmet." Sie hat also durchaus eine Mission - nämlich "schöne Autos" auf die Räder zu stellen, die eben nicht typisch männlich oder gar böse aussehen sollen.

Der Studiengang in München ist so angelegt, dass im neuen Bachelor-Studiengang in der Regel im siebten Semester eine Abschlussarbeit angefertigt wird (die Diplomstudiengänge laufen allmählich aus). Othmar Wickenheiser, Prodekan der Fakultät Design, sagt stolz, dass in den "zurückliegenden zehn Jahren alle Diplomanden, die ich betreut habe, einen Übergang in den Beruf gefunden haben". Das gelingt auch deshalb, weil schon die Projekte während des Studiums eng mit der Industrie verzahnt werden. Lach beispielsweise nahm zuletzt an dem Hyundai-Projekt "Compact Charakter" teil, bei dem es darum ging, einen schönen, sympathischen, liebenswerten Kleinwagen zu gestalten. Später, sagt Lach, würde sie gerne vor allem Auto-Innenräume entwerfen.

Claudia Christl, 22 Jahre alt und im neunten Semester, hat sich dagegen auf das Exterieurdesign spezialisiert. "Mich interessiert das Äußere eines Autos, weil ich da mit großen Flächen, Kanten und Schwüngen Emotionalität aufbauen kann", sagt Christl. Ihre Entwürfe - am liebsten zeichnet sie sportliche Fahrzeuge - beginnt sie stets mit der Seitenansicht, erst danach folgen Front und Heck. Praktika absolvierte die Münchnerin bereits bei BMW sowie bei Skoda in Tschechien. Ein eigenes Auto besitzt sie nicht - "zu teuer", sagt die Studentin, die im nächsten Jahr noch ein Praktikum plant und ihre Diplomprüfung ablegen möchte.

Wenn Autos Emotionen auslösen

"Ich rede viel über Autos", sagt Christl. "Mein Wissen über Fahrzeuge habe ich mir während des Studiums zugelegt, denn es ist gut, einen vernünftigen Hintergrund zu haben." Ihrer Familie gehe ihre Auto-Leidenschaft mitunter auf die Nerven. "Meine Schwester verdreht bei dem Thema nur noch die Augen." Doch davon lässt sich Christl nicht mehr beirren. "Ich würde gerne im Exterieurdesign eines Autoherstellers arbeiten", sagt sie. Gibt es eine Lieblingsmarke? "Ich bin da offen, aber Emotionalität und Schönheit sollten eine große Rolle spielen."

Reichlich Praxiserfahrung hat auch Nico Munkler bereits gesammelt. Der 25-Jährige aus Pelm in der Eifel studierte zunächst Industriedesign in Aachen, ehe er im vierten Semester nach München wechselte und damit auch gleich den Schwerpunkt in Richtung Autodesign verschob. Praktika absolvierte er bei Audi in München und Honda in Offenbach und Tokio. Sein Zugang zum Auto ist, zumal für einen Designer, eher ungewöhnlich. "Ich bin das Gegenteil eines 'Benzin-im-Blut-Typen', ich bin kein Autofreak und auch kein großer Motorsport-Fan", sagt Munkler. "Das wäre vielleicht hilfreich, aber mein Ansatz ist rational: Ein Produkt muss funktionieren."

"Sportwagen finde ich nicht so sinnvoll"

Styling, Image, Marke - das kommt für Munkler, derzeit im neunten Semester, erst an zweiter oder dritter Stelle. "Wenn ich als Designer in die Autoindustrie gehe, dann wohl eher nicht zu einer Premiummarke." Auch bei einem Sportwagenhersteller wäre der Mann, der demnächst sein Diplom machen wird, eher fehl am Platze. "Die einzige Funktion eines Sportwagens besteht ja darin, schnell zu fahren. Das finde ich nicht so sinnvoll."

Drei Nachwuchs-Autodesigner, drei Design-Ansätze - schon dies lässt hoffen, dass in Zukunft etwas mehr Vielfalt in die Formgebung der Fahrzeuge einzieht. Denn gerade in der Automobilbranche, können etwas femininere, sinnlichere und funktionalere Designansätze durchaus nicht schaden.



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