Fotostrecke

Lichtdesign auf Straßen: Die schöne Seite der Dunkelheit

Foto: Daan Roosegaarde/ Heijmans Infrastructure

Lichtdesign auf Straßen Wege der Erleuchtung

Glitzernde Radwege, funkelnde Fahrbahn-Markierungen: Der Designer Daan Roosegaarde erhellt Straßen - und bringt die Augen der Betrachter zum Leuchten.

"Techno-Poetry" nennt der Designer Daan Roosegaarde seine Werke. Der Holländer bringt Radwege zum Glitzern, lässt vierspurige Schnellstraßen bunt leuchten und experimentiert mit Bäumen, deren Blätter bei Nacht zu schillernden Lichtquellen werden. "Wir haben uns gefragt, warum Design immer nur bei Autos wichtig ist und nicht auf der Straße", sagt Roosegaarde. "In die Entwicklung von Fahrzeugen fließen Milliarden, aber die Straßen sind immer noch wie im Mittelalter. Dabei überlassen wir sie doch den kommenden Generationen."

Deshalb will er den grauen Asphalt bunter und besser machen. Das jüngste Projekt des 35-Jährigen ist ein soeben eröffneter Radweg in Nuenen bei Eindhoven. Auf dem rund 600 Meter langen Abschnitt zwischen zwei Wassermühlen haben er und sein Team 50.000 mit fluoreszierender Farbe beschichtete Steinchen eingelassen. Und zwar exakt so, dass bei Dunkelheit, wenn die Steinchen grünlich schimmern, ein Wirbelmuster wie auf dem Gemälde "Sternennacht" von Vincent van Gogh entsteht. Der Effekt ist beinahe überirdisch.

Einerseits bedeute ein von selbst leuchtender Fahrstreifen mehr Sicherheit, zugleich aber gehe es auch um Geschichte, Kunst und Umweltbewusstsein, sagt Roosegaarde. "Wir werden keine Kopie machen und einen Van-Gogh-Weg in München bauen. So etwas funktioniert nur am passenden Ort." Denn der Maler lebte zeitweise in Nuenen und verewigte die Wassermühlen, zwischen denen der Weg verläuft, auf seinen Bildern.

Die richtige Farbe für den Frost

Universell einsetzbar ist dagegen Roosegaardes Idee der "Smart Highways". Auch hier nutzt der "Hippie mit Businessplan", wie die "New York Times" ihn nannte, fluoreszierende Farbe für Fahrbahnmarkierungen. Bei Tageslicht wird Energie gespeichert, die die Streifen bei Nacht leuchten lässt.

Das von Roosegaarde entwickelte Konzept sieht aber nicht nur "Glowing Lines" vor, also von selbst leuchtende Seitenbegrenzungen, Mittelstreifen oder Richtungspfeile, sondern noch weitere Funktionen: zum Beispiel temperaturempfindliche Farben, die bei Frost und Glättegefahr entsprechende Warnsymbole auf der Straße erscheinen lassen. Auf einem 500 Meter langen Abschnitt der Schnellstraße N329 zwischen Nijmegen und 's-Hertogenbosch in den Niederlanden werden solche Markierungen seit April getestet.

"Verbindung zwischen Träumen und Excel-Tabellen"

Auch beim Thema Straßenbeleuchtung hat sich Roosegaarde etwas einfallen lassen: Statt auf elektrisches Licht setzt er auf strahlende Bäume. Dazu kooperiert er mit dem US-Unternehmen Bioglow, das Tabakpflanzen genetisch so verändert, dass ihre Blätter bei Dunkelheit leuchten. Roosegaarde will Straßenränder mit diesen modifizierten Pflanzen begrünen, sie sollen die Autofahrer bei Nacht quasi durch einen Lichtkorridor leiten.

"Letztlich geht es darum, neue Verbindungen zu schaffen. Auch zwischen Kreativität und Kommerz, zwischen Träumen und Excel-Tabellen", sagt Roosegarde, der in Waddingxveen nordöstlich von Rotterdam ein Designstudio betreibt . Auf die Resonanz auf seine hellen Ideen ist er stolz: "Wir erhalten viele Anfragen aus der ganzen Welt. Die Leute interessiert vor allem die Poesie in unseren Projekten."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.